Sven Hannawald übt scharfe Kritik am Internationalen Olympischen Komitee
Die Entscheidung des Internationalen Olympischen Komitees (IOC), die Nordischen Kombiniererinnen von den Winterspielen 2026 in Italien auszuschließen, stößt auf breites Unverständnis. Skisprung-Ikone Sven Hannawald, der selbst seine sportlichen Anfänge in der Nordischen Kombination hatte, findet deutliche Worte für diese umstrittene Entscheidung. „Ich habe nur Fragezeichen im Gesicht“, erklärte der 51-Jährige am Mittwoch in der ARD mit spürbarer Irritation.
Inkonsequente Linie des IOC angeprangert
Hannawald kritisiert eine aus seiner Sicht widersprüchliche Vorgehensweise des IOC bei der Programmgestaltung. „Auf der einen Seite heißt es immer, dass möglichst viele Nationen starten oder Chancen auf Medaillen haben sollen“, so der ehemalige Skispringer. „Und dann hast du im Ski alpin plötzlich eine neue Disziplin mit der Team-Kombination, wo gefühlt Österreich eins, zwei, drei, vier am Start sind. Und die Schweiz vier, acht, neun.“ Diese Ungleichbehandlung verschiedener Sportarten sei für ihn nicht nachvollziehbar.
Der Sportler bekräftigte seine Verständnislosigkeit für viele Entscheidungen des IOC: „Die Erklärung fehlt bis heute. Die Offiziellen gehen dem allen auch aus dem Weg. Ich verstehe es nicht. Ich finde es einfach total schade, weil es gar keinen Sinn macht.“ Hintergrund dieser emotionalen Stellungnahme ist die ungewisse olympische Zukunft der traditionsreichen Nordischen Kombination.
Zukunft der Nordischen Kombination steht auf dem Spiel
Das IOC will im Mai oder Juni über die olympische Zukunft der Nordischen Kombination entscheiden. Bei den Winterspielen 2026 ist sie die einzige Disziplin im Programm, in der keine Frauen zugelassen sind. DSV-Sportdirektor Horst Hüttel sieht für 2030 nur zwei Möglichkeiten: „Entweder die Damen kommen rein - oder die Herren kommen raus.“
Die deutsche Weltklasse-Kombiniererin Nathalie Armbruster prangert den Ausschluss der Frauen seit Monaten an. „Niemandem sollte die Möglichkeit verwehrt werden, seine Träume zu leben – nur weil man eine Frau ist. Und doch stehen wir hier: die Frauen der Nordischen Kombination 2026 am Rand und schauen zu, wie die Männer bei den Olympischen Spielen antreten, während wir nicht teilnehmen dürfen“, erklärte sie zuletzt erneut.
Strukturelle Gründe versus Chancengleichheit
Das IOC verweist auf strukturelle Gründe für den Ausschluss der Frauen. Die Frauen-Kombination sei noch eine junge Disziplin, zudem gebe es zu wenige Nationen mit konkurrenzfähigem Niveau an der Spitze. Auch die TV-Reichweiten seien bislang zu gering, um eine Aufnahme ins olympische Programm zu rechtfertigen.
Diese Argumentation stößt bei Athletinnen und Experten auf Kritik. Sie betonen, dass die Entwicklung einer Sportart nur durch olympische Teilnahmemöglichkeiten vorangetrieben werden kann. Die aktuelle Entscheidung verhindere genau jenen internationalen Aufschwung, den das IOC als Voraussetzung für eine Aufnahme fordert.
Die Diskussion um die Nordische Kombination zeigt grundsätzliche Fragen der olympischen Bewegung auf: Wie werden neue Disziplinen in das Programm aufgenommen? Welche Kriterien gelten für die Geschlechtergerechtigkeit? Und wie können traditionelle Sportarten erhalten werden, während gleichzeitig neue Entwicklungen Raum erhalten? Die Entscheidung im Mai oder Juni wird wegweisend für die Zukunft dieser Sportart sein.



