Das Wunder einer Botschafterin: Gela Allmanns Weg zurück ins Leben
Vor zwölf Jahren erschütterte ein brutaler Unfall das Leben der Skibergsteigerin Gela Allmann. Heute inspiriert sie mit ihrem Kampf ums Überleben andere und begleitet als ARD-Expertin die olympische Premiere ihrer Sportart. Dass die ehemalige Athletin heute wieder für das tun kann, was sie am meisten liebt, grenzt an ein medizinisches und menschliches Wunder.
Ein Moment, der alles veränderte
Eigentlich verlief Gela Allmanns Leben normal: Erfolgreich im Berglaufen und Skibergsteigen, genoss sie ihren Extremsport in den Bergen. Doch im April 2014 änderte sich alles schlagartig. Bei Filmaufnahmen in Island stürzte die heute 42-Jährige über 800 Höhenmeter in die Tiefe. „Ich habe völlig realisiert: Das ist jetzt kein Traum, das ist dein Leben. Das ist jetzt vorbei“, erinnert sie sich in einem ARD-Porträt.
Der Sturz über eine Klippe führte zu schwersten Verletzungen:
- Viele Bänder waren gerissen
- Knochen wurden zertrümmert
- Ein wichtiger Nerv am Bein wurde zerfetzt
- Die Haut verbrannte beim Schlittern über das Eis
- Der fünfte Lendenwirbel war kaputt
- Die Hauptarterie im Oberschenkel war durchtrennt
Eigentlich ein Totalschaden, wie Allmann selbst sagt. Sie dachte an den Tod: „Wenn ich da damals auf Island verstorben wäre, weiß ich, dass ich da ganz am Ende mit mir im Reinen war.“ Doch die Sportlerin wollte nicht aufgeben: „Als ich im Schnee lag, wollte ich kämpfen.“
Der lange Weg zurück
Es dauerte quälende eineinhalb Jahre, bis sie wieder ein Kribbeln in ihrem schwer verletzten Bein spüren konnte. Allmann verbrachte ein halbes Jahr im Krankenhaus, durchlief unzählige Operationen und kämpfte sich durch eine Reha, deren Erfolge lange nicht absehbar waren. Mehr als sechs Monate Krankenhausaufenthalt und zahlreiche Jahre Rehabilitation waren nötig, bis sie ihren Weg zurück fand.
„Man wird demütiger“ – Botschafterin für das Leben
Inzwischen ist Allmann nicht nur eine Botschafterin ihrer Sportart, sondern auch eine Botschafterin für das Leben selbst. „Man merkt, es kann jeden Moment vorbei sein“, sagt sie heute. Ihre Erfahrung habe sie viel stärker gemacht, sie empfinde das Gelernte als Bereicherung. „Selbst wenn die Ausgangssituation verdammt schlecht aussieht, können wir selbst noch verdammt viel daraus machen“, ordnet sie ihren Kampf zurück ins Leben ein.
Heute nutzt sie ihre Geschichte, um andere Menschen während emotionaler Tiefpunkte zu motivieren. Neben inspirierenden Vorträgen veröffentlichte sie ein Buch und ließ ihre Reha-Geschichte von einem Dokumentationsteam begleiten. Bei ihrer ersten Rückkehr in die Berge wusste sie: „Ich wusste, da will ich wieder hin. Das war für mich eine wahnsinnige Vision, ein richtiger Antrieb.“
Olympische Premiere in Bormio
Die olympische Premiere des Skibergsteigens in Bormio begleitet Allmann nun als TV-Expertin für die ARD. Die Trendsportart vereint Bergsteigen mit Tourenski, erfordert schnelles Entfernen der Aufstiegsfelle und eine anschließende Abfahrt. Neben der Ausdauer spielt dabei die Koordination in den Wechselzonen eine entscheidende Rolle. Bei der olympischen Premiere in Italien wurde bereits der Sprint absolviert, am Samstag steht die Mixed Staffel auf dem Programm.
Gela Allmanns Geschichte zeigt: Selbst nach schwersten Verletzungen und langen Jahren des Kampfes kann der Weg zurück zur Passion führen – und sogar zur Botschafterin einer ganzen Sportart bei den Olympischen Spielen werden.



