Weltmeister fordert WM-Chance für Bayern-Youngster Urbig
Die erneute Verletzung von Manuel Neuer beim FC Bayern München hat eine spannende Diskussion über die Torhüterposition der deutschen Nationalmannschaft entfacht. Weltmeister Roman Weidenfeller äußert sich nun deutlich und bringt Jonas Urbig, den aktuellen Vertreter des verletzten Kapitäns, als Kandidaten für die anstehende Weltmeisterschaft ins Spiel.
Urbig überzeugt als Neuer-Vertreter
Jonas Urbig, erst 22 Jahre alt, sammelt in dieser Saison wertvolle Spielpraxis. Sechs seiner insgesamt elf Einsätze absolvierte er allein in diesem Kalenderjahr. Nach dem erneuten Muskelfaserriss von Manuel Neuer stehen mindestens zwei, möglicherweise sogar drei weitere wichtige Partien an: das Champions-League-Achtelfinal-Hinspiel bei Atalanta Bergamo, das Bundesliga-Topspiel bei Bayer Leverkusen und gegebenenfalls das Rückspiel gegen die Bergamaschi.
Beim FC Bayern zeigt man sich von der Situation unbeeindruckt. "Für uns ändert sich die Situation nicht", betont Cheftrainer Vincent Kompany. Sportvorstand Max Eberl bestätigt, dass Neuer "nicht ewig lange" ausfallen werde, möchte aber keine konkrete Zeit nennen, um "keinen Druck aufzubauen". Dennoch könnten es beim 39-jährigen Torhüter zwei bis drei Wochen werden.
Weidenfellers klare WM-Empfehlung
Ex-Nationaltorhüter Roman Weidenfeller, Weltmeister von 2014, geht in seiner Bewertung noch einen Schritt weiter. Im "Doppelpass" bei Sport1 sagte er: "Ich würde Jonas Urbig mitnehmen zur Weltmeisterschaft, weil er das Alter und das Talent dazu hat, in Zukunft deutscher Nationaltorwart zu werden."
Weidenfeller argumentiert, dass Urbig im Gegensatz zu anderen Nationaltorhüter-Kandidaten wie Oliver Baumann oder Alexander Nübel bei den Bayern die Möglichkeit habe, sich auf höchstem Niveau in der Champions League zu beweisen. Allerdings sieht er den Youngster noch nicht als Stammtorhüter: "Nummer eins ist Baumann, klar. Dann Nübel und Urbig. Du kannst dich darüber streiten, ob du Urbig auf die Zwei packst und Nübel dahinter."
Nagelsmanns Überraschungsankündigung
Bundestrainer Julian Nagelsmann hat zuletzt angekündigt, dass die Kadernominierung für die WM durchaus Überraschungen bereithalten wird. "Es wird Entscheidungen geben, das kann ich jetzt schon verraten, die vermutlich nicht auf supergroßes Verständnis stoßen", so Nagelsmann gegenüber dem "Kicker".
Sollte Nagelsmann tatsächlich mit Urbig für die WM planen, könnte sich der 22-Jährige bereits über eine Nominierung für die anstehende Länderspielperiode im März freuen. Die Testspiele gegen Ghana und die Schweiz sind die letzten vor der endgültigen WM-Nominierung. "Der Kader wird dem, mit dem wir zur WM reisen wollen, schon sehr ähneln", erklärt Nagelsmann.
Eberl sieht Urbig auf gutem Weg
Bayerns Sportvorstand Max Eberl hält eine WM-Nominierung für Urbig keineswegs für ausgeschlossen. "Wenn er gute Leistung bringt, ist, glaube ich, jeder Spieler ein Kandidat", so der 52-Jährige. Gleichzeitig betont er seine Zufriedenheit mit der Entwicklung des jungen Torhüters: "Jonas hat für mich eine Super-Entwicklung genommen."
Die Zukunft von Manuel Neuer, dessen Vertrag im Sommer ausläuft, bleibt vorerst offen. Eberl erklärt: "Wir wissen, in welchem Alter Manu ist. Wir haben immer gesagt, jetzt soll er erst mal 40 Jahre werden Ende März. Und dann werden wir uns in Ruhe hinsetzen und sprechen." Eine Entscheidung werde man "zusammen mit Manu fällen".
Urbig, der erst vor etwas mehr als einem Jahr als Ersatztorwart vom damaligen Zweitligisten 1. FC Köln für kolportierte sieben Millionen Euro nach München wechselte, könnte von dieser Entwicklung profitieren. Für den 22-Jährigen wäre es die erste Nominierung für die A-Nationalmannschaft – und möglicherweise der Beginn einer großen Karriere.



