Arnd Zeigler: Stadionsprecher sind keine neutralen Kommentatoren
Nach dem Eklat um den Stadionsprecher des 1. FC Köln, Michael Trippel, äußert sich Werder Bremens langjähriger Stadionsprecher Arnd Zeigler zu den Anforderungen und Grenzen seines Berufs. Zeigler betont, dass eine gewisse Parteilichkeit zum Job dazugehöre, jedoch eine verantwortungsvolle Selbstregulierung unerlässlich sei.
Der Fall Köln und die Debatte um Neutralität
Der Job des Stadionsprechers war in der Vorwoche durch Michael Trippel von Fußball-Bundesligist 1. FC Köln in den Fokus gerückt. Trippel hatte beim 1:2 der Kölner gegen Borussia Dortmund den Platzverweis gegen Jahmai Simpson-Pusey über die Lautsprecher mit „Pfui. Widerlich“ kommentiert. Außerdem echauffierte sich der 71-Jährige über ein nicht geahndetes Handspiel, was eine Diskussion über die Rolle der Stadionsprecher auslöste.
Zeiglers Position: Parteilichkeit mit Grenzen
Arnd Zeigler, seit 2001 Stadionsprecher bei Werder Bremen, erklärt im Gespräch mit der dpa: „Natürlich bist du kein neutraler Kommentator. Dass da eine gewisse Ungleichbehandlung zwischen Heim- und Auswärtsmannschaft hörbar ist, hat sich eingebürgert.“ Der 60-Jährige fügt hinzu, dass umso wichtiger eine verantwortungsvolle Selbstregulierung durch den Stadionsprecher sei. Er hegt große Sympathien für Kollegen, die für ihren Verein brennen, betont aber: „Als Stadionsprecher bist du aber nicht derjenige, der die Stimmung macht, sondern jemand, der ihren Rahmen mitgestaltet.“
Die wichtigste Aufgabe: Deeskalation
Eine der zentralen Aufgaben sieht Zeigler darin, in kritischen Situationen zur Deeskalation beizutragen. „Eine der wichtigsten Aufgaben ist es, in kritischen Situationen zur Deeskalation beizutragen“, erklärt er. Der Einfluss müsse in einem fairen Rahmen bleiben, ohne den Gegner oder den Schiedsrichter herabzusetzen und ohne unnötig Stimmung anzuheizen.
Kritik am DFB-Handbuch
Grundlage für die Arbeit der Stadionsprecher ist ein Handbuch des Deutschen Fußball-Bundes. In diesem steht unter anderem, dass die Unterstützung der Heimmannschaft verboten ist. Zeigler hält diese Regel für unrealistisch: „Das ist kein realistischer Teil des Handbuchs. Dann dürftest du konsequenterweise auch nicht die Namen von Torschützen rufen lassen oder die Aufstellung.“ Er argumentiert, dass eine strikte Neutralität praktisch nicht umsetzbar sei und die emotionale Bindung zum Verein ein integraler Bestandteil der Stadionatmosphäre darstelle.
Zusammenfassend zeigt Zeigler auf, dass Stadionsprecher eine Balance zwischen Parteilichkeit und Verantwortung finden müssen. Während eine gewisse Voreingenommenheit akzeptiert wird, sind klare Grenzen im Umgang mit Gegnern und Schiedsrichtern essenziell, um einen fairen und respektvollen Sport zu fördern.



