Bernd Mayländer: Der Mann, der die Formel 1 seit 26 Jahren sicher macht
Bernd Mayländer hat sie alle gesehen – Michael Schumacher, Mika Häkkinen, Fernando Alonso, Lewis Hamilton und Max Verstappen. Nicht etwa auf Augenhöhe, sondern stets in seinem Rückspiegel. Als Safety-Car-Fahrer der Formel 1 hat der Deutsche Generationen von Rennfahrern angeführt und schreibt nun Geschichte: Beim Saisonauftakt in Australien feiert Mayländer seinen 500. Grand Prix.
Ein Rekord, der selbst Fernando Alonso in den Schatten stellt
Während der ewige Fernando Alonso derzeit bei 425 Rennen steht, übertrifft Mayländer diese Marke deutlich. Seit dem Jahr 2000 ist der Schwabe offizieller Safety-Car-Pilot der Königsklasse und hat in dieser Zeit nur vier Rennen verpasst – stets mit ärztlichem Attest, wie er grinsend betont. „Das waren immer begründete Abwesenheiten“, erklärt der 54-Jährige im Gespräch.
Vom Zufall zur Institution
Seine Karriere als Safety-Car-Fahrer begann eher zufällig. 1999 wurde Mayländer vom damaligen Mercedes-Motorsportchef Norbert Haug für die Rolle empfohlen. Der erfahrene Rennfahrer, der zu dieser Zeit in der Porsche-Supercup-Serie aktiv war, befand sich ohnehin regelmäßig vor Ort. „Und gut Autofahren konnte ich auch“, erinnert sich Mayländer bescheiden. Was daraus werden würde, war damals nicht absehbar – heute ist Mayländer eine feste Institution der Formel 1.
Die Evolution des Safety Cars
Mayländer hat nicht nur die Fahrergenerationen wechseln sehen, sondern auch die technische Entwicklung des Safety Cars miterlebt und mitgestaltet. Aus dem einfachen Führungsfahrzeug wurde eine hochmoderne Schaltzentrale. „Der Funk ist nach wie vor das Wichtigste“, erklärt Mayländer, „doch heute blinken zahlreiche Lichter in meinem Mercedes AMG GT Black Series.“
GPS-Daten, Kamerabilder, Warnungen der Rennleitung – alles läuft bei Mayländer zusammen. Ein Beifahrer unterstützt ihn dabei, die Informationen zu sortieren. Ab Rennstart sitzen beide bereit, und wenn sie gebraucht werden, geht es um Sicherheit. Nicht um die Wünsche der Formel-1-Fahrer, die hinter ihm um ihre Reifentemperaturen fürchten.
Emotionen gehören dazu
Dass die Rennfahrer nicht immer begeistert sind, wenn Mayländer sie einbremsen muss, versteht er gut. Max Verstappen bezeichnete ihn und sein Auto einmal als „Kriechtier“ und fragte im Funk: „Can you tell the turtle to speed up?“ Mayländer nimmt solche Kommentare nicht persönlich. „Das sind Rennfahrer, das sind Emotionen, das gehört dazu“, sagt er gelassen.
Ein angenehmes Renntempo
Seine Aufgabe beschreibt Mayländer präzise: „Ich schlage ein angenehmes Renntempo an.“ Für normale Menschen wäre dieses Tempo ziemlich rasant, doch für Formel-1-Verhältnisse ist es bewusst kontrolliert. Mayländer treibt das Auto durch die Schikanen – so schnell wie möglich, aber so langsam wie nötig. Die Rennleitung gibt klare Vorgaben, und Risiko ist in seinem Job tabu. „Sonst hieße es ja Danger Car“, scherzt der erfahrene Pilot.
Intensiver Job mit Zukunft
Der Job hat Mayländer mehrfach um die Welt geführt. Heute umfasst eine Saison 24 Rennen, und wie die Fahrer reist Mayländer spätestens am Mittwoch vor einem Grand Prix an. Zahlreiche Vorbereitungstermine fordern den Familienvater. Doch über ein Ende denkt er noch lange nicht nach.
„Vierstellig, das kannst du abhaken, das wären noch mal 20 Jahre“, sagt Mayländer lachend. Die Marke von 600 Rennen hält er jedoch für durchaus realistisch. „Bei mir ist immer noch alles auf Grün“, betont der Safety-Car-Pilot, der auch nach 500 Grands Prix noch mit derselben Leidenschaft bei der Sache ist wie am ersten Tag.



