Münchner Handball-Fusion: Weltmeister Dominik Klein will Kreislauf durchbrechen
Der Münchner Handball nimmt durch eine ambitionierte Fusion Kurs auf die nationale Spitze. Unter der Führung von Weltmeister Dominik Klein entsteht mit der Handballgemeinschaft München ein Projekt, das den Handballstandort nachhaltig stärken soll. Die Fusion mit TuS Fürstenfeldbruck zur HG München Fürstenfeldbruck markiert dabei nur den Anfang einer langfristigen Vision.
Die Vision hinter der Fusion
Dominik Klein, der gemeinsam mit Steffen Weinhold und Lisa Bieberbach den Vorstand der Handballgemeinschaft München bildet, erklärt im exklusiven Interview die Beweggründe: „Die Idee war von Anfang an, eine Perspektivmannschaft für die vielen Talente in der Region zu schaffen.“ Fürstenfeldbruck bringe jahrelange Drittliga-Erfahrung, eine starke Tradition und leidenschaftliche Fans mit – ideale Voraussetzungen für einen Neuanfang.
Klein betont, dass in München seit Jahren der Wunsch bestehe, Handball auf ein höheres Niveau zu heben. Große Events wie Weltmeisterschaften hätten das Interesse der Bevölkerung deutlich gezeigt. „Aber es braucht eben eine Gemeinschaft, um daraus etwas Nachhaltiges zu machen.“
Den Talentabfluss stoppen
Ein zentrales Problem des Münchner Handballs identifiziert Klein im Talentabfluss: „Viele Talente gehen früh nach Leipzig, Berlin oder Magdeburg, weil dort die Strukturen und Internate vorhanden sind. Dadurch verliert München seine besten Spieler.“ Dieser Kreislauf solle nun durchbrochen werden, indem vor Ort Perspektiven geschaffen werden.
Die Jugendarbeit in der Region sei hervorragend, betont der 42-Jährige. Was fehle, sei die Möglichkeit für junge Spieler, sich vor Ort weiterzuentwickeln. Die Fusion schaffe nun die Grundlage, um dieses Potenzial zu nutzen und langfristig eine Mannschaft auf Bundesliga-Niveau aufzubauen.
Sportliche Perspektiven und Herausforderungen
Aktuell stehe die Mannschaft als Schlusslicht der 3. Liga vor möglichem Abstieg. Klein zeigt sich realistisch: „Wir planen aktuell mit der vierten Liga.“ Wichtig sei jedoch, dem Verein eine neue Vision zu geben. Aus den Brucker Panthern würden die Münchner Panther – mit frischem Elan und klarer Perspektive.
Langfristig sieht Klein die Heim-WM 2027 als wichtigen Meilenstein, bei der München eine zentrale Rolle spielen werde. Die deutsche Nationalmannschaft werde hier ihre Gruppenspiele austragen. „Genau dort wollen wir ansetzen. Unser Ziel ist es, den Standort nachhaltig zu stärken.“
Strukturelle Veränderungen und Fan-Resonanz
Die Fusion wurde überraschend positiv aufgenommen, wie Klein berichtet: „Die Initiative kam sogar aus Fürstenfeldbruck – mit der klaren Frage, ob wir diese Vision gemeinsam angehen wollen.“ Externe Berater hätten dabei geholfen, die Diskussion vom „Warum“ zum „Wie“ zu lenken.
Die Fans in Fürstenfeldbruck hätten anfangs zwar Fragen gehabt, aber viel Vertrauensvorschuss gegeben. „Die Atmosphäre in der Wittelsbacher Halle ist etwas ganz Besonderes. Diese Leidenschaft und Nähe zum Sport sind ein zentraler Bestandteil unserer DNA.“ Diese Identität wolle man bewahren und weiterentwickeln.
Langfristige Ziele und regionale Vernetzung
Klein betont den kooperativen Ansatz des Projekts: „Wir haben eigentlich fast nur positive Resonanz von kleineren Vereinen bekommen. Viele sehen in diesem Projekt die Chance, den Handball insgesamt zu stärken.“ Talente sollten ihre Identität im Heimatverein behalten können, aber zusätzlich eine Perspektive auf höherem Niveau erhalten.
Konkrete Pläne gebe es auch für den Frauenhandball: „In der Region gibt es starke Frauenmannschaften wie Gröbenzell, Ismaning, Ebersberg oder Laim und auch dort wollen wir Perspektiven schaffen.“ Der Handball solle vollumfänglich weiterentwickelt werden.
Persönliche Motivation und erste Schritte
Für Klein hat das Projekt persönlich große Bedeutung: „Vor fünf Jahren haben wir mit dem Handball-Campus angefangen, Kinder für Bewegung zu begeistern. Und genau diese funkelnden Kinderaugen sind es, die uns motivieren.“ Jetzt sehe man, dass genau diese Kinder weitergehen wollten – im Handball und mit den Werten des Vereins.
Der erste Erfolg werde der erste Spieltag sein, wenn das Projekt sichtbar werde. „Da wird es sicherlich auch das ein oder andere Tränchen geben.“ Doch man denke langfristig und baue professionelle Strukturen auf – sowohl im sportlichen als auch im wirtschaftlichen Bereich.
Die Münchner Panther sollen künftig für Leidenschaft stehen: „Das ist für mich der Kern des Handballs – Emotion, Nähe und Werte. Wenn wir das nach außen tragen, können wir viel bewegen.“ Mit diesem Ansatz wolle man zeigen, wie viel Potenzial und Begeisterung für Handball in München stecke.



