Linford Christie wird 66: Eine Leichtathletik-Legende mit Schattenseiten
Der ehemalige Leichtathletik-Star Linford Christie feiert heute seinen 66. Geburtstag. Er gilt als einer der erfolgreichsten Sprinter in der Geschichte des Sports, doch sein Vermächtnis ist untrennbar mit mehreren Doping-Affären verbunden. Christie, geboren am 2. April 1960 im jamaikanischen Saint Andrew und als Kind nach London gezogen, war einer der schillerndsten und zugleich umstrittensten Sportler Großbritanniens.
Der Aufstieg eines Sprint-Phänomens
Christies Stern ging 1986 in Stuttgart auf, als er völlig überraschend EM-Gold über 100 Meter gewann. Nachdem er die Olympischen Spiele 1984 in Los Angeles noch verpasst hatte, etablierte er sich in den folgenden Jahren in der Weltspitze. Bei der WM 1987 in Rom wurde er Vierter, bei Olympia in Seoul 1988 Dritter – und rückte jeweils nachträglich um einen Platz nach vorn, nachdem Sieger Ben Johnson als Doper aufflog.
Weitere große Triumphe folgten: 1992 holte Christie in Barcelona Olympia-Gold als bis heute ältester 100-Meter-Sieger der Geschichte. Der WM-Sieg in Stuttgart 1993, vier weitere EM-Titel, dreimal Gold bei den Commonwealth Games und zahlreiche weitere Medaillen festigten seinen Status als Sprint-Legende.
Die ersten Doping-Wirbel
Bereits bei Olympia in Seoul 1988 geriet Christie ins Zwielicht, als er nach den Vorläufen über 200 Meter positiv auf das verbotene Stimulans Pseudoephedrin getestet wurde. Ein Komitee des IOC ließ ihn jedoch mit knapper Mehrheit ohne Strafe davonkommen. Christie beteuerte, die Substanz unbeabsichtigt mit einem Ginseng-Tee eingenommen zu haben.
Ironisch ist, dass auch Sieger Carl Lewis im Vorfeld der Spiele positiv auf Pseudoephedrin getestet worden war, aber straffrei blieb, weil die geringe Konzentration keine automatische Sperre nach sich zog. Der US-Verband machte den Fall nicht öffentlich, während Christies Affäre bereits Schlagzeilen machte.
Die zweite Affäre und lebenslanger Olympia-Bann
Im Februar 1999, als Christie seine Karriere bereits ausklingen ließ, wurde er bei einem Meeting in Dortmund positiv auf das Steroid Nandrolon getestet. Er beteuerte erneut seine Unschuld, doch diesmal intervenierte der Weltverband IAAF und verhängte eine Zwei-Jahres-Sperre.
Noch härter traf ihn das britische Olympia-Komitee BOA, das ihn auf Lebenszeit sperrte und ihm fortan die Akkreditierung für alle Olympischen Spiele verweigerte. Selbst 2012 in seiner Wahlheimat London blieb er unerwünscht und durfte nicht die Olympische Fackel tragen.
Leben jenseits der Leichtathletik
Christie stand auch außerhalb des Sports oft im Rampenlicht. Er hatte zahlreiche Werbe-Engagements, darunter legendäre Puma-Kontaktlinsen bei Olympia 1996. Nach seiner Karriere moderierte er mehrere BBC-Shows, war 2010 Kandidat im englischen Dschungelcamp und 2023 bei The Masked Singer.
Nicht alle öffentliche Aufmerksamkeit war ihm willkommen: Die britische Sun machte aus seinem hautengen Laufanzug und den sichtbaren Konturen seines Unterleibs ein Thema („Linford’s Lunchbox“), was Christie übel nahm. Spannungen gab es auch mit dem früheren Hürden-Star Colin Jackson, mit dem er 1993 eine Sport-PR-Firma gründete, aus der Jackson später nach Unstimmigkeiten ausstieg.
Das bewegte Leben des achtfachen Familienvaters war vor zwei Jahren auch Thema einer abendfüllenden BBC-Dokumentation. Heute, an seinem 66. Geburtstag, bleibt Linford Christie eine Figur, deren sportliche Erfolge und persönliche Kontroversen untrennbar miteinander verbunden sind.



