Olympia-Debüt des Skibergsteigens: Die Wahrheit hinter den mysteriösen Rucksäcken
Die Olympischen Winterspiele 2026 in Livigno und Bormio haben eine neue Sportart im Programm – und diese sorgt bereits bei ihrer Premiere für reichlich Gesprächsstoff unter den TV-Zuschauern. Eine besonders häufig gestellte Frage lautet: Was haben die Athleten eigentlich in ihren Rucksäcken? Die Antwort ist überraschend und wirft ein interessantes Licht auf die speziellen Regeln dieser Disziplin.
Attrappen mit Pflichtcharakter
Die Rucksäcke, die bei den Sprintwettbewerben des Skibergsteigens getragen werden, haben tatsächlich nur eine einzige Funktion: Sie dienen ausschließlich zum Transport der Ski während der Fußgängerpassage. In diesem Abschnitt müssen die Athleten ihre Ski abschnallen und eine Treppe hinauflaufen. Ansonsten handelt es sich bei diesen Rucksäcken um sogenannte Fake-Rucksäcke.
Laut den Vorschriften der International Ski Mountaineering Federation (ISMF) müssen diese Rucksäcke lediglich ein bestimmtes Mindestvolumen vorweisen, haben aber ansonsten keinerlei praktischen Nutzen. Manche Sportler packen gelegentlich eine Daunenjacke hinein, um ein besseres Traggefühl zu erreichen. Interessanterweise sollen Schweizer Athleten mittlerweile sogar Rucksäcke verwenden, die keine Öffnungen haben – sie sind also komplett geschlossen und können nichts aufnehmen.
Unterschiede zu anderen Disziplinen
In anderen Wettbewerben des Skibergsteigens, die nicht zum olympischen Programm gehören, haben Rucksäcke durchaus eine wichtige Funktion. Dort dienen sie unter anderem als Transportmittel für eine obligatorische Lawinenausrüstung, die mitgeführt werden muss. Beim olympischen Sprint entfällt diese Notwendigkeit jedoch komplett.
Strenge Gewichtsvorschriften für Ausrüstung
Die ISMF-Regelwerke enthalten nicht nur Vorschriften für die Rucksäcke, sondern auch detaillierte Mindestgewichte für andere Ausrüstungsteile:
- Skischuhe der Männer müssen mindestens 500 Gramm wiegen
- Skischuhe der Frauen müssen mindestens 450 Gramm wiegen
- Ski der Frauen dürfen nicht weniger als 0,73 Kilogramm wiegen
- Ski der Männer dürfen nicht weniger als 0,78 Kilogramm wiegen
Zum Vergleich: Ein Paar Alpin-Ski mit Bindung wiegt normalerweise zwischen 5 und 7 Kilogramm – also deutlich mehr als die Mindestanforderungen beim Skibergsteigen.
So funktioniert der olympische Sprint
Die neue Disziplin stellt gewissermaßen die Ultrakurzversion des traditionellen Skitourengehens dar. Ein Sprint dauert nur etwa drei Minuten und ist ein intensiver Schlagabtausch aus Aufstieg und Abfahrt:
- Start im Pulk mit angeschnallten Skiern
- Aufstieg im Zick-Zack-Kurs (Diamantform) auf Ski mit Fellen für besseren Halt
- Nach etwa 20 Sekunden: Ski abschnallen, auf den Rucksack schultern und zu Fuß Treppen hinauflaufen
- Im letzten Teil des Aufstiegs: Ski wieder anlegen
- An der höchsten Stelle: Felle von den Skiern abziehen
- Abfahrt im Riesenslalom-Tempo ins Ziel
In den einzelnen Läufen treten jeweils sechs Athletinnen oder Athleten gleichzeitig gegeneinander an, was für zusätzliche Spannung sorgt. Der deutsche Athlet Finn Hösch (23) schied bereits im Vorlauf aus, während sein französischer Konkurrent Thibault Anselmet ebenfalls mit dem charakteristischen Rucksack antrat.
Die olympische Premiere des Skibergsteigens hat damit nicht nur eine neue Sportart ins Rampenlicht gerückt, sondern auch für ungewöhnliche Diskussionen über scheinbar banale Ausrüstungsgegenstände gesorgt. Die speziellen Regularien zeigen, wie stark traditionelle Bergsport-Elemente für den Wettkampfbetrieb adaptiert wurden.



