Deutscher Behindertensportverband lehnt Boykott der Paralympics-Eröffnungsfeier ab
DBS lehnt Boykott der Paralympics-Eröffnungsfeier ab

Deutscher Behindertensportverband positioniert sich klar gegen Boykott der Paralympics-Eröffnungsfeier

Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hat eine klare Entscheidung getroffen: Er wird sich nicht dem Boykott der Eröffnungsfeier der Paralympischen Winterspiele anschließen, obwohl russische und belarussische Athletinnen und Athleten an der Zeremonie teilnehmen dürfen. Diese Positionierung erfolgt trotz der kontroversen Diskussionen um die Rückkehr russischer Sportler auf die internationale Bühne.

Fokus auf sportliche Wettkämpfe statt politische Proteste

DBS-Präsident Hans-Jörg Michels betonte in einem Statement gegenüber dem Sportinformationsdienst (SID), dass der Verband den Fokus auf die sportlichen Wettkämpfe legen werde. "Von einem Boykott halte ich persönlich nichts", erklärte Michels, der im Sommer 2025 die Nachfolge von Friedhelm Julius Beucher angetreten hatte. "Das hat man in der Vergangenheit gesehen, dass das im Grunde genommen nichts bringt für den Sport."

Die Haltung des Verbandes ist dabei keineswegs unkritisch gegenüber der politischen Situation. Michels stellte klar: "Wir verurteilen den Angriffskrieg, haben uns deutlich gegen eine Teilnahme von Athletinnen und Athleten aus Russland und Belarus ausgesprochen und stehen solidarisch an der Seite der Ukraine." Dennoch sieht der DBS in einem Boykott der Eröffnungsfeier nicht den richtigen Weg.

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Internationale Kontroverse um russische Teilnahme

Die Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo (6. bis 15. März 2026) werden von einer besonderen politischen Dimension überschattet. Sechs russische und vier belarussische Athletinnen und Athleten dürfen per Wildcard antreten – und das unter ihrer eigenen Flagge. Diese Entscheidung fiel, nachdem das Internationale Paralympische Komitee (IPC) die Suspendierung der beiden Länder Ende September aufgehoben hatte.

Die Konsequenzen dieser Entscheidung sind weitreichend:

  • Russische und belarussische Sportler dürfen nationale Embleme zeigen
  • Im Erfolgsfall würden die jeweiligen Nationalhymnen gespielt
  • Mehrere Länder boykottieren die Eröffnungszeremonie als Protest

Die Ukraine hat bereits angekündigt, die Eröffnungszeremonie im Amphitheater von Verona zu boykottieren. Ihr schlossen sich Tschechien sowie Russlands Nachbarländer Finnland, Polen, Estland und Lettland an. Das IPC zeigte zwar Verständnis für diese Position, verwies aber auf den demokratischen Prozess der Entscheidungsfindung.

Moralisch-ethische Dilemmata und mögliche Protestaktionen

Für den DBS-Präsidenten ist die Rückkehr der russischen Flagge auf die große Sportbühne "ganz schwer nachvollziehbar und kaum erträglich". Michels räumte ein: "Die Entscheidung müssen wir leider akzeptieren, obwohl es unserer moralisch-ethischen Grundhaltung widerspricht. Aus unserer Sicht ist das insbesondere für die Teilnehmenden aus der Ukraine unzumutbar."

Gleichzeitig ließ Michels die Tür für andere Formen des Protests offen. Sollte sich an der Teilnahme von Russland und Belarus nichts ändern, sei eine Protestaktion im Rahmen der Winter-Paralympics "grundsätzlich möglich". Allerdings machte er deutlich: "Aber von Seiten des DBS wird es da keinen Vorstoß geben."

Die Paralympischen Winterspiele 2026 stehen somit nicht nur im Zeichen sportlicher Höchstleistungen, sondern auch im Spannungsfeld zwischen sportlicher Unabhängigkeit und politischer Verantwortung. Der Deutsche Behindertensportverband hat sich für einen Mittelweg entschieden: klare Kritik an der politischen Situation, aber keine Boykottmaßnahmen, die den Sport selbst beeinträchtigen würden.

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