Ein historischer Moment für den deutschen Skisport
Es war der Sprung seines Lebens: Philipp Raimund (25) hat bei den Olympischen Winterspielen 2026 in Predazzo (Italien) Gold von der Normalschanze gewonnen. Damit schrieb der gebürtige Göppinger Geschichte als erst fünfter deutscher Skisprung-Olympiasieger überhaupt. Von der Großschanze belegte er am Samstag Rang neun, im Super-Team mit Andreas Wellinger (30) landete er nach Schneechaos und Annullierung des dritten Laufs auf Platz vier.
Der lange Weg zum ersehnten Triumph
Was diesen Sieg besonders macht: Es war der erste Weltcup-Erfolg seiner gesamten Karriere. „Seit 20 Jahren bin ich Skispringer“, erzählt Raimund im exklusiven BILD-Interview. „Das hat jetzt echt verdammt lang gedauert. In jedem anderen Job wäre man wohl verzweifelt, wenn man erst nach 16 Jahren die erste Beförderung erhält – in meinem Fall die Teilnahme im Weltcup – und dann noch mal vier Jahre für die zweite.“
Abseits der Schanze: Computerspiele und musikalische Talente
Doch was beschäftigt den neuen Olympiasieger, wenn er nicht gerade durch die Lüfte fliegt? Computerspiele stehen ganz oben auf seiner Liste. „Ich habe Game-Design studiert und würde auch Markenbotschafter werden, wenn ein richtig gutes Skisprung-Spiel entwickelt werden würde“, verrät Raimund. Ein besonderes Talent hat er nebenbei: „Ich erkenne die meisten Songs innerhalb von drei Sekunden.“
Fußball hingegen interessiert ihn trotz seiner Verbindung zu Jürgen Klinsmann (beide stammen aus Göppingen) und seinem Cousin Luca Raimund (Fortuna Düsseldorf) überhaupt nicht. „Das ist tatsächlich ein Thema, mit dem ich gar nichts am Hut habe“, sagt er lachend.
Bescheidene Träume und goldene Werte
Auf die Frage, wofür er seine Olympia-Medaille eintauschen würde, antwortet Raimund nach langer Überlegung: „Für alles Glück der Welt für meine Familie und Freunde.“ Seine materiellen Wünsche sind bescheiden: „Ich habe einen PC mit drei Bildschirmen. Mehr brauche ich eigentlich nicht. Mein Traum ist eines Tages ein eigenes Haus. Und einen Ford Mustang. Das Auto ist einfach geil.“
Rituale und mentale Herausforderungen
Vor Wettkämpfen hat Raimund feste Gewohnheiten: „Am Dienstag bestelle ich immer Essen – und auch immer das Gleiche: eine Pizza mit Schinken, Mais und Zwiebeln. Mittwochs esse ich bei meiner Mama, die zehn Minuten von mir entfernt wohnt.“
Mental beschäftigen ihn manchmal Kommentare von Fans: „Wenn der erste Sprung zum Beispiel in die Hose ging und es dann beim Vorbeilaufen heißt: ‚Jetzt machst es aber besser.‘ Da denke ich oft: ‚Leute, natürlich bin ich hier, um zu gewinnen, was glaubt ihr denn?‘“ Der harmoniebedürftige Athlet betont: „Ich bin viel am Reden mit den ganzen anderen Springern aus allen Nationen. Ich brauche einfach das Gefühl, dass ich hier richtig bin.“
Social Media und japanische Vorbilder
Seit seinem Sieg hat Raimund nicht überprüft, wer ihm neu auf Instagram folgt – aber einen Wunsch hat er: „Ich bin großer Japan-Fan und auch Fan von Yuji Nishida. Wenn der mir folgen würde, das wäre extrem cool.“ Der japanische Volleyballspieler hat immerhin 1,8 Millionen Follower.
Mit diesem Olympiasieg hat Philipp Raimund nicht nur seinen Traum erfüllt, sondern auch bewiesen, dass Geduld und Beharrlichkeit im Spitzensport belohnt werden. Sein Weg vom ersten Karriere-Sieg direkt zum Olympia-Gold wird noch lange in Erinnerung bleiben.



