Olympiasieger Langenhan fordert Reform: Kritik an deutscher Sportförderung nach Medaillenflaute
Doppel-Olympiasieger Max Langenhan hat nach den enttäuschenden Gesamtergebnissen Deutschlands bei den Olympischen Spielen deutliche Kritik an der Sportpolitik und der Förderstruktur geäußert. Der 27-jährige Rennrodler nutzte seine öffentliche Bühne als erfolgreicher Athlet, um grundlegende Veränderungen im deutschen Sportsystem zu fordern.
„Etwas in Deutschland muss passieren“
Im ZDF-Interview betonte Langenhan am Sonntag nach seinen Olympiaerfolgen: „Am Ende muss ich auch mal ehrlich sein, dass etwas in Deutschland passieren muss.“ Ursprünglich nur nach den herausragenden Medaillenergebnissen im Eiskanal befragt, nutzte der Sportsoldat die Gelegenheit für grundsätzliche Anmerkungen zur Sportlandschaft.
„Bei den Sommerspielen haben wir viel darüber diskutiert, dass wir so wenig Medaillen gewonnen haben. Bei den Winterspielen ist das jetzt irgendwie auch nicht besser geworden“, analysierte Langenhan. „Im Land muss sich mit der Hinsicht auf Sport vielleicht mal etwas ändern.“
Kritik an der „Sport-Milliarde“
Besonders deutlich wurde der Olympiasieger bei der Finanzierung: „Geld haben wir genügend, aber es kommt vielleicht nicht immer dort an, wo man es braucht und wo es richtig investiert werden müsste.“ Konkret kritisierte er die sogenannte Sport-Milliarde: „Was ich eine Mogelpackung finde, ist diese Sport-Milliarde.“
Langenhan erläuterte: „Da war für jedes Jahr eine Milliarde versprochen und jetzt gibt es für die ganze Legislatur eine Milliarde.“ Der zweimalige Olympiasieger verwies auf die Realität der Baukosten: „Jeder in Deutschland weiß heutzutage, dass eine Turnhalle nicht mehr nur 500.000 Euro kostet und ein Schwimmbad auch nicht.“
DOSB unterstützt Kritik
Diese Position findet Unterstützung beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB). Bereits im Oktober hatte der Dachverband ähnliche Kritik geäußert: „Es ist hochgradig enttäuschend, dass die Ankündigung des neuen Programms als ‚Modellprojekt zum Bürokratieabbau‘ nicht ansatzweise eingelöst wurde.“ Der DOSB forderte ebenfalls mehr Investitionen, um der Jugend bessere Sportmöglichkeiten zu bieten.
Besorgnis über gesellschaftliche Entwicklung
Langenhan zeigte sich besorgt über die allgemeine sportliche Entwicklung in Deutschland: „Und wenn ich mir dann unseren BMI (Body-Mass-Index) ansehe und die Begeisterung für Sport, finde ich das ein bisschen schade.“ Der Athlet betonte die Notwendigkeit einer grundlegenden Veränderung: „Wir müssen da wieder mehr was hinbekommen, dass wir wieder eine Sport-Nation werden und dass die Leute einfach Spaß an Bewegung haben.“
Er verwies auf die vorhandenen Ressourcen: „Wir haben die tollste Natur. Wir haben ganz, ganz viele ehrenamtliche Menschen, die sich in Vereinen engagieren.“
Kinder als erste Priorität
Für Langenhan steht der Breitensport im Mittelpunkt: „Da müssen wir als Erstes die Kinder wieder hinbekommen.“ Erst nach dieser grundlegenden Verbesserung sollte über prestigeträchtige Projekte nachgedacht werden: „Dann kann man auf alle Fälle auch sagen: Wir bewerben uns für 2040 für Olympische Spiele und spielen dann im Medaillenspiegel wieder ganz oben mit.“
Der Olympiasieger fordert damit eine umfassende Neuausrichtung der deutschen Sportpolitik – weg von kurzfristigen Erfolgen hin zu nachhaltiger Förderung von der Basis bis zur Spitze.



