Olympia-Liveticker: Deutsche Höhen und Tiefen in Mailand-Cortina
Die Olympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo halten die Sportwelt in Atem. Vom 6. bis 22. Februar kämpfen rund 2900 Athleten aus 90 Nationen in 116 Wettbewerben um die begehrten Medaillen. Der deutsche Olympiakader erlebt dabei eine emotionale Achterbahnfahrt mit triumphalen Erfolgen und bitteren Enttäuschungen.
Bitteres Ende für deutsche Kombinierer
Die hoch gehandelten Nordischen Kombinierer aus Deutschland müssen im Einzelwettbewerb eine herbe Niederlage einstecken. Vinzenz Geiger, nach dem Skispringen auf Platz acht liegend, zeigte im Langlauf über weite Strecken eine starke Leistung und hielt sich in der Spitzengruppe. Doch in der entscheidenden letzten Runde brach der Olympiasieger von Peking ein und musste abreißen lassen. Am Ende hatte er auf den norwegischen Sieger Jens Oftebro fast zwei Minuten Rückstand und verpasste damit klar eine Medaille.
Bereits vor dem Wettkampf gab es Sorgen um Geigers Gesundheit: Wegen muskulärer Probleme am Knie hatte er das Sprungtraining am Dienstag ausgelassen. „Es war die richtige Entscheidung. Ein bisschen hat es schon geschmerzt“, erklärte der Deutsche nach dem Springen, betonte aber: „Das wird mich beim Laufen nicht behindern.“ Seine Teamkollegen Johannes Rydzek (Platz 12 nach dem Springen) und Julian Schmid (Platz 13) hatten ebenfalls keine realistischen Medaillenchancen mehr.
Goldjubel im Rodeln
Während die Kombinierer leer ausgingen, sorgte Julia Taubitz für strahlende Gesichter im deutschen Lager. Die Weltmeisterin raste im Rennrodel-Einsitzer zum überlegenen Olympiasieg und holte damit die dritte Goldmedaille für das Team Deutschland bei diesen Spielen. Mit großem Vorsprung setzte sie sich gegen die Konkurrenz durch – Silber ging an die Lettin Elina Bota, Bronze sicherte sich die US-Amerikanerin Ashley Farquharson.
Für ihre Teamkollegin Merle Fräbel verlief der Wettkampf weniger erfolgreich: Nachdem sie nach dem ersten Tag noch knapp hinter Taubitz gelegen hatte, vergab sie mit schweren Fehlern im dritten Lauf alle Medaillenchancen und wurde am Ende Achte. Anna Berreiter, die vor vier Jahren in Peking Silber gewonnen hatte, landete diesmal auf Rang sechs.
Historischer Triumph für Schweizer Skistar
Einer der großen Stars der Spiele entwickelt sich zum Franjo von Allmen. Der 24-jährige Schweizer Skifahrer gewann am Mittag auch den Super-G und feierte damit seine dritte Goldmedaille in Mailand-Cortina. In Bormio setzte er sich gegen den Amerikaner Ryan Cochran-Siegle und seinen favorisierten Landsmann Marco Odermatt durch.
Von Allmen hatte bereits am Samstag Gold in der Abfahrt gewonnen und am Montag gemeinsam mit Tanguy Nef in der Team-Kombination triumphiert. Damit schreibt er Geschichte: Er ist nach dem Österreicher Toni Sailer (1956) und Jean-Claude Killy aus Frankreich (1968) erst der dritte männliche Skirennfahrer, der dreimal Gold bei denselben Winterspielen gewonnen hat.
Weitere Höhepunkte des Tages
Im Skispringen verpasste das deutsche Mixed-Team mit Philipp Raimund, Felix Hoffmann, Selina Freitag und Agnes Reisch die Medaille knapp. Nach insgesamt acht Sprüngen von der Normalschanze in Predazzo fehlten nur 1,2 Punkte zu Bronze. Gold sicherte sich Slowenien überlegen vor Norwegen und Japan.
Im Curling holte Schweden Gold im Mixed-Wettbewerb. In einem packenden Finale setzten sich die Skandinavier mit 6:5 gegen die USA durch. Bronze ging an Gastgeber Italien, das Großbritannien mit 5:3 besiegte.
Im Eishockey zog Deutschlands Frauenteam mit einem 2:1-Sieg gegen Gastgeber Italien ins Viertelfinale ein. Die Auswahl des Deutschen Eishockey-Bundes wurde in der Gruppe B Zweiter und trifft am Freitag entweder auf die USA oder Kanada.
Tragödien und Kontroversen
Neben den sportlichen Höchstleistungen gab es auch tragische Momente. Der amerikanische Eiskunstläufer Maxim Naumov gedachte nach seinem Kurzprogramm seiner Eltern, die am 29. Januar 2025 bei einem Flugzeugunglück ums Leben gekommen waren. Naumov hielt ein Foto seiner Familie in die Kamera und drückte ihm einen Kuss auf.
Die polnische Skispringerin Pola Beltowska wurde nach dem vorzeitigen Ausscheiden ihres Teams im Mixed-Wettbewerb massiv in sozialen Netzwerken angefeindet. Die 19-jährige Olympia-Debütantin, die mit 82 Metern die schwächste Springerin ihrer Gruppe war, sagte zu polnischen Medien: „Das ist so ein Hass, ich hätte nicht erwartet, dass Menschen so viel Hass gegen mich hegen können.“
Australiens Snowboard-Veteran Cam Bolton erlitt bei einem Trainingssturz zwei Halswirbelfrakturen. Der 35-Jährige, der bereits 2014, 2018 und 2022 bei Olympia angetreten war, musste per Hubschrauber nach Mailand transportiert werden und befindet sich nun in Krankenhausbehandlung.
Ausblick auf weitere Wettkämpfe
Am heutigen Tag stehen noch mehrere spannende Entscheidungen an. Für das deutsche Team gibt es realistische Medaillenchancen im Biathlon-Einzel der Frauen mit Franziska Preuß, im Rodel-Doppelsitzer der Frauen mit Dajana Eitberger/Magdalena Matschina sowie im Rodel-Doppelsitzer der Männer mit den sechsmaligen Olympiasiegern Tobias Wendl und Tobias Arlt.
Im Medaillenspiegel konnte sich das deutsche Team dank der Goldmedaille von Julia Taubitz und DSV-Silber in der Team-Kombination auf Platz zwei hinter Norwegen verbessern. Die Spiele in Mailand-Cortina versprechen weiterhin packende Wettkämpfe und emotionale Momente für Athleten und Fans gleichermaßen.



