Alfred Draxler: Warum VW beim VfL Wolfsburg nicht spart, bevor Arbeitsplätze wegfallen
Von Volkswagen, Europas größtem Autobauer, kamen in dieser Woche alarmierende Nachrichten: Aus einer internen Sitzung sickerte durch, dass das Unternehmen die Kosten konzernweit bis zum Jahr 2028 um satte 20 Prozent senken muss. Insgesamt geht es dabei um die gewaltige Summe von 60 Milliarden Euro. Werksschließungen werden in diesem Zusammenhang angeblich nicht ausgeschlossen.
Die Gretchenfrage: Warum nicht beim Fußball anfangen?
Ich frage mich in meiner Fußball-Woche: Warum fängt Volkswagen beim Sparen eigentlich nicht beim VfL Wolfsburg an? Klar, die Einsparungen beim Fußballverein wären im Vergleich zu den benötigten 60 Milliarden nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Doch bevor Standorte geschlossen, Werke dichtgemacht und vor allem, bevor Menschen ihre Arbeitsplätze verlieren, wäre es wahrscheinlich ein richtiges und wichtiges Signal.
Ich habe persönlich nichts gegen den VfL Wolfsburg! Aber schon vor zwei Wochen habe ich im „Doppelpass“ bei Sport 1 deutlich gesagt, dass dem Klub, der aktuell nur auf Platz 15 der Bundesliga rangiert, bei einem Abstieg niemand eine Träne nachweinen würde. Gemeint waren damit vor allem die Fußball-Fans außerhalb der Stadt Wolfsburg.
VfL Wolfsburg: Eine hundertprozentige VW-Tochter mit Sonderstatus
Der VfL Wolfsburg ist eine hundertprozentige Tochtergesellschaft von Volkswagen. Seit dem Jahr 2001 ist der Verein durch eine Ausnahmeregelung – ähnlich wie Bayer 04 Leverkusen – von der sogenannten 50+1-Regel in der Bundesliga befreit. Wie viel Geld Volkswagen tatsächlich in den Klub pumpt, bleibt ein gut gehütetes Geheimnis. Nach § 264 des Handelsgesetzbuches verzichtet die Volkswagen AG nämlich auf die Veröffentlichung der Jahresabschlüsse der VfL Wolfsburg-Fußball GmbH. Es geht dabei um Trikotwerbung, Namensrechte am Stadion und viele weitere finanzielle Zuwendungen. Insider schätzen konservativ, dass VW pro Saison mindestens 90 Millionen Euro investiert.
Ja, der Verein ist seit seinem Aufstieg im Jahr 1997 tatsächlich nie abgestiegen. Er wurde sogar einmal Deutscher Meister und einmal DFB-Pokalsieger. Doch die entscheidende Frage lautet: Wen hat dieser Erfolg nachhaltig wirklich interessiert und begeistert?
Mangelnde Popularität trotz finanzieller Unterstützung
Die „Wölfe“ aus Wolfsburg stehen bei der durchschnittlichen Stadionauslastung, die bei nur 81,7 Prozent liegt, und bei den TV-Quoten in der gesamten Bundesliga ganz hinten. In einer inoffiziellen Top-30-Liste der aktivsten Auswärtsfahrer, die von der Quelle „die falsche Neun“ veröffentlicht wurde, sind sie nicht ein einziges Mal vertreten. Dafür finden sich dort aber unterklassige Traditionsklubs wie der TSV 1860 München, Hansa Rostock oder Rot-Weiß Essen.
Ich bin grundsätzlich für eine Abschaffung der 50+1-Regel im deutschen Profifußball. Aber in gleichem Maße bin ich strikt gegen solche Ausnahmeregelungen à la Wolfsburg oder Leverkusen. Weil sie die fundamentale Chancengleichheit in der Liga nachhaltig zerstören!
Appell an VW-Chef Oliver Blume
Von mir aus kann der VfL Wolfsburg noch weitere 100 Jahre in der Bundesliga spielen. Aber bevor VW-Chef Oliver Blume tausende Arbeitsplätze in der Belegschaft streicht, sollte er den Spar-Hammer erst einmal bei den subventionierten Profifußballern seines eigenen Konzerns rausholen! Das wäre ein fairer und verantwortungsvoller erster Schritt in einer schwierigen finanziellen Lage.



