Handball-EM-Auslosung: Plötzlich fürchtet jeder die DHB-Frauen
Nach dem beeindruckenden WM-Silber im Dezember und einer makellosen EM-Qualifikation mit sechs Siegen in sechs Spielen haben sich die deutschen Handballerinnen zu einem echten Topteam entwickelt. Wenn am Donnerstag in Kattowitz die Gruppen für die Handball-Europameisterschaft 2026 ausgelost werden, sind die DHB-Frauen längst kein Wunschgegner mehr. Die Auswahl von Trainer Markus Gaugisch gehört neben Weltmeister Norwegen und Olympia-Zweiter Frankreich zu den gefürchtetsten Teams der Ziehung.
Vom Underdog zum Medaillenkandidaten
„Wir werden nicht mehr unterschätzt“, betonte Spielmacherin Alina Grijseels bereits vor dem erfolgreichen Abschluss der Qualifikation gegen Belgien. Der Kantersieg gegen den Handball-Zwerg Belgien war zwar reine Formsache, diente aber als weiterer Euphorie-Booster vor der fünfmonatigen Sommerpause. Trainer Gaugisch formulierte klar: „Ab September Vollgas auf die EM. Dass wir diese Qualität, die wir hatten, wieder erreichen können.“
Die gestiegene Erwartungshaltung im eigenen Land ist deutlich spürbar. Bundesligaspielerin und TV-Expertin Lucie-Marie Kretzschmar erklärte bei ProSieben Maxx: „Man wird vielleicht nicht mehr unterschätzt. Man ist nicht mehr der Underdog. Aber genau diese Rolle kann und will man auch annehmen.“ Ein Jahr nach WM-Silber kann das Ziel nichts anderes als die erste EM-Medaille seit 1994 sein.
Fünf Gastgeberländer: Reise ins Ungewisse
Noch ist die EM-Endrunde im Dezember für Deutschland eine Reise ins Ungewisse. Denn das Kontinentalturnier findet erstmals in fünf Ländern statt – ob das DHB-Team in der Türkei, Polen, Rumänien, Tschechien oder der Slowakei antreten wird und ob im Turnierverlauf Ortswechsel nötig sind, entscheidet sich erst am Donnerstag. Klar ist, dass der WM-Zweite im Dezember wohl nichts gegen eine Rückkehr ins vergleichsweise nahegelegene Kattowitz hätte.
„Man will natürlich so wenig wie möglich weiterreisen, also nicht, dass man das Land von der Vorrunde zur Hauptrunde wechseln und dann zur Finalrunde wieder in ein anderes Land muss“, sagte Rückraumspielerin Grijseels. Egal, ob Deutschland in der türkischen Millionenmetropole Antalya oder im unscheinbaren Cluj-Napoca in Rumänien ran muss – Emily Vogel, Katharina Filter und Co. werden die gestiegene Erwartungshaltung spüren.
Wachsender Konkurrenzdruck im Team
Bei den letzten drei Europameisterschaften belegte Deutschland jeweils Platz sieben – man galt als solider, aber längst nicht gefürchteter Gegner. Das hat sich nun grundlegend geändert. Auch wenn Stammspielerinnen wie Vogel dann in den Kader zurückkehren und Talente wie Chiara Rohr oder Jana Walther Platz machen dürften, ist klar: Der Talentepool ist gewachsen und damit auch der Konkurrenzdruck im DHB-Team.
Bei den souveränen Siegen zum EM-Quali-Abschluss gegen Nordmazedonien und Belgien schickte die junge deutsche B-Mannschaft mit ihrer Leistung eine deutliche Kampfansage an die etablierten Teamkolleginnen. „Jetzt freuen wir uns auf mehr“, sagte die 19 Jahre alte Rohr selbstbewusst. Trainer Gaugisch berichtete: „Wir haben jetzt am Ende versucht, die Basis zu etablieren. Dass, wenn wir uns im September wiedersehen, nicht bei null anfangen.“
Die deutsche Handball-Nationalmannschaft der Frauen steht vor einer historischen Chance. Nach Jahren der Solidität hat sie sich zur echten Weltspitze entwickelt und wird bei der EM-Auslosung in Kattowitz von allen Konkurrenten gefürchtet. Die kommenden Monate bis zum Turnier im Dezember werden zeigen, ob das Team den gestiegenen Erwartungen gerecht werden und die erste EM-Medaille seit 1994 gewinnen kann.



