Formel-1-Weltmeister provoziert Medien-Eklat in Japan
Max Verstappen (28) hat vor dem Großen Preis von Japan am Sonntag für einen handfesten Skandal in der Formel 1 gesorgt. Der viermalige Weltmeister weigerte sich kategorisch, seine obligatorische Medienrunde zu beginnen, solange sich der renommierte Journalist Giles Richards vom britischen "Guardian" im Team-Haus von Red Bull aufhielt. Diese ungewöhnliche Reaktion des sonst als abgeklärt geltenden Niederländers löste intern erheblichen Unmut aus und stellt Teamchef Laurent Mekies vor eine schwierige Aufgabe.
Alte Rechnung wird beglichen
Der Auslöser für diesen öffentlichen Affront liegt bereits 109 Tage zurück. Beim Saisonfinale im vergangenen Dezember in Abu Dhabi hatte Richards Verstappen eine kritische Frage gestellt, die den Piloten offenbar bis heute beschäftigt. Der Journalist erkundigte sich damals, ob Verstappen seinen Unfall mit George Russell (28/Mercedes) beim Spanien-GP im Nachhinein bereue. Dieser Zwischenfall hatte dem Red-Bull-Star eine Strafe eingebracht, die ihn vom fünften auf den zehnten Rang zurückwarf. Die damit verbundenen neun fehlenden Punkte hätten dem Niederländer am Saisonende zum Champion-Titel gereicht.
Obwohl die Frage aus journalistischer Sicht durchaus berechtigt war, hat Verstappen den Vorfall nicht vergessen und nutzte die Medienrunde in Suzuka für eine ungewöhnliche Vergeltungsaktion. Indem er Richards des Raumes verwies, demonstrierte der Weltmeister eindrucksvoll seine dünne Haut und setzte damit ein deutliches Zeichen gegenüber der Presse.
Red Bull in der Zwickmühle
Nach Informationen der BILD wollen die Verantwortlichen des Rennstalls nun das Gespräch mit ihrem wichtigsten Mitarbeiter suchen, auch wenn sich das Team offiziell nicht zu dem Vorfall äußern möchte. Für Teamchef Laurent Mekies (48) wird dies zu einem echten Drahtseilakt. Einerseits darf er seinen Superstar nicht verstimmen, andererseits hat Verstappen mit seiner Aktion klar gegen die Unternehmenswerte des Energydrink-Konzerns verstoßen.
Die Medienpräsenz gehört quasi zur DNA von Red Bull. Das Unternehmen pflegt traditionell einen exzellenten Draht zu Journalisten und setzt auf maximale Sichtbarkeit in der Berichterstattung. Ein markantes Beispiel dafür ist der Bundesligist RB Leipzig, der als erster Fußballverein der deutschen Oberhaus Medienrunden nach Trainingseinheiten einführte, um die Präsenz in Zeitungen zu erhöhen. Diese Strategie zahlt sich aus, da mediale Aufmerksamkeit automatisch kostenlose Werbung bedeutet und letztlich den Verkauf der charakteristischen Dosen ankurbelt.
Druck lastet auf Verstappen
Dass ausgerechnet der sonst so abgeklärte Niederländer derart dünnhäutig auf die bloße Anwesenheit eines Journalisten reagiert, überrascht viele Beobachter. Die ungewöhnliche Reaktion könnte ein Indiz dafür sein, dass der Ausnahmepilot unter erheblichem Druck steht. In der aktuellen Saison befindet sich Verstappen mit einem sechsten Platz in Australien und einem nicht beendeten Rennen in China nur auf dem achten Rang der Fahrer-Weltmeisterschaft. Diese unbefriedigenden Ergebnisse könnten zu der angespannten Situation beigetragen haben.
Die kommenden Tage werden zeigen, wie Red Bull mit diesem medialen Eklat umgeht und ob Verstappen bereit ist, sich den internen Gesprächen zu stellen. Sicher ist jedoch, dass der Vorfall die Beziehung zwischen dem Weltmeister und den Medien nachhaltig belasten könnte.



