Paralympics: Team D startet mit Medaillenregen - Wicker und Maier glänzen
Das deutsche Team hat bei den Winter-Paralympics in Italien einen glänzenden Auftakt hingelegt. Gleich am zweiten Wettkampftag konnten starke Biathletinnen die Medaillenbilanz für Team D kräftig aufbessern. Anja Wicker, die bereits am Vortag Bronze im Sprint gewonnen hatte, sicherte sich im Einzelrennen die Silbermedaille. Ebenfalls auf dem Podest landete die sehbehinderte Johanna Recktenwald, die Rang drei erreichte.
Wicker strahlt über Silber - Eskau mit Pech
Erschöpft, aber über das ganze Gesicht strahlend, rollte Anja Wicker nach ihrem Silberlauf durch das sonnige Langlaufstadion in Tesero. „Unglaublich. Davon träumt man. Zwei Rennen, zwei Medaillen. Ich muss mich kneifen“, sagte die 34-Jährige aus Stuttgart, deren untere Wirbelsäule fehlgebildet ist. Mit nur 12,8 Sekunden Rückstand auf die siegreiche Südkoreanerin Yunji Kim zeigte Wicker eine starke Leistung, obwohl sie direkt den ersten von 20 Schüssen daneben setzte und eine Strafminute kassierte.
„Es hat vom ersten Meter an Spaß gemacht und es freut mich, dass es so eng ist und ich um Silber mitlaufen konnte“, berichtete Wicker, für die es bereits die fünfte Paralympics-Medaille ihrer Karriere ist. „Ich war super entspannt am Start, weil mit der Medaille gestern mein Ziel erreicht und damit der Druck weg war. Jetzt habe ich noch das i-Tüpfelchen draufgesetzt.“
Bitter endete das Rennen dagegen für ihre Teamkollegin Andrea Eskau. Bei ihren neunten Paralympics und nach eigener Aussage letzten Winterspielen blieb die 54-Jährige in der sitzenden Klasse als einzige Athletin fehlerfrei, wurde jedoch wegen einer nicht korrekt genommenen Wende disqualifiziert. Eskau, die am Vortag Neunte geworden war, nahm es mit Humor: „So ist es im Leben – manchmal hat man kein Glück, und dann kommt manchmal noch Pech dazu.“
Maier jubelt über zweite Bronzemedaille
Zum zweiten Mal jubeln konnte auch Marco Maier. Der 26-Jährige, der wegen verkürzter Finger an der linken Hand nur mit einem Stock startet, kam nach Bronze im Sprint auch im Einzel mit einem Schießfehler als Dritter ins Ziel. „Ich hätte nie gedacht, dass ich gleich hintereinander zwei Medaillen gewinne, gerade weil ich vorher krank war“, sagte Maier, der bei frühlingshaften Temperaturen in kurzer Hose und T-Shirt unterwegs war.
Den erfolgreichen Tag komplettierte bei den sehbehinderten Frauen Johanna Recktenwald mit ihrer Guide Emily Weiss. Nach einem fehlerfreien Schießen konnte sich die 24-Jährige über Bronze und damit ihre erste paralympische Medaille freuen. „Es ist ein Riesentraum, der in Erfüllung geht“, sagte Recktenwald sichtlich gerührt. Ihre Teamkollegin Leonie Walter, die am Vortag im Sprint noch Bronze gewonnen hatte, kam auf Platz fünf.
Forster wird im Deutschen Haus gefeiert
Am Vorabend wurde Anna-Lena Forster mit großem Tamtam im Deutschen Haus für den ersten Goldmedaillengewinn bei den italienischen Spielen gefeiert. Beim sogenannten Medal Walk bejubelten die zahlreichen Gäste die 30-Jährige mit Kuhglockengeläut, lauten Rasseln und Jubelrufen. „Ich bin überwältigt“, gestand die nun fünfmalige Paralympicssiegerin.
Mitten im Trubel war auch Sport-Staatsministerin Christiane Schenderlein, die mitklatschte und Forster beglückwünschte, nachdem sie den Goldlauf bereits an der Strecke verfolgt hatte. „Es hat wahnsinnig viel Spaß gemacht, mit dabei zu sein, diesen Moment hautnah mitzuerleben - und war ja haarscharf und hochgradig spannend“, sagte die CDU-Politikerin.
Ihr erstes Abfahrts-Gold hatte Forster mit dem Wimpernschlag von 0,05 Sekunden Vorsprung nach rund 2,1 Kilometern auf der berühmten Tofana-Piste vor der Spanierin Audrey Pascual Seco gewonnen. „Das ist so geil, jetzt diese Medaille gerade in der Abfahrt in der Hand zu haben. Ich freue mich einfach riesig“, sagte Forster.
Mit dem Sieg im ersten alpinen Wettbewerb der Winter-Paralympics in Cortina d'Ampezzo fiel auch eine gewaltige Last von der Monoskifahrerin ab. „Ergreifend“ sei es für sie im Zielraum gewesen. „Als Audrey hier runterkam und mir bewusst wurde, krass, okay, das ist jetzt die Goldmedaille, da sind dann doch ein paar Tränen geflossen“, berichtete sie.
Ihren weiteren Starts beginnend mit dem Super-G an diesem Montag blickt sie nach einem trainingsfreien Sonntag viel entspannter entgegen. „Ich glaube schon, dass es hilft, dass die Goldmedaille da ist und ich weiß, dass ich mich hier wohlfühle. Ich mache einfach so weiter, wie ich heute angefangen habe von meinem Gefühl her und dann schauen wir, was noch rausspringt“, sagte Forster.
Am Tag darauf freute sich Sport-Staatsministerin Schenderlein in Tesero mit den Medaillengewinnern im Biathlon und gratulierte persönlich Anja Wicker zu ihrer zweiten Medaille. Das deutsche Team kann somit auf einen äußerst erfolgreichen Start bei den Winter-Paralympics zurückblicken.



