Werder-Boss Clemens Fritz: „Ich sehe mich nicht als Sündenbock“ trotz Fan-Wut
Werder-Boss Fritz: „Ich sehe mich nicht als Sündenbock“

Werder-Boss Clemens Fritz: „Ich sehe mich nicht als Sündenbock“ trotz Fan-Wut

Der krisenhafte Saisonverlauf von Werder Bremen belastet Geschäftsführer Clemens Fritz persönlich. In einem exklusiven Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ) äußerte sich der 45-jährige Ex-Profi verständnisvoll über die wütenden Fans angesichts der angespannten Tabellensituation des Traditionsvereins. Auf die Frage, ob es ein Zeichen der Zeit sei, dass stets ein Schuldiger gefunden werden müsse, wies Fritz die Schuldzuweisungen jedoch entschieden von sich: „Ich sehe mich nicht als Sündenbock.“

Digitale Petition und satzungsgemäße Verfahren

Vor wenigen Monaten initiierten mehrere Bremer Fans eine digitale Petition für eine außerordentliche Mitgliederversammlung, um die Arbeit von Fritz neu zu bewerten – möglicherweise mit dem Ziel, sein vorzeitiges Aus zu erzwingen. Der Verein teilte jedoch umgehend mit, dass die überwiegend anonymisierte Online-Unterschriftensammlung nicht das satzungsgemäße Verfahren ersetze und keine rechtliche Grundlage für eine Einberufung bilde. Zum Zeitpunkt der Petition stand Werder Bremen noch deutlich schlechter da, doch nach drei gewonnenen Partien aus den letzten Spieltagen rangiert der Klub nach 27 Spieltagen inzwischen auf Platz 14 der Bundesligatabelle – immerhin vier Punkte vor dem gefürchteten Relegationsplatz.

Persönliche Betroffenheit und Kritik an Anonymität

Die massive Fan-Wut auf den Verein und seine Person ist in den vergangenen Monaten nicht spurlos an Clemens Fritz vorbeigegangen. „Es macht was mit mir“, gestand er der FAZ. Dabei thematisierte der Geschäftsführer auch die Möglichkeit vieler Fans, ihren Unmut online und anonym Ausdruck zu verleihen. „Auf der Sachebene ist alles an Kritik okay. Doch sollte es niemals persönlich werden. Vor allem das Verstecken hinter Pseudonymen im Internet stört mich.“

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Fehleinschätzung beim Boniface-Transfer

Ein zentraler Kritikpunkt, der Fritz immer wieder angelastet wird, ist der Transfer von Stürmer Victor Boniface. Der 25-jährige Nigerianer wechselte im Sommer auf Leihbasis von Bayer Leverkusen an die Weser. Mit einem damaligen Marktwert von 40 Millionen Euro laut transfermarkt.de war er eigentlich eine Preisklasse zu hoch für die Bremer. Verletzungsprobleme und verschiedene Eskapaden führten jedoch dazu, dass Boniface doch verfügbar wurde. Ein Schachzug, der nie aufging: Bei Werder Bremen kommt der Angreifer gerade mal auf zwei Vorlagen in elf Spielen und fehlte zuletzt lange verletzt. Fritz räumte seinen Fehler beim Boniface-Transfer offen ein: „Aus heutiger Sicht war das eine Fehleinschätzung.“ Immerhin ist Boniface seit Kurzem wieder im Training, auch wenn er noch nicht einsatzfähig ist. Eventuell kann er Werder Bremen im Saisonendspurt noch einmal zur Verfügung stehen.

Lichtblick in der Tabellensituation

Trotz der anhaltenden Kritik und der persönlichen Belastung gibt es für Clemens Fritz und Werder Bremen auch positive Signale. Die jüngsten Erfolge haben dem Verein etwas Luft verschafft, und die Tabellensituation hat sich merklich entspannt. Vier Punkte Vorsprung vor dem Relegationsplatz bieten eine gewisse Sicherheit, auch wenn die Saison noch nicht entschieden ist. Fritz betonte in dem Interview, dass er weiterhin voll hinter dem Verein und seinem Team stehe und alle Anstrengungen unternommen werden, um Werder Bremen langfristig wieder in stabilere Gewässer zu führen.

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