Deutschlands Olympia-Krise: Medaillenflaute hält an – Reformen brauchen Jahre
Was ist aus der einstigen Sportgroßmacht Deutschland geworden? Früher eine Medaillenschmiede, heute kämpft das Land bei Olympischen Spielen nur noch im Mittelfeld. Kleinere Nationen wie Norwegen oder die Niederlande haben Deutschland längst überholt – ein alarmierender Trend, der sich bei den jüngsten Winterspielen in Italien und den Sommerspielen in Paris deutlich zeigte.
Sportministerin fordert Paradigmenwechsel
Dass Deutschland seit Jahrzehnten bei Olympia Rückschritte macht, war auch der Politik nicht verborgen geblieben. Die CDU-geführte Bundesregierung unter Kanzler Friedrich Merz hat im Koalitionsvertrag zwar einen Paradigmenwechsel in der Spitzensportförderung angekündigt, doch konkrete Maßnahmen lassen auf sich warten. Das ursprünglich von der Ampel geplante Sportfördergesetz findet sich in dem knapp 150-seitigen Dokument nicht einmal erwähnt.
Stattdessen verspricht die Regierung unter dem Stichwort „Spitzensportförderung“ eine effizientere, flexiblere und weniger bürokratische Unterstützung. Die bereits erfolgreichen Sportfördergruppen von Bundeswehr, Bundespolizei und Zoll sollen als Vorbild dienen und ausgebaut werden. Auch steuerrechtliche Freistellungen für Medaillenprämien sind geplant.
Bürokratie bremst den Erfolg
Christiane Schenderlein, Staatsministerin für Sport im Kanzleramt, zeigt sich dennoch optimistisch: „Bei Olympischen Winterspielen wollen wir zu den Top-3-Nationen gehören, im Sommer wieder zu den besten fünf. Die Ergebnisse aus Italien sind ein klarer Handlungsauftrag“, betonte die CDU-Politikerin. Doch ihr im Herbst 2025 vorgelegter Referentenentwurf für eine Spitzensport-Agentur könnte frühestens Ende 2026 Gesetz werden.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) verliert in diesem Entwurf an Einfluss – und wehrt sich entsprechend. Sollte die Agentur 2027 ihre Arbeit aufnehmen, dürften noch Jahre vergehen, bis sie vollständig operativ ist. Die Olympischen Sommerspiele 2028 in Los Angeles und die Winterspiele 2030 in den französischen Alpen werden daher voraussichtlich noch keine deutliche Verbesserung bringen.
Mehr Geld ist keine Garantie
Eine Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt das Kernproblem: Obwohl die Ausgaben für Spitzensportförderung in den letzten zehn Jahren inflationsbereinigt von 44 auf knapp 60 Millionen Euro stiegen, nahm der Erfolg ab. „Die Sportförderung leidet unter derselben Krankheit, die auch die Wirtschaft belastet: Zu oft verschlechtert Bürokratie die Zielgenauigkeit staatlicher Maßnahmen“, erklärte IW-Ökonom Simon Gerards Iglesias.
Die Ressourcen werden nicht auf erfolgversprechende Disziplinen konzentriert, sondern breit gestreut. Schenderlein macht deutlich: „Bloße Forderungen nach mehr Geld werden uns nicht weiterhelfen. Wir brauchen echte Reformen.“ Bis diese greifen und Deutschland im Medaillenspiegel wieder nach vorne rückt, wird es wohl noch lange dauern.



