Wendl/Arlt schreiben mit siebtem Olympia-Gold Sportgeschichte: Eine historische Lebensleistung
Zum fulminanten Abschluss der Rodel-Wettbewerbe bei den Olympischen Winterspielen in Cortina d'Ampezzo haben Deutschlands Medaillengaranten ihre Auftritte mit einem weiteren Goldregen gekrönt. Das Duo Tobias Wendl und Tobias Arlt sicherte sich mit dem Sieg in der Team-Staffel ihren insgesamt siebten Olympiasieg seit 2014 und schrieb damit Sportgeschichte als Deutschlands erfolgreichste Winter-Olympioniken aller Zeiten.
Emotionale Szenen im Eiskanal nach historischem Triumph
Noch lagen die deutschen Gold-Rodler auf ihren Schlitten, da stürmten die Teamkollegen bereits mit funkelnden Augen und lauten Jubelschreien in den Eiskanal. Mit Tränen der Rührung und geschwungenen Fahnen feierte die gesamte Mannschaft nicht nur den historischen Abschluss der Rodel-Wettbewerbe, sondern auch die außergewöhnliche Karriere des Rekord-Duos. „Unser letzter Olympialauf war nochmal richtig schön. Wir genießen jetzt den Moment. Das ist der krönende Abschluss“, erklärte Tobias Arlt nach seinem wahrscheinlich letzten Olympia-Rennen überhaupt.
DOSB-Präsident Thomas Weikert würdigte die Leistung als wahre „Lebensleistung“ und betonte: „Sie haben es geschafft. Die gesamte Mannschaft verneigt sich vor euch.“ Der sogenannte Bayern-Express Wendl/Arlt überflügelte damit sogar seine langjährige Kollegin Natalie Geisenberger aus der bayerischen Trainingsgruppe „Sonnenschein“, die neben sechsmal Gold noch einmal olympisches Bronze gewonnen hatte.
Deutsche Dominanz in der Team-Staffel seit Einführung
Seit der erstmaligen Austragung der Staffel-Disziplin im Jahr 2014 stand stets Deutschland ganz oben auf dem Olympia-Podest. Mit einem beeindruckenden Vorsprung von 0,542 Sekunden vor Österreich demonstrierte das deutsche Team erneut seine unangefochtene Überlegenheit. Gastgeber Italien komplettierte als Dritter das Podest.
Thomas Schwab, Vorstandsvorsitzender des Bob- und Schlittenverbandes für Deutschland (BSD), zeigte sich begeistert: „Alles Top-Läufe. Ganz wenig Läufe, gute Reaktionszeiten. Man hat bei den Emotionen im Ziel gesehen, was das wert ist.“ Rodel-Cheftrainer Patric Leitner, selbst Olympiasieger von 2002 im Doppel mit Alexander Resch, wischte sich nach dem furiosen Finale immer wieder Tränen aus den Augen und bekannte: „Das war unglaublich. Ich habe nichts zu beanstanden.“
Goldregen für das gesamte deutsche Team
Der Sieg in der Team-Staffel bescherte mehreren deutschen Rodlern weitere Goldmedaillen:
- Julia Taubitz und Max Langenhan feierten durch den Team-Erfolg ihr zweites Gold nach ihren bereits errungenen Einzelsiegen
- Dajana Eitberger, die am Vortag mit Debütantin Magdalena Matschina Silber bei der Olympia-Premiere im Frauen-Doppel geholt hatte, freute sich über ihr erstes olympisches Gold
- Wendl/Arlt selbst hatten zuvor bereits Bronze im Doppelsitzer gewonnen
Während des grenzenlosen Jubels im Eiskanal kniete Tobias Wendl aufgelöst mit dem Gesicht auf dem Eis. Auch die Skirennfahrerinnen Kira Weidle-Winkelmann und Emma Aicher stürmten zur Gratulation in den Kanal und unterstreichen damit die besondere Verbundenheit der deutschen Wintersportler.
Deutschland bleibt unangefochtene Rodelnation Nummer eins
Mit drei Olympiasiegen sowie je einmal Silber und Bronze bei diesen Spielen bleibt Deutschland die unangefochtene Rodelnation Nummer eins. Diese Bilanz ist besonders angesichts der zuletzt stark verbesserten Leistungen der Österreicher und Italiener als herausragend zu bewerten.
Allerdings wurde das Traumergebnis von Peking 2022 mit viermal Gold und zweimal Silber diesmal nicht erreicht. Thomas Schwab hatte dazu bereits vor den Wettkämpfen erklärt: „Es ist vermessen, wenn man glaubt, die Peking-Bilanz kann man noch übertreffen.“ In den Strukturgesprächen mit dem Deutschen Olympischen Sportbund hatte der erfolgreiche Wintersportverband von insgesamt neun bis elf Medaillen in der Eisrinne angepeilt - inklusive der noch ausstehenden Bob- und Skeleton-Wettbewerbe.
Abschied von der olympischen Bühne mit weiteren Zielen
Mit ihrem siebten Olympia-Gold verabschieden sich Wendl/Arlt von der olympischen Bühne, doch ans Aufhören denken die beiden noch lange nicht. „Wir sind so fit wie lange nicht. Unterm Strich kann man sagen, dass das fitteste Duo Wendl/Arlt dasteht, das es je gegeben hat“, betonte Tobias Wendl selbstbewusst.
Ihre Karriere wollen die beiden Rekordhalter unbedingt in ihrer Heimat am Königssee beenden, um Familien und Freunden etwas zurückzugeben. Der geplante Bahn-Neuaufbau sollte eigentlich zur WM 2028 abgeschlossen sein, steht aber aktuell auf der Kippe. „Das ist unser Ziel. Und wir wollen zum Abschluss in diesem Winter noch die große Kristallkugel im Gesamt-Weltcup holen“, erklärte Tobias Arlt. Nach sieben von neun Stationen führt der Bayern-Express im Gesamt-Weltcup souverän.
Historischer Platz in der Olympia-Rangliste
Von den noch aktiven Sportlern ist in der Olympia-Medaillen-Wertung nur noch der norwegische Skilanglauf-Star Johannes Hoesflot Klaebo mit siebenmal Gold, einmal Silber und Bronze erfolgreicher als das deutsche Rodel-Duo. Allerdings könnte der Norweger seine Bilanz bereits an diesem Freitag weiter aufbessern und damit den historischen Abstand vergrößern.
Dennoch bleibt die Leistung von Wendl/Arlt eine einzigartige Erfolgsgeschichte im deutschen Wintersport, die nicht nur durch Medaillen, sondern auch durch ihre Kontinuität und langjährige Dominanz in ihrer Disziplin beeindruckt. Die Team-Staffel in Cortina d'Ampezzo markiert den perfekten Abschluss einer beispiellosen olympischen Karriere.



