Olympia 2026: Kamera-Drohnen revolutionieren die Sportübertragung
Bei den Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo setzen die Verantwortlichen auf eine technologische Innovation, die die Art und Weise, wie Sportübertragungen produziert werden, grundlegend verändert. Erstmals kommen bei einem Mega-Event dieser Größenordnung großflächig Kamera-Drohnen zum Einsatz, die den Zuschauern spektakuläre Einblicke in die Wettkämpfe ermöglichen.
Spektakuläre Bilder aus neuen Perspektiven
Mit bis zu 140 Stundenkilometern die Abfahrtspiste hinunterrasen, mit dem Bob durch den Eiskanal schießen oder Snowboarder bei waghalsigen Tricks durch die Luft begleiten – was bisher nur die Athleten selbst erlebten, können nun auch Fernsehzuschauer auf der heimischen Couch nachempfinden. Die fliegenden Kameras liefern Aufnahmen, die bisher unmöglich schienen.
„Es schaut cool aus“, schwärmt Skirennfahrerin Emma Aicher über die Bilder ihrer Hochgeschwindigkeitsfahrten auf der Tofana-Piste. Rodler Felix Loch bezeichnet die Drohnen-Aufnahmen als „ganz schöne Sache“ und räumt ein: „Es sind schon ganz andere Bilder.“ Besonders beeindruckend sind die neuen Perspektiven aus dem engen Eiskanal, die bisherige Übertragungstechniken nicht ermöglichen konnten.
15 spezielle FPV-Drohnen im Einsatz
Insgesamt 15 sogenannte FPV-Drohnen (First Person View) sind bei den Spielen im Einsatz. Diese werden von speziell ausgebildeten Piloten ferngesteuert, die über Spezialbrillen virtuell den Blick der Drohne einnehmen und so präzise Manöver fliegen können.
Yiannis Exarchos, Chef von Olympic Broadcasting Services (OBS), spricht von einer „neuen Dimension“ der Sportübertragung. Seine Organisation produziert sämtliche Bilder der Wettkämpfe und verteilt sie an die TV-Sender weltweit.
„Viele Zuschauer empfinden die neue Technik auch als spannend und als optisches Erlebnis“, bestätigt ARD-Teamchef Christoph Netzel. Scott Young von WBD Sports Europe, zu dem Eurosport gehört, bezeichnet den Einsatz sogar als „Meilenstein“ in der Geschichte der Sportübertragungen.
Der charakteristische Drohnen-Sound
Ein besonderes Merkmal der neuen Übertragungen ist das beständige Surren der Drohnen-Rotoren – ein „Bsssssss“, das manche Zuschauer an die Vuvuzelas bei der Fußball-WM 2010 in Südafrika erinnert. OBS-Chef Exarchos kann sich vorstellen, dass künftig dank Künstlicher Intelligenz dieser Sound aus der Übertragung herausgefiltert werden könnte.
Die Sportler selbst nehmen von den fliegenden Kameras kaum etwas wahr. Skirennfahrer und Rodler berichten, dass sie unter ihren Helmen und wegen des Fahrtwindes kein Summen vernehmen. Selbst bei Indoor-Events ohne Helm stört der Ton nicht: „Die Halle ist so laut, viel lauter als die Drohne“, erklärt der deutsche Eisschnellläufer Felix Maly.
Strenge Sicherheitsvorschriften
Großer Wert wird auf die Sicherheit der Athleten gelegt. Die Drohnen dürfen niemals über oder vor die Sportler geflogen werden, sondern verfolgen diese nur aus sicherer Distanz. Bei einer Kollision wären grobe Verletzungen unwahrscheinlich, da die eingesetzten Drohnen lediglich 250 Gramm wiegen.
Österreichs Snowboarderin Anna Gasser kann beruhigt sein: „Mein Freund fliegt Renndrohnen, und wenn er trainiert, folgt er mir und rammt mich dann“, erzählt sie. Bei Olympia sind solche Zwischenfälle durch die strengen Sicherheitsrichtlinien ausgeschlossen.
Verbesserungsvorschläge von Olympiasiegern
Während die meisten Athleten die neuen Aufnahmen begrüßen, gibt es auch kritische Stimmen. TV-Kommentatoren und Experten bemängeln, dass auf den Verfolgungsbildern die Skitechnik der Fahrer nur schwer zu erkennen sei.
Der deutsche Rodler und Doppel-Olympiasieger Max Langenhan hat einen konkreten Verbesserungsvorschlag: „Die Drohnen müssten viel näher ran. Ich vermute, dass das wegen Sicherheitsrichtlinien nicht geht. Ich muss die Drohne hinten im Helm hören, dann sind die Aufnahmen richtig gut.“
Bis auf die Wettkämpfe in Eishockey, Eiskunstlauf und Curling kommen die Kamera-Drohnen bei allen Sportarten der Winterspiele zum Einsatz und setzen damit neue Maßstäbe für zukünftige Sportübertragungen.



