Werder Bremens Zitterpartie: Gründe für und gegen den Bundesliga-Verbleib
Der norddeutsche Traditionsclub Werder Bremen steht im Abstiegskampf der Fußball-Bundesliga weiter unter enormem Druck. Nach der 1:2-Niederlage gegen RB Leipzig bleibt das Punktepolster auf den Relegationsplatz äußerst dünn. Bei noch sechs ausstehenden Spielen stellt sich die brennende Frage: Was spricht gegen und was für den Klassenverbleib der Grün-Weißen?
Das spricht gegen den Verbleib in der Bundesliga
Verletzungspech erreicht neue Dimensionen
Das notgedrungene Comeback von Amos Pieper in der Startelf durch den kurzfristigen Ausfall des erst jüngst genesenen Karim Coulibaly steht symptomatisch für die Verletzungsmisere dieser Saison. Noch dramatischer: Pieper verletzte sich selbst in der zweiten Halbzeit nach einem Kopfballduell und musste ausgewechselt werden. Der 28-Jährige klagte über Schwindel, eine genaue Diagnose steht noch aus.
Profifußball-Geschäftsführer Clemens Fritz äußerte sich besorgt: "Sicherlich tut uns das weh." Er habe sich die Verletzungshistorie der vergangenen Jahre angeschaut und festgestellt: "So extrem war es noch nicht." Der Ausfall wichtiger Spieler wie Niklas Stark (muskuläre Probleme), Keke Topp und Mitchell Weiser (beide Kreuzbandriss) zwingt Trainer Daniel Thioune zu ständiger Improvisation.
Kritik an Transferentscheidungen wird lauter
Sportchef Clemens Fritz steht zunehmend in der Kritik. Ihm werden Transferflops wie der des jüngst nach Knie-Operation überraschend zurückgekehrten Leih-Profis Victor Boniface angelastet. Gerade ein Torjäger fehlt den harmlosen Norddeutschen, deren Offensive zu den torärmsten der Liga gehört.
Die deutliche Kritik des verletzten Leistungsträgers Mitchell Weiser während des Leipzig-Spiels unterstrich die Unzufriedenheit: "Es ist schon so, dass im letzten Sommer viele Sachen passiert sind, die für mich fragwürdig waren." Es seien Spieler gegangen, denen man nun nachtrauern würde. Diese Entscheidungen seien laut Weiser "ein bisschen fahrlässig" gewesen.
Fritz kündigte an, die aus seiner Sicht unverständlichen Weiser-Aussagen intern aufzuarbeiten. Werder-Chef Klaus Filbry hatte Fritz zuletzt erneut den Rücken gestärkt, doch Fans initiierten eine digitale Petition zur Bewertung seiner Amtsführung.
Anspruchsvoller Saison-Endspurt
Das Restprogramm hat es in sich:
- Auswärtsspiel beim direkten Konkurrenten 1. FC Köln
- Nordderby gegen den HSV am 18. April
- Drei Spiele gegen Teams aus den aktuellen Top fünf: Stuttgart, Hoffenheim und Dortmund
Eine Derby-Pleite wie in der Hinrunde könnte die Moral weiter schwächen, zumal die letzten vier Begegnungen besonders anspruchsvoll sind.
Das spricht für den Verbleib in der Bundesliga
Mannschaftliche Geschlossenheit trotz aller Widrigkeiten
Die Bremer haben nach dem vergeigten Start unter Trainer Daniel Thioune von den vergangenen fünf Partien immerhin drei gewonnen. Gegen Top-Club Leipzig hielten sie vor allem in der ersten Hälfte gut mit. Romano Schmid bei Sky: "Es muss uns Mut geben, dass wir gegen einen Top-Club auf Augenhöhe gespielt haben."
Trotz Verletzungsmisere und öffentlicher Kritik steht die Mannschaft offensichtlich geschlossen zusammen. Clemens Fritz versicherte: "Unsere Mannschaft ist auch absolut darauf eingestellt und nimmt die Situation auch an." Er habe "eine absolute Überzeugung von unserer Mannschaft" und betonte: "Wir haben die Qualität im Kader, auch wenn das immer wieder gesagt wird, dass wir es nicht hätten."
Günstige Tabellenkonstellation
Werder dürfte davon profitieren, dass die beiden Tabellenletzten abgeschlagen sind. Die Heidenheimer stehen als Schlusslicht zwölf Punkte entfernt, die Wolfsburger sind nach dem 3:6 in Leverkusen weiter sieben Zähler zurück. Aktuell ist Bremen zwar dem Relegationsrang gefährlich nah, hat aber noch direkte Konkurrenten im Blickfeld.
Frischer Wind durch junge Talente
Schon in Berlin erzielte der junge Patrice Covic (18) sein erstes Tor. Gegen Leipzig belebte der spät eingewechselte Salim Musah die Offensive und erzielte den späten Anschlusstreffer - sein erstes Ligator beim dritten Einsatz. Der Jungprofi profitierte von der Verletzungsmisere und könnte noch wichtige Impulse geben.
Clemens Fritz über den 20-jährigen Eigengewächs: "Wir trauen ihm einiges zu. Er hat eine enorm hohe Qualität, ist sehr, sehr talentiert und darüber hinaus auch einer, der charakterlich absolut top ist." Die von Fritz beschriebene "Unbekümmertheit" Musahs könnte dem abstiegsbedrohten Club in den entscheidenden Spielen noch guttun.
Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die negativen Faktoren überwiegen oder ob der Mannschaftszusammenhalt und die jungen Talente den Traditionsclub doch noch retten können. Die Nerven liegen blank in Bremen, doch die Hoffnung stirbt zuletzt.



