Die letzten Testspiele vor der WM: Nagelsmanns Bilanz fällt positiv aus
Nur noch 75 Tage bis zum Start der Fußball-Weltmeisterschaft, und Bundestrainer Julian Nagelsmann (38) hat die letzten beiden wichtigen Testspiele vor der Kaderbekanntgabe am 12. Mai absolviert. Mit einem turbulenten 4:3-Sieg in der Schweiz und einem knappen 2:1-Erfolg gegen Ghana geht die deutsche Nationalmannschaft mit positiver Stimmung in die entscheidende Vorbereitungsphase. Doch hinter den beiden Siegen verbergen sich unterschiedliche individuelle Entwicklungen: Während einige Spieler ihre WM-Chancen deutlich verbessert haben, müssen andere um ihren Platz im endgültigen Kader bangen.
Die klaren Gewinner der Testspielphase
Florian Wirtz (22) präsentierte sich in Weltklasse-Form, besonders im spektakulären Spiel gegen die Schweiz. Mit zwei Toren und zwei Vorlagen war er der entscheidende Mann und setzte diese starke Leistung auch gegen Ghana fort, wo vieles in der Offensive über ihn lief. Der Leverkusener zeigt sich schon jetzt in optimaler WM-Verfassung und macht den deutschen Fans berechtigte Hoffnung auf einen starken Turnierverlauf.
Eine echte Überraschung ist Lennart Karl (18). Der junge Bayern-Talent sorgte in seinen ersten beiden Länderspieleinsätzen nach Einwechslung sofort für frischen Wind. Sein mutiges Offensivspiel, sein Tempo und seine Energie beeindruckten nicht nur die Zuschauer, sondern auch Bundestrainer Nagelsmann persönlich: „Ich finde, er hat einen Supereindruck gemacht. Er hat investiert in beiden Spielen, er ist marschiert. Er hat den ersten Minischritt gemacht in die A-Nationalmannschaft.“
Deniz Undav (29) bewies einmal mehr seine Effizienz. Obwohl er gegen die Schweiz nicht zum Einsatz kam, wurde er gegen Ghana zum Matchwinner mit dem entscheidenden Siegtor. Nagelsmann betonte zwar seine klare Rolle als Joker („Er hat sein Tor gemacht, das ist sein Auftrag“), doch Undav geht als klarer Gewinner aus den Länderspielen hervor, da er liefert, wenn es darauf ankommt.
Ebenfalls positiv: Angelo Stiller (26) überzeugte nach seiner späten Nominierung in beiden Spielen in der Startelf. Der Stuttgarter Mittelfeldspieler brachte Struktur ins Spiel, auch wenn Nagelsmann noch Luft nach oben bei der Dynamik sieht. Nathaniel Brown (22) feierte sein Startelf-Debüt gegen Ghana mit einer soliden Leistung, bis eine kleine Verletzung seinen Einsatz vorzeitig beendete. Der Frankfurter zeigte sich sowohl offensiv engagiert als auch defensiv sicher.
Kai Havertz (26) kehrte nach langer Verletzungspause zurück und traf eiskalt per Elfmeter zum 1:0 gegen Ghana. Obwohl er bei der Chancenverwertung noch etwas glücklos wirkte, bleibt der Arsenal-Star bei Nagelsmann gesetzt. Jonathan Tah (30) traf im 44. Länderspiel erstmals für die DFB-Elf, stand gegen Ghana stabil und behält vorerst den Vorzug vor Antonio Rüdiger.
Die Verlierer und ihre ungewisse WM-Zukunft
Die größte Überraschung auf der Negativseite ist Antonio Rüdiger (33). Der bei der EM 2024 noch unumstrittene Abwehrchef musste in beiden Testspielen zunächst auf der Bank Platz nehmen und sieht sich plötzlich in der Rolle des Herausforderers. Seine veränderte Position im Team wirft Fragen auf.
Joshua Vagnoman (25) konnte in seiner Einwechslung gegen Ghana nicht überzeugen. Bei der Vorlage zum 1:1-Ausgleich der Ghanaer zeigte er keine entscheidende defensive Stärke – keine klare Bewerbung für den WM-Kader. Noch deutlicher fällt die Bilanz für Kevin Schade (24) und Malick Thiaw (24) aus: Beide blieben in beiden Partien komplett ohne Spielminuten.
Anton Stach (27) kehrte zwar erstmals seit 2022 in den DFB-Kader zurück, erhielt aber nur zehn Minuten gegen die Schweiz – zu wenig, um nachhaltig zu imponieren. Für diese Spieler wird die verbleibende Zeit bis zur Kaderbekanntgabe am 12. Mai besonders wichtig sein, um Nagelsmann noch von ihrer WM-Tauglichkeit zu überzeugen.
Insgesamt zeigt die Bilanz der Testspiele: Während die junge Generation um Wirtz und Karl begeistert, müssen einige etablierte Stars um ihren Platz im WM-Kader kämpfen. Nagelsmann hat mit den beiden Siegen eine gute Ausgangsposition, steht aber vor schwierigen Personalentscheidungen in den kommenden Wochen.



