Olympisches Gold krönt Horngachers Ära als Bundestrainer
Der Gold-Coup von Philipp Raimund bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Predazzo markiert für Stefan Horngacher den Höhepunkt seiner Zeit als Bundestrainer der deutschen Skispringer. In einem exklusiven Interview mit SPORT1 enthüllte der erfahrene Coach nun, dass die Beziehung zu seinem erfolgreichen Schützling anfänglich von gewissen Turbulenzen und Konflikten geprägt war.
Emotionale Startschwierigkeiten zwischen Coach und Athlet
„Ich habe lernen müssen, mit ihm umzugehen“, gestand Horngacher offen. „Wir haben auch schon ein richtiges Streitgespräch gehabt, da hat es richtig gescheppert, aber das war auch gut.“ Diese ehrliche Auseinandersetzung habe letztlich zu einer vertrauensvollen Arbeitsbeziehung geführt, die nun in olympischem Gold mündete.
Horngacher betonte jedoch, dass Raimund trotz der anfänglichen Reibungen ein außergewöhnlicher Sportler sei: „Ich glaube, wir haben einen guten Draht und er ist ein sehr feiner Mensch und ein wahnsinniger Sportler.“ Diese persönliche Entwicklung über die letzten Jahre hinweg habe maßgeblich zum Erfolg beigetragen.
Strategische Anpassungen führen zum Olympiasieg
Besonders entscheidend für den Gold-Erfolg war laut Horngacher, dass der emotional oft aufgeladene Raimund beim Wettbewerb in Predazzo vollständig fokussiert blieb. „Er neigt ja dazu, ein bisschen zu übertreiben beim Jubeln“, erklärte der Bundestrainer. „Das haben wir ein bisschen besprochen. Er hat das wirklich super gemacht.“
Während der Vierschanzentournee hatte Raimund noch häufig überschwänglich gefeiert, obwohl technische Fehler in seine Sprünge geschlichen waren und Podiumsplätze ausblieben. Für die Olympischen Spiele gelang jedoch die perfekte Vorbereitung:
- Extreme Fokussierung auf Technik und körperliches Training
- Vollständige Konzentration auf die eigenen Sprünge
- Einhaltung aller Erfolgsparameter
Horngacher lobte die besonderen Fähigkeiten seines Schützlings: „Er ist athletisch extrem gut. Er hat eine wahnsinnige Technik, die nur ganz wenige so springen können.“ Diese einzigartige Kombination aus Athletik und Technik machte Raimund zum idealen Kandidaten für die Normalschanze, die seinen Stärken besonders entgegenkommt.
Gold-Medaille als perfekter Abschluss einer Ära
Für Horngacher, der nach der Saison 2018/19 das Erbe von Werner Schuster angetreten hatte und nach den letzten Weltcup-Wettbewerben in Planica Ende März sein Amt niederlegen wird, stellt der Olympiasieg den krönenden Abschluss dar. „Für mich zum Abschluss als Bundestrainer ist es eines der schönsten Geschenke, das mir der Philipp gemacht hat“, verdeutlichte der Coach emotional.
In seiner Amtszeit konnte Horngacher bereits beachtliche Erfolge verbuchen:
- Karl Geiger wurde Skiflug-Weltmeister
- Andreas Wellinger gewann zwei Vize-Weltmeistertitel
- Bei Olympia 2022 holten das deutsche Team und Karl Geiger jeweils Bronze
Doch das olympische Gold von Philipp Raimund übertrifft all diese Erfolge und markiert den Höhepunkt von Horngachers Wirken als Bundestrainer.
Weitere Medaillenchancen bei laufenden Spielen
Der erfolgshungrige Horngacher hofft auf weitere Erfolge bei den noch laufenden Olympischen Spielen. „Es sind jetzt noch drei Wettbewerbe, vielleicht kommt noch was dazu“, zeigte sich der Coach optimistisch. „Das Erste ist aber getan und das gibt Auftrieb für das ganze Skispringen in Deutschland.“
Bereits am Dienstag kämpfen die DSV-Adler im Mixed-Team um die nächste Medaille, wobei Raimund gemeinsam mit Felix Hoffmann, Agnes Reisch und Selina Freitag antreten wird. Für die Feierlichkeiten nach dem Wettbewerb stellte Horngacher klare Regeln auf: „Für Trainer zwei, für Athleten eines“, erklärte er schmunzelnd bezüglich des Bierkonsums.
In den folgenden Tagen warten auf Raimund und seine Teamkollegen noch die Springen auf der Großschanze im Einzel und im Super-Team-Wettbewerb. Horngacher sieht auch hier Medaillenchancen, warnt jedoch vor der starken Konkurrenz: „Ja, er ist im Sommer auf der Schanze schon Dritter geworden, die kann er auch. Aber da wird Domen Prevc natürlich gefährlich“, verwies er auf den slowenischen Favoriten, der auf der Normalschanze leer ausgegangen war.
Der Moment des Gold-Triumphes bleibt Horngacher unvergesslich, auch wenn er nicht mehr genau weiß, was ihm in diesem Augenblick durch den Kopf ging. „Ich habe gesehen, wie weit er ungefähr gesprungen ist und dass er einen Telemark ohne Wackler gemacht hat. Dann hat er auch noch Vorsprung gehabt. Da wusste ich: Das reicht 100-prozentig“, beschrieb der Bundestrainer den entscheidenden Moment, der seine Ära perfekt krönte.



