Schonungslose Analyse: Die Gründe für den drohenden Abstieg des VfL Wolfsburg
Nach 24 Spieltagen in der Bundesliga-Saison steht der VfL Wolfsburg auf einem direkten Abstiegsplatz. Die Situation ist dramatisch: In der Rückrunde konnte die Mannschaft noch kein einziges Spiel gewinnen. Nach fünf Niederlagen aus den letzten sechs Bundesliga-Begegnungen und einer deutlichen 0:4-Klatsche beim VfB Stuttgart stürzten die Wölfe auf den vorletzten Tabellenplatz.
Die Führungsebene: Ein Phantom im Vorstand
Im Sommer 2024 übernahm Peter Christiansen (51) einen bereits kriselnden Klub. Der Däne sollte den VfL Wolfsburg zunächst stabilisieren und anschließend wieder in die europäischen Wettbewerbe führen. Aus dieser schönen Vorstellung wurde eine grausame Gegenwart. Christiansen scheiterte krachend und verschlimmerte die Situation sogar noch weiter.
Bereits Anfang November bot er nach einer Niederlage gegen Werder Bremen (1:2) seinen Rücktritt an. Er blieb jedoch im Amt, während Trainer Paul Simonis (41) entlassen wurde. Obwohl die Entlassung des Trainers richtig war, hätte auch Christiansen gehen müssen. Doch niemand im Aufsichtsrat traute sich, diese Entscheidung zu treffen.
Zu diesem Zeitpunkt war bereits klar, dass der Kader falsch zusammengestellt worden war. Auch im Winter gab es trotz Ausgaben von 20 Millionen Euro keine echten Soforthilfen, sondern nur Bankdrücker wie Shiogai und Adjetey. Als Geschäftsführer Sport hat Christiansen die Macht, Transfers zu verhindern oder abzunicken – eine Verantwortung, die er nicht ausreichend wahrnimmt.
Ein weiterer schwerwiegender Vorwurf: Christiansen ist kaum greifbar, sowohl extern als auch intern. Nach Informationen soll er bei einigen Mitarbeitern und Spielern sogar den Spitznamen „Das Phantom“ erhalten haben.
Die Trainer: Verpasste Chancen trotz teurem Kader
Trotz des schlecht zusammengestellten Teams konnten die Trainer Paul Simonis und sein Nachfolger Daniel Bauer (43) auf einen Kader mit einem Marktwert von rund 250 Millionen Euro zurückgreifen. Zum Vergleich: Der FC St. Pauli kommt auf 66 Millionen Euro, Werder Bremen auf 191 Millionen Euro.
Doch dieser finanzielle Vorteil nutzte den Wölfen nichts. Keinem der beiden Trainer gelang es, eine funktionierende Mannschaft zu formen. Zu oft wurde auf die falschen Spieler gesetzt. Der erfahrene und krisenerprobte Yannick Gerhardt (31) saß zu häufig auf der Bank. Die Abwehr wurde immer wieder durchgewürfelt und dadurch weiter geschwächt.
Auf anderen Positionen fehlte dagegen der Mut zum Wechsel. Ein Beispiel ist Torhüter Kamil Grabara (27), der für 12 Millionen Euro verpflichtet wurde. Seine Leistungswerte sind im Liga-Vergleich unterdurchschnittlich, und intern ist der polnische Nationalspieler wegen seines angeblich arroganten Auftretens unbeliebt. Warum also nicht Marius Müller (32) spielen lassen? Der Torwart überzeugte bislang immer, gilt in Mannschaftskreisen als beliebt und unbequem – genau die Art von Spieler, die im Abstiegskampf benötigt wird.
Die Spieler: Ein Haufen von Ich-AGs ohne Vereinsidentität
Das VfL-Team besteht aus einem Haufen von Ich-AGs, Ja-Sagern, Wegduckern und nur ganz wenigen Spielern mit echter VfL-Identität. Ein Beispiel ist Mohamed Amoura (25). Der algerische Stürmer fällt immer wieder durch Skandale auf und ist ebenfalls unbeliebt im Team. Dennoch sind die Wolfsburger von ihm abhängig, da er der einzige echte Unterschiedsspieler ist.
Ein weiteres Beispiel ist Maximilian Arnold (31). Der Mittelfeldstratege ist deutschlandweit bekannt, eine absolute Identifikationsfigur und Publikumsliebling. Doch im Team ist er durch sein selbstbewusstes Auftreten umstritten. Nach Informationen wollte Geschäftsführer Christiansen Arnolds Vertrag im vergangenen November nicht verlängern. Einflussreiche Personen im Aufsichtsrat legten jedoch ihr Veto ein – ein Vorgang, der viel über die internen Machtverhältnisse im Verein aussagt.
Die aktuelle Situation: Trainer Bauer rechnet gnadenlos ab
Trotz der anhaltenden Krise darf der erfolglose Trainer Daniel Bauer weiter verlieren. Obwohl sein Job derzeit am gefährdetsten ist, rechnete er nach der 0:4-Niederlage in Stuttgart gnadenlos mit dem Klub ab: „Die Atmosphäre und die Kultur innerhalb des Klubs sind aktuell nicht bundesligatauglich.“
Und damit hat der Trainer recht. Das eigentliche Problem: Niemand handelt. Oder noch schlimmer: Niemand traut sich zu handeln. Die Gründe für die Krise sind vielfältig und tief in der Vereinsstruktur verankert. Wenn sich nicht schnell etwas Grundlegendes ändert, wird der VfL Wolfsburg am Ende der Saison tatsächlich in die 2. Bundesliga absteigen.



