DOSB zieht gemischte Bilanz nach Olympischen Winterspielen
Kurz vor dem Ende der Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo hat der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) eine ausgewogene Bewertung der deutschen Leistungen vorgelegt. Olaf Tabor, Vorstand Leistungssport beim DOSB, äußerte sich bei der Abschluss-Pressekonferenz mit einer Mischung aus Anerkennung und Bedauern.
Weltklasseleistungen, aber zu wenig Medaillen
"Ich kann mit den gezeigten Leistungen sehr gut leben", betonte Tabor und verwies auf zahlreiche herausragende Ergebnisse der deutschen Athletinnen und Athleten. Gleichzeitig sprach er von "einer kleinen Prise Ernüchterung", die neben Freude und Stolz spürbar sei. Diese Ernüchterung begründete der Chef de Mission mit zwei Hauptfaktoren:
- Der angestrebte dritte Platz im Nationenvergleich ist nicht mehr zu erreichen
- Die extrem hohe Zahl von vierten Plätzen, die knapp am Podest vorbeiführten
Bis einschließlich Freitag zählte das deutsche Team zwölf vierte Plätze – mehr als jede andere Nation bei diesen Winterspielen. "Die extrem vielen vierten Plätze schmerzen mich", gestand Tabor, auch wenn diese Ergebnisse für Weltklasse-Niveau stünden.
Medaillenbilanz und internationale Konkurrenz
Nach 14 von 16 Wettkampftagen steht Deutschland bei sechs Goldmedaillen. Damit könnte das Team D noch die Marke von 27 Medaillen erreichen, die vor vier Jahren in Peking errungen wurden. Damals war Deutschland mit zwölf Goldmedaillen die zweiterfolgreichste Nation hinter Norwegen.
Tabor wies darauf hin, dass die internationale Konkurrenz immer härter wird: "Die Weltspitze weiter rückt zusammen und da oben entscheiden Kleinigkeiten". Dies betreffe nicht nur einzelne Medaillen, sondern auch die Platzierungen im Nationenvergleich.
Besonders Norwegen und die USA hätten ihre Medaillenchancen effizienter genutzt, analysierte der DOSB-Vorstand: "Bei uns ist die Quote der potenziellen Umsetzung kleiner". Norwegen stellte am Freitag mit der 17. Goldmedaille einen neuen Rekord für Winterspiel-Editionen auf.
Perspektiven für den deutschen Wintersport
Obwohl der angestrebte Top-Drei-Platz außer Reichweite ist, zeigt sich Tabor grundsätzlich zufrieden mit der Leistung des deutschen Teams. Die vielen Weltklasseleistungen, auch wenn sie knapp nicht für Medaillen reichten, belegen aus seiner Sicht die Qualität des deutschen Wintersports.
Die Analyse der Spiele wird nun wichtige Erkenntnisse für die zukünftige Förderung und Vorbereitung liefern. Besonders die Optimierung der Umsetzung von Medaillenchancen wird ein zentrales Thema sein, um im immer enger werdenden Feld der Weltspitze konkurrenzfähig zu bleiben.



