Neue Fußball-Regeln: VAR erhält deutlich mehr Befugnisse
Fußball-Fans müssen sich bereits zur kommenden Weltmeisterschaft auf umfassende Regeländerungen einstellen. Das International Football Association Board (Ifab) hat bei seiner Jahreshauptversammlung in Hensol, Wales, weitreichende Neuerungen beschlossen, die dem Video-Schiedsrichter (VAR) deutlich mehr Macht verleihen und den Kampf gegen Zeitspiel intensivieren.
Erweiterte VAR-Kompetenzen bei Eckbällen und Platzverweisen
Künftig soll der Video-Assistent nicht nur strittige Tor- und Strafraumszenen überprüfen, sondern auch die Korrektheit von Eckbällen kontrollieren. Diese neue Befugnis gilt allerdings nur, „sofern die Überprüfung sofort und ohne Verzögerung der Spielfortsetzung durchgeführt werden kann“. Das erklärte Ziel dieser Regeländerung ist es, zu verhindern, dass ein zu Unrecht gegebener Eckstoß unmittelbar zu einem Tor führt.
Zudem wird der VAR künftig Gelbe Karten überprüfen, die zu einem Platzverweis führen. Allerdings bleiben erste Verwarnungen oder nicht geahndete Gelbe Karten, die zu einer Gelb-Roten Karte hätten führen können, von der Kontrolle ausgenommen – es sei denn, nachweislich wurde der falsche Spieler oder das falsche Team bestraft.
Strengere Maßnahmen gegen Zeitspiel
Aufbauend auf der bereits existierenden Acht-Sekunden-Regel für Torhüter beim Abschlag hat die Ifab-Generalversammlung das Countdown-Prinzip nun auf Einwürfe und Abstöße ausgeweitet. „Wenn der Schiedsrichter der Meinung ist, dass ein Einwurf oder Abstoß zu lange dauert oder absichtlich verzögert wird, wird ein visueller Countdown von fünf Sekunden gestartet“, erklärten die Regelhüter.
Befindet sich der Ball am Ende des Countdowns nicht im Spiel, erhält das gegnerische Team einen Einwurf. Ein verzögerter Abstoß führt zu einem Eckstoß für die andere Mannschaft. Diese Maßnahmen sollen das flüssige Spiel fördern und taktisches Zeitspiel eindämmen.
Neue Bestimmungen für Spielerbehandlung und Auswechslungen
Weitere wichtige Änderungen betreffen die Behandlung verletzter Spieler und Auswechslungsprozeduren:
- Ausgewechselte Spieler müssen das Spielfeld künftig innerhalb von zehn Sekunden nach Anzeige der Auswechseltafel verlassen. Bei Verstößen darf der Einwechselspieler erst auf den Platz, wenn es eine weitere Spielunterbrechung gibt.
- Wenn ein Spieler wegen einer Verletzung auf dem Rasen behandelt wird oder seine Verletzung zu einer Spielunterbrechung führt, muss der Spieler das Spielfeld verlassen und eine Minute lang außerhalb des Spielfelds bleiben, nachdem das Spiel wieder aufgenommen wurde.
Umsetzung und Gremiumszusammensetzung
Die neuen Bestimmungen treten im Sommer in Kraft und könnten damit bereits bei der nächsten Weltmeisterschaft angewendet werden. In der Bundesliga dürften sie voraussichtlich ab der kommenden Saison gelten. Eine verpflichtende Übernahme für alle Wettbewerbe gibt es allerdings nicht, theoretisch könnten sich daher Unterschiede zwischen Liga und DFB-Pokal ergeben. In der Regel einigen sich aber DFB und DFL auf eine gemeinsame Linie.
Traditionell sind in dem Gremium die vier britischen Fußballverbände aus England, Schottland, Wales und Nordirland mit jeweils einer Stimme vertreten. Die FIFA verfügt über insgesamt vier Stimmen. Die Institution wird als Regel-Instanz allseits akzeptiert und ihre Entscheidungen prägen den Fußball weltweit.



