Paralympics-Bilanz: Forsters Gold rettet deutsches Team vor historischem Tief
Forsters Gold rettet deutsches Para-Team vor Tief

Paralympics-Abschluss: Forsters Goldmedaillen bewahren deutsches Team vor historischem Absturz

Die Winter-Paralympics in Italien endeten für das deutsche Team mit einer durchwachsenen Bilanz. Lediglich zwei Goldmedaillen, beide errungen von der alpinen Monoskifahrerin Anna-Lena Forster, reichten nicht aus, um eine Platzierung unter den Top-10-Nationen zu erreichen. Dennoch bewertet der Deutsche Behindertensportverband (DBS) die Spiele insgesamt positiv.

Historisch schlechte Platzierung trotz Forsters Glanzleistung

Mit Rang elf in der klassischen Nationenwertung verzeichnete der DBS die schlechteste Platzierung bei paralympischen Winterspielen seit einem halben Jahrhundert. Vor vier Jahren in Peking hatte es noch für den siebten Platz gereicht. Die 30-jährige Anna-Lena Forster verhinderte mit ihren Siegen in Abfahrt und Riesenslalom sowie Silber in der Super-Kombination einen noch tieferen Absturz der deutschen Mannschaft.

„Wir haben von vornherein immer gesagt, dass wir unter den Top-6-Nationen sein wollen im Ranking der Gesamtanzahl an Medaillen“, erklärte Chef de Mission Marc Möllmann. Durch sechs Silber- und neun Bronzemedaillen neben Forsters Gold kam Team D auf insgesamt 17 Medaillen und belegte damit den vierten Platz in dieser Zählweise hinter China, den USA und der Ukraine.

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Internationale Konflikte überschatten die Spiele

Die Wettkämpfe in Norditalien wurden erneut von weltpolitischen Spannungen beeinträchtigt. Der Iran fehlte komplett, da sein einziger gemeldeter Starter nach Angriffen der USA und Israels nicht sicher anreisen konnte. Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine führte zu einem Boykott der ukrainischen Mannschaft bei Eröffnungs- und Abschlussfeier.

„Da wird die Flagge eines Staatsmörders gehisst. Diese Paralympischen Spiele sind die schlimmsten in der Geschichte“, kritisierte Valeriy Sushkevych, Präsident des Nationalen Paralympischen Komitees der Ukraine. Litauen und Estland schlossen sich dem Protest an, während das deutsche Team sich für eine Teilnahme an der Abschlussfeier entschied.

DBS sieht Abwärtstrend mit Gelassenheit

Den kontinuierlichen Rückgang deutscher Spitzenleistungen bei Paralympics führt der DBS vor allem auf das Aufholen anderer Nationen zurück. „Das hat mit der Leistungsdichte zu tun, aber auch mit der Professionalisierung in der jeweiligen Disziplin“, erläuterte Möllmann. Der Verband zeige sich „noch nicht besorgt“, obwohl die zahlreichen vierten Plätze schmerzhaft seien.

Bundestrainer Ralf Rombach resümierte intensive und emotionale Tage in Tesero: „Streitigkeiten mit der Jury, Glück, Pech, Krankheit im Team - es war alles dabei. Natürlich hätte ich mir mal eine Goldmedaille gewünscht, aber das Leben ist kein Wunschkonzert.“

Zukunftsperspektiven und finanzielle Herausforderungen

Für die kommenden Paralympics 2030 in den französischen Alpen zeichnen sich personelle Veränderungen ab. Die 36-jährige Andrea Rothfuss beendet ihre Paralympics-Karriere, und auch Andrea Eskau (54) wird nach neun Teilnahmen wohl nicht mehr antreten. Anna-Lena Forster hat ihre Zukunft noch nicht entschieden.

Im Nachwuchs zeigen sich bereits vielversprechende Talente:

  • Leonie Walter (22) im Langlauf
  • Linn Kazamaier (19) im Biathlon
  • Johanna Recktenwald (22) in den Nordischen Disziplinen
  • Maya Fügenschuh (17) mit zwei Top-10-Plätzen im Alpinen

Um einen weiteren Leistungsabfall zu verhindern, fordert der DBS mehr finanzielle Mittel und besseren Zugang zu moderner Technik. „Dennoch brauchen wir, um den eingeschlagenen Weg in Richtung Professionalisierung weiterzuführen, einen gewissen Aufwuchs“, betonte Möllmann mit Blick auf Trainer, Lehrgänge und Wettkämpfe.

DBS-Vorstandsvorsitzender Idriss Gonschinska ergänzte: „Wenn ich das mit dem olympischen Sport und den Förderbedingungen vergleiche, dann haben wir noch ein paar Potenziale, die wir in den nächsten Jahren erschließen wollen.“ Die Individualförderung der Sportler müsse weiter intensiviert werden, um international konkurrenzfähig zu bleiben.

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