Paralympics: Russische Hymne erklingt erstmals seit 2014 bei Siegerehrung
Paralympics: Russische Hymne erstmals seit 2014 gespielt

Historischer Moment bei Paralympics: Russische Hymne erklingt nach zwölf Jahren

Bei den Winter-Paralympics in Cortina d'Ampezzo hat sich ein historischer Moment ereignet. Die russische Skirennfahrerin Warwara Worontschichina sicherte sich im Super-G der stehenden Klasse die Goldmedaille und sorgte damit für eine Premiere: Erstmals seit den Paralympics 2014 in Sotschi wurde bei einer Siegerehrung wieder die russische Nationalhymne gespielt.

Emotionale Zeremonie mit gemischten Reaktionen

Während der feierlichen Medaillenvergabe wehte die russische Flagge im italienischen Wintersportort. Von der gut besuchten Tribüne erhielt die 23-jährige Worontschichina Applaus, einige Zuschauer stimmten sogar in den Gesang der Hymne ein. Es handelte sich um das erste Mal seit den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro 2016, dass die russische Hymne bei einem solchen Anlass zu hören war.

Die deutsche Skirennfahrerin Andrea Rothfuss, die im selben Rennen einen ausgezeichneten vierten Platz belegte, kommentierte den Erfolg ihrer Konkurrentin mit sportlicher Fairness: „Das ist jetzt vielleicht ein Ergebnis, was wir uns alle so nicht gewünscht haben mit der Situation momentan. Aber man muss in sportlicher Hinsicht ganz klar sagen, die Warwara hat heute die beste Fahrt hingelegt, daher verdient Platz eins“, erklärte die 36-Jährige.

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Hintergrund: Der lange Weg zurück zu internationalen Symbolen

Die Rückkehr russischer Symbole bei internationalen Sportveranstaltungen markiert einen bedeutenden Wendepunkt. Seit dem staatlich organisierten Doping und insbesondere seit dem mehr als vier Jahre andauernden Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine durften Athleten aus dem Land nur noch als neutrale Teilnehmer ohne nationale Insignien antreten. Gleiches galt für Belarus als Unterstützer der Invasion.

Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) unter der Leitung des Brasilianers Andrew Parsons hatte den Bann bereits im September des Vorjahres aufgehoben. Zunächst sperrten sich die vier Weltverbände für Ski und Snowboard, Biathlon, Curling sowie Para-Eishockey gegen diese Entscheidung. Doch der Internationale Sportgerichtshof (Cas) urteilte nach einem Einspruch Russlands, dass ein pauschaler Ausschluss nicht rechtmäßig sei. Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) hatte die Zulassung russischer Athleten mit allen Symbolen kritisiert.

Deutsche Erfolge und persönliche Comebacks

Andrea Rothfuss zeigte sich überglücklich mit ihrem vierten Platz: „Als ich die Vier im Ziel aufleuchten gesehen habe, habe ich es gar nicht so richtig glauben können. Ich habe mir gedacht: Wahnsinn, Wahnsinn! Der vierte Platz - mega“, schwärmte die Riesenslalom-Spezialistin.

Hinter der Französin Aurelie Richard und der Schwedin Ebba Aarsjoe war Rothfuss die beste deutsche Teilnehmerin. Ihr Comeback ist besonders bemerkenswert: Nach einer mehrjährigen Pause aufgrund mentaler Probleme kehrte sie erst im Dezember in den Weltcup zurück und trainiert seit lediglich zwei Wochen wieder mit den langen Ski für die Speeddisziplinen. Ihre Teamkollegin Anna-Maria Rieder belegte den elften Platz.

Für Warwara Worontschichina war es bereits die zweite Medaille bei diesen Paralympics, nachdem sie zwei Tage zuvor Bronze in der Abfahrt gewonnen hatte. Ihr Golderfolg im Super-G wird als symbolträchtiger Moment in die Geschichte des Behindertensports eingehen.

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