Vor 28 Jahren: Historischer Dreifacherfolg deutscher Skirennläuferinnen bei Olympia in Nagano
Deutsche Skirennläuferinnen: Historischer Dreifacherfolg in Nagano

Eine legendäre deutsche Sternstunde im Schnee von Nagano

Vor genau 28 Jahren erlebten die deutschen Skirennläuferinnen bei den Olympischen Winterspielen in Nagano einen historischen Moment, der bis heute als eine der größten Sternstunden des deutschen Skisports gilt. An einem einzigen Tag gelang dem deutschen Team schier Unvorstellbares, das selbst Jahre später noch schwer zu fassen ist.

Dreifacherfolg unter schwierigsten Bedingungen

Es schneite unaufhörlich am 17. Februar 1998, als sich nur wenige hartgesottene Zuschauer an den Fuß des Mount Karamatsu westlich von Nagano verirrt hatten. Der Rahmen für die Siegerehrung in der alpinen Kombination hätte kaum trostloser sein können – doch für drei deutsche Athletinnen wurde dieser Tag zum unvergesslichen Triumph.

Katja Seizinger, Martina Ertl und Hilde Gerg standen gemeinsam auf dem Podest und ließen sich Gold, Silber und Bronze umhängen. Dieser komplette Dreifacherfolg bei olympischen Alpin-Wettbewerben war aus deutscher Sicht eine absolute Premiere und ein einmaliges Ereignis. „Kein Platz mehr auf dem Stockerl“, kommentierte damals sogar der österreichische Standard mit einer Mischung aus Bewunderung und Bedauern.

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Chaotische Bedingungen und unglaubliche Leistungen

Der 17. Februar 1998 war so unwirklich, dass Wolfgang Maier, damals Cheftrainer der deutschen Frauen, später berichtete: „Wenn du heute einem sagst, dass wir Gold, Silber und Bronze gemacht haben, glaubt er es dir noch immer nicht.“ Tatsächlich waren die Bedingungen auf der Piste äußerst schwierig. Wegen der Wetterkapriolen fand kaum ein Rennen wie geplant statt, was zu einem dichten Wettkampfprogramm führte.

Bereits am Vortag hatte Katja Seizinger in der Abfahrt der Frauen ihr Gold von Lillehammer 1994 erfolgreich verteidigt. In Windeseile wurde anschließend noch die Kombi-Abfahrt der Frauen durchgeführt, in der Seizinger erneut die Schnellste war. Am Tag des historischen Dreifacherfolgs folgte dann der entscheidende Slalom.

Seizingers besondere Beziehung zum Slalom

Interessanterweise war Slalom nicht gerade Katja Seizingers bevorzugte Disziplin. „Slalom ist blöd“, hatte sie ihrem Trainer Wolfgang Maier gegenüber mehrfach geäußert. Maier erinnerte sich später an manchen „Strauß, den wir miteinander ausgefochten haben“, denn er war überzeugt, dass die passionierte Schnellfahrerin durchaus auch Slalom fahren konnte.

Tatsächlich war Seizinger an diesem Tag gut genug, um Martina Ertl auf Distanz zu halten. Es handelte sich um Seizingers ersten und einzigen Sieg in einer alpinen Kombination überhaupt. Vielleicht verlor die sonst so gefasst wirkende Athletin gerade deshalb ihre Fassung, als der historische Triumph vollbracht war.

Emotionale Momente im Schneetreiben

Seizinger stürmte ausgelassen durch den Zielraum, sprang elegant auf das Podest und tanzte im dichten Schneetreiben von einem Bein auf das andere. „Es ist ein unglaubliches Gefühl“, sagte sie später, „und selbst für uns nicht fassbar.“ Die drei Siegerinnen warfen den tief verschneiten Pistenarbeitern ihre Blumensträuße zu, während Maier und die Trainerkollegen mit einer La Ola auf Skiern feierten.

Der Erfolg von Nagano war für alle drei Athletinnen Teil einer herausragenden Olympia-Bilanz. Seizinger gewann wenige Tage später noch Bronze im Riesenslalom, während Hilde Gerg Gold im Spezialslalom errang.

Drei besondere Persönlichkeiten und ihre Wege

„Drei ganz besondere Menschen, jede auf ihre Art“, resümierte Wolfgang Maier später über das historische Podest. Was die drei damals vollbracht hätten, „das kannst du im ersten Moment gar nicht fassen“ – eine Aussage, die auch heute noch Gültigkeit besitzt.

Katja Seizinger beendete ihre Karriere im Jahr nach Nagano verletzungsbedingt. Die heute 52-Jährige arbeitet seit über zwei Jahrzehnten in einer Führungsposition in der Stahlbranche, ähnlich wie ihr 2019 verstorbener Vater Hans.

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Martina Ertl, bis 2006 aktiv und heute 53 Jahre alt, fiebert mittlerweile mit ihrer Tochter Romy Ertl, die in ihre Fußstapfen getreten ist. Hilde Gerg, die im vergangenen Jahr ihren 50. Geburtstag feierte, beendete ihre Karriere 2005. Die dreifache Mutter, die 2010 den tragischen Tod ihres ersten Mannes Wolfgang verkraften musste, blieb unter anderem als TV-Expertin weiterhin im öffentlichen Blickfeld.

Der Dreifacherfolg von Nagano bleibt nicht nur statistisch einzigartig, sondern symbolisiert auch eine besondere Generation deutscher Skirennläuferinnen, deren Leistungen bis heute nachhallen.