Job-Garantie für Werder-Trainer trotz historisch schlechtem Start
Vor knapp drei Wochen übernahm Daniel Thioune (51) das Traineramt bei Werder Bremen von Horst Steffen (56). Mit viel Energie und großem Ehrgeiz trat er die Nachfolge an. Doch nach nur drei Spielen und drei Wochen im Amt zeigt eine erste ernüchternde Zwischenbilanz: Der Trainerwechsel hat bisher praktisch keinen positiven Effekt gebracht. Drei Spiele, drei Niederlagen und lediglich ein mickriges Tor – mit Verlaub gesagt, das hätte wohl auch der abgelöste Horst Steffen zustande gebracht.
Historisch schlechter Start seit 1978
Daniel Thioune hat den denkbar schlechtesten Start eines Werder-Trainers seit dem Jahr 1978 hingelegt. Damals war Fred Schulz als Strohmann für Manager Rudi Assauer in seinem vierten Punktspiel, einem 2:1 gegen Braunschweig, erstmals erfolgreich. Doch das sind Geschichten aus einer völlig anderen Fußball-Ära. Das Gute für den aktuellen Werder-Coach: Selbst wenn er sich den alleinigen Pleiten-Rekord krallen sollte, bleibt sein Arbeitsplatz sicher. Profi-Chef Peter Niemeyer (42) gab auf Nachfrage klar zu verstehen, dass Thioune auch dann im Amt bleibt, wenn das wichtige Heimspiel gegen Tabellenletzten Heidenheim am Samstag um 15:30 Uhr schiefgehen sollte. Die Antwort war ein klares „Ja“.
Verantwortung liegt nicht allein beim Trainer
Keine Frage: Die Verantwortung für die gigantische Minus-Serie von Werder Bremen, die mittlerweile 13 Spiele ohne Sieg umfasst, liegt nicht primär bei Daniel Thioune. Vielmehr trägt die sportliche Leitung mit ihrer miserablen Kader-Architektur die Hauptschuld. Dennoch trifft auch der ehemalige HSV- und Düsseldorf-Trainer Entscheidungen, die für Stirnrunzeln sorgen und kritisch hinterfragt werden müssen.
Besonders irritierend ist, dass Thioune trotz chronisch ausbleibenden Erfolgs stur an der Dreierkette festhält. Was zunächst wie eine nachrangige Detailfrage klingen mag, hat tatsächlich großen Einfluss auf Personal und Erfolg. Denn der viel zu spät zusammengestellte Kader wurde ursprünglich für eine Viererkette konzipiert. Erst seit Horst Steffen im Dezember auf Drängen der Führungsspieler um Kapitän Marco Friedl (27) auf Dreierkette umstellte, wird mit drei Innenverteidigern gespielt – eine Taktik, die Thioune beibehält. Die verheerende Bilanz dieser Formation: drei Remis, sechs Pleiten und kein einziger Sieg.
Hoher Preis für taktische Treue
Der Preis für die Treue zum vermeintlich stabileren System ist hoch. Für den 10-Millionen-Euro-Einkauf Samuel Mbangula (22) fehlt im Dreierketten-System die passende Position. Im ursprünglich vorgesehenen 4-2-3-1 hätte er seine Stärken besser ausspielen können. Bei der letzten Partie gegen St. Pauli lief er in der zweiten Halbzeit als Schienenspieler mit Defensiv-Aufgaben auf und leitete prompt mit einem Stellungsfehler den Hamburger Siegtreffer ein.
Zweimal in Folge ließ Thioune zuletzt den zuverlässigen und einsatzfreudigen Yuki Sugawara (25) draußen. Der Japaner ist der einzige von sieben Leihspielern, der bislang ein maßgeblicher Faktor war. Stattdessen darf sich Justin Njinmah (25) auf der rechten Schiene probieren. Außer Tempo ist bei ihm aktuell jedoch keine weitere Stärke zu erkennen.
Chronische Torgefahrlosigkeit bleibt größtes Problem
Die fehlende Torgefahr bleibt Werders größtes Problem. Mit lediglich 23 Treffern in der gesamten Saison ist die Offensivschwäche offensichtlich. Warum der im Winter als Torjäger verpflichtete Jovan Milosevic (20) wie schon unter Steffen überwiegend auf der Bank versauert, irritiert viele Beobachter. Vor allem angesichts der chronischen Harmlosigkeit von Marco Grüll (27), der zuletzt im Oktober ein Tor erzielte.
Thioune erklärte seine Personalentscheidung mit taktischen Überlegungen: „Es ging darum, zu kontrollieren, dass sich Hauke Wahl nicht so viel einschaltet und die Innenverteidiger bindet.“ Doch ein Mittelstürmer, der tatsächlich Tore schießt, hätte auch seine Berechtigung. Dies gelang dann immerhin Joker Milosevic bei seinem Kurzeinsatz.
Gegen Freiburg, Bayern und St. Pauli hat Thioune bereits verloren. Gegen Heidenheim am Samstag darf er es eigentlich nicht mehr. Die Frage bleibt: Ob dann überhaupt noch jemand an den Klassenerhalt von Werder Bremen glaubt?



