Olympia-Aus für Bob, Rodeln und Skeleton? Legenden bewerten die Gerüchte
Die deutschen Wintersportfans könnten in Zukunft einen erheblichen Teil ihrer Medaillenchancen bei Olympischen Spielen verlieren. Grund dafür sind aktuelle Gerüchte, die ein mögliches Olympia-Aus für die Sportarten Bob, Rodeln und Skeleton andeuten. Der seriöse Insider Duncan Mackay berichtet in seinen „Zeus Files“, dass diese Disziplinen einer Neuordnung des olympischen Programms zum Opfer fallen könnten.
Deutsche Erfolge und die aktuelle Bedrohung
Bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo hatten die deutschen Schlittensportler beeindruckende 19 von 26 möglichen Medaillen gewonnen, darunter sechs der acht Goldmedaillen. Diese Dominanz könnte jedoch bald der Vergangenheit angehören, wenn die Gerüchte wahr werden. Rodel-Legende Georg Hackl äußerte sich besorgt: „Das sind keine Nachrichten, die einen beruhigt schlafen lassen.“
Als Hauptgründe für die Überlegungen des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) werden die Kategorien Kosten, Umwelt und Nachhaltigkeit genannt. Hackl zeigt sich jedoch für die nächsten beiden Olympischen Spiele in Frankreich und Salt Lake City noch optimistisch, da dort bereits Eiskanäle existieren. „Danach steht das alles in den Sternen“, so der dreifache Olympiasieger.
Unterschiedliche Reaktionen der Experten
Bob-Legende Christoph Langen reagiert deutlich entspannter auf die Berichte. „Für mich sind das nur Gerüchte. Ich mache mir deshalb weniger Sorgen und gehe davon aus, dass ich 2030 auf jeden Fall an der Bahn in Frankreich stehe“, erklärte der Olympiasieger von 1998 und 2002. Auch Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbands für Deutschland (BSD), zeigt sich gelassen. „Diese Gerüchte reißen mich jetzt auch nicht direkt vom Hocker“, sagte er und betonte, dass man sich konstruktiv mit dem IOC auseinandersetze.
Schwab kann die Debatte nicht nachvollziehen: „Zum einen zählen die Disziplinen zu den Olympischen-Kernsportarten, zum anderen haben wir im Bob, Rodel und Skeleton die beste olympische Nachnutzung aller Wintersportarten.“ Er verweist auf erfolgreich genutzte Bahnen in Salt Lake City, Whistler, Korea und China, während andere Sportarten wie Biathlon oder Skispringen nicht immer auf intakte Infrastrukturen zurückgreifen könnten.
Nachhaltigkeit als zentrales Thema
Das Thema Nachhaltigkeit steht im Mittelpunkt der Diskussion. Schwab betont, dass sein Verband bereits aktiv daran arbeite: „Wir sind eine der wenigen Sportarten, die über den ganzen Winter von den Eiskanälen bis zu den Transportwegen ihren CO₂-Fußabdruck messen können.“ Zudem werden Konzepte entwickelt, um den Sportkalender optimal an die örtlichen Bedingungen anzupassen und vermehrt Eisbahnen aus Schnee zu nutzen, wie es in St. Moritz seit Jahrzehnten praktiziert wird.
Christoph Langen verweist auf technologische Fortschritte: „Beispielsweise generieren die deutschen Bobbahnen in Altenberg und Winterberg schon zu großen Teilen grünen Strom.“ Damit sieht er den Bobsport gut aufgestellt, um den ökologischen Anforderungen gerecht zu werden.
Weitere Herausforderungen im Schlittensport
Georg Hackl identifiziert jedoch andere Probleme. Er kritisiert die zu geringe Anzahl von Startplätzen bei Olympia, insbesondere seit der Einführung der Damen-Doppelsitzer im Rodeln. „Das IOC hat aber gleichzeitig die Gesamtzahl der zugelassenen Athleten in unserer Sportart nicht erhöht“, moniert Hackl. Dadurch würden Sportler aus kleineren Nationen benachteiligt, die den olympischen Traum leben wollen.
Langen bestätigt diese Sorge, betont aber die internationale Vielfalt im Bobsport: „Wir haben mehrere Nationen aus verschiedenen Kontinenten dabei - wie Jamaika, Brasilien oder Australien -, die keine klassische Wintersporttradition haben.“ Besonders Brasilien habe bei der Weltmeisterschaft bereits Top-15-Platzierungen erreicht.
Die dramatischen Konsequenzen eines Olympia-Aus
Alle Experten sind sich einig, dass ein Olympia-Aus verheerende Folgen hätte. Georg Hackl warnt: „Ohne Olympia würde es für die Sportart schwer werden. Dann wird es keine Fördergelder mehr geben, man wird keine Sponsoren mehr haben, es wird keine TV-Übertragung mehr geben und dann gehen eigentlich die Lichter aus.“
Thomas Schwab fügt hinzu: „Das wäre natürlich dramatisch!“ Gleichzeitig sieht er die Gefahr für andere Sportarten als größer an. Christoph Langen bleibt zuversichtlich: „Wir haben so viel Tradition und auch so viele Sportstätten, dass es weitergehen würde.“ Die Eiskanal-Sportarten stehen somit vor einer unsicheren Zukunft, während ihre Vertreter weiter für den Erhalt des olympischen Status kämpfen.



