Olympia-Gold für die tote Mutter: Bob-Anschieber Georg Fleischhauer erfüllt sich Kindheitstraum
Dieses Gold glänzt nicht nur in Cortina d'Ampezzo, sondern auch im Himmel. Für den deutschen Bob-Anschieber Georg Fleischhauer (37) hat sich ein lebenslanger Traum erfüllt: die Goldmedaille bei Olympischen Winterspielen. Gemeinsam mit Pilot Johannes Lochner siegte er im Zweierbob-Wettbewerb und setzte sich damit gegen den Dauerrivalen Francesco Friedrich (35/mit Alexander Schüller) sowie das Team um Adam Ammour (24/mit Alexander Schaller) durch.
Tränen der Erinnerung bei der Siegerehrung
„Ich habe sehr, sehr lange darauf warten müssen“, gesteht Fleischhauer nach seinem Triumph. Der emotionale Höhepunkt bei der Siegerehrung war zugleich ein Moment tiefster Trauer. Der Athlet dachte in dieser Sekunde an seine Mutter Irene, die im August 2022 nach kurzer Krankheit verstorben war. „Ich hatte ein Foto von ihr dabei. Im Rennanzug“, verrät der Goldgewinner. Das Bild zeigt den kleinen Georg in den Armen seiner Mama – ein Symbol für die jahrelange Unterstützung.
„Leider hat sie meine Bob-Erfolge nicht mehr mitbekommen“, bedauert Fleischhauer. Doch seine Mutter war es, die den Grundstein für seine sportliche Laufbahn legte. „Meine Mutter hat mich als Kind zur Leichtathletik geschickt, weil sie nicht wollte, dass ich Fußballer werde“, erzählt der 37-Jährige. Als 400-Meter-Hürdenläufer erlebte er jedoch zahlreiche Rückschläge: Verletzungen und Formschwächen verhinderten immer wieder die Teilnahme an Großereignissen. Die Olympischen Spiele in London, Rio und Tokio verpasste er knapp.
Späte Karriere und lang ersehnter Triumph
Erst vor vier Jahren startete Georg Fleischhauer seine zweite Karriere im Bobsport – und nun krönte er sie mit dem größtmöglichen Erfolg. „Ich hätte mir gewünscht, dass sie das miterleben kann“, sagt er nach dem Gewinn der Goldmedaille. Sein Vater Ralf drückte an der Strecke in Cortina d'Ampezzo die Daumen und feierte den Sieg seines Sohnes.
Doch die Olympischen Spiele sind für Fleischhauer noch nicht vorbei. Am Samstag und Sonntag hat er die Chance, im Viererbob erneut Gold zu gewinnen. Bisher dominierte bei Olympia stets Francesco Friedrich in der Königsdisziplin – doch der Bann wurde zumindest im Zweierbob nun durchbrochen. Fleischhauer wird auch in den kommenden Rennen das Foto seiner Mutter bei sich tragen, als stille Motivation und persönliche Widmung.
Der emotionale Triumph von Georg Fleischhauer zeigt, dass hinter jeder Medaille eine persönliche Geschichte steckt. Sein Gold glänzt nicht nur für Deutschland, sondern vor allem für eine Mutter, die ihren Sohn bis zuletzt unterstützte.



