Trumps Schatten über US-Team: Olympia-Athleten im Kreuzfeuer politischer Debatten
Trumps Schatten über US-Team bei Olympia

Trumps Schatten über US-Team: Olympia-Athleten im Kreuzfeuer politischer Debatten

Eigentlich wollen Amerikas Athletinnen und Athleten bei den Winterspielen in Mailand und Cortina nur sportlich glänzen. Doch just ihr Präsident liegt wie ein dunkler Schatten über dem Olympia-Team aus den USA. Donald Trumps umstrittene Migranten-Politik, das brutale Vorgehen seiner ICE-Agenten in Minneapolis und seine Beschimpfungen in sozialen Medien stellen die amerikanischen Teilnehmer in den ersten Tagen des großen Sportfests inmitten politischer Debatten.

Gemischte Gefühle und direkte Konfrontationen

Während viele Sportler versuchen, sich auf die Wettkämpfe zu konzentrieren, werden andere deutlich: Der Ski-Freestyler Hunter Hess sprach von „gemischten Gefühlen“, die USA zu vertreten. „Wenn es mit meinen moralischen Werten übereinstimmt, fühle ich mich vertreten. Aber nur weil ich die Flagge trage, heißt das nicht, dass ich alles repräsentiere, was gerade in den USA passiert“, erklärte Hess.

Die Replik aus Übersee ließ nicht lange auf sich warten und fiel in typischer Trump-Manier aus. Hess sei „ein echter Loser“, polterte der Präsident bei Truth Social. Trump ergänzte, Hess hätte sich nicht für Olympia bewerben sollen. „Es ist sehr schwer, jemanden wie ihn anzufeuern“.

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Wachsende Hass-Attacken gegen US-Sportler

Dass Trumps Beleidigungen immer auch Futter für andere sind, bekamen Hess sowie weitere Sportler zu spüren. Das US-Team erhält eine wachsende Zahl von Hass-Nachrichten, teilte das Olympische und Paralympische Komitee der USA (USOPC) der Nachrichtenagentur AP mit. Man bemühe sich, die Attacken in sozialen Medien zu entfernen und ernstzunehmende Drohungen an die Strafverfolgungsbehörden weiterzuleiten.

Nicht nur anonyme Schreibtischtäter und Internet-Trolle haben sich auf kritische Sportler eingeschossen: Auch andere amerikanische Politiker, Trump-Freunde sowie rechte Aktivisten schüren online mit. Dass in Mailand tagelang gegen die Anwesenheit von Beamten der Einwanderungsbehörde ICE demonstriert wurde und es für US-Vizepräsident JD Vance bei der Eröffnungsfeier Pfiffe gab, dürfte nicht deeskalierend gewirkt haben.

Prominente Stimmen und Solidaritätsbekundungen

Der prominente Youtuber und Boxer Jake Paul, der mit der niederländischen Olympiasiegerin Jutta Leerdam verlobt ist, schrieb auf der Plattform X an Hess: „Von allen echten Amerikanern: Wenn Du dieses Land nicht repräsentieren willst, dann zieh doch woanders hin“. Paul hat bei X 4,4 Millionen Follower.

Medienvertreter stellen fast bei jedem Auftritt von US-Teammitgliedern auch Fragen nach der politischen Lage in der Heimat. Spencer Cox, republikanischer Gouverneur des Bundesstaats Utah, bat bei einer Präsentation der Winterspiele-Gastgeber von 2034 darum, doch die Sportler nicht mit diesen Themen zu konfrontieren. „Lasst die Politik sich um die Politik kümmern“, sagte Cox in der Olympiastadt Mailand.

Doch so mancher Athlet will gar nicht zu diesen Fragen schweigen. „Sehr traurig“ über die Entwicklung zeigte sich Freestyle-Kollegin Eileen Gu. Die gebürtige Amerikanerin tritt seit Jahren für China an, nach ihrem Nationenwechsel bekam sie Hass-Nachrichten und Morddrohungen. Hess habe sie jüngst angerufen „und gesagt, dass ich wohl die einzige Person sei, die verstehen könne, wie es sich anfühlt, wenn man einfach nur Ski fahren will und die ganze Welt sich gegen einen wendet“, schilderte die 22-Jährige.

Klärungsversuche und sportliche Fokussierung

Hess sah sich dann zu einer Klarstellung bemüßigt und schrieb bei Instagram, dass er sein Land liebe. Das Beste an Olympia sei, dass es Leute zusammenbringt. „Wenn so viele von uns gespalten sind, brauchen wir das mehr denn je“, schrieb er. Von etlichen Athleten bekam er dafür Zuspruch. „Was für eine Legende“, meinte die deutsche Snowboarderin Annika Morgan.

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Vor allem die Bilder und Szenen aus der US-Stadt Minneapolis, wo Agenten der Einwanderungsbehörde ICE nach Migranten suchen und bei Protesten schon zwei Amerikaner erschossen haben, wühlen auf. Langläuferin Jesse Diggins, die 2018 Olympiasiegerin geworden war, sagte: „Ich bin in Minnesota geboren und aufgewachsen. Es ist unglaublich schwer, sich auf Skifahren zu konzentrieren, wenn ich sehe, was mit diesen großartigen Communities geschieht“. Sie wolle ihre Rennen nutzen, „um jenes Amerika zu vertreten, das respektvoll, liebevoll, fürsorglich und offen ist und in dem man aufeinander achtet“.

Weltklasse-Snowboarderin Chloe Kim geht die Debatte rund um Minneapolis „sehr nahe“, wie sie sagte. Die Doppel-Olympiasiegerin mit koreanischen Wurzeln unterstrich, „dass wir das Recht haben, unsere Meinung zu den aktuellen Ereignissen zu äußern. Ich denke, wir müssen mit Liebe und Mitgefühl vorangehen, und ich würde mir wünschen, dass dies öfter der Fall wäre“.