Badesaison startet: Brandenburg und Berlin suchen dringend Rettungsschwimmer
Obwohl das Wetter derzeit noch nicht sommerlich wirkt, beginnt in wenigen Wochen die Badesaison in Berlin und Brandenburg. Dann nehmen Rettungsschwimmer ihre Positionen auf Wachtürmen, an Stegen und am Beckenrand ein. Doch die entscheidende Frage lautet: Gibt es in beiden Bundesländern genügend qualifizierte Kräfte, um die Sicherheit an den Gewässern zu gewährleisten? Und welche Herausforderungen bringen Seen im Vergleich zu Freibädern mit sich?
Personalbedarf in Berlin: Angestellte und Ehrenamtliche im Einsatz
Die Freibadesaison erstreckt sich von Mai bis September. Die Berliner Bäder-Betriebe suchen für ihre 14 Sommerbäder und das Strandbad Wannsee noch Rettungsschwimmer. Insgesamt werden etwa 120 Beschäftigte für die Sommersaison benötigt, wozu auch Kassenpersonal zählt. Seit Februar finden regelmäßig Bewerbertage statt. Die Rettungsschwimmer in den Berliner Bädern sind angestellt und erhalten eine Vergütung.
Parallel dazu sind an Wochenenden rund 250 ehrenamtliche Kräfte der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) an Berliner Gewässern im Einsatz. „Auch wenn wir den Betrieb stemmen könnten, wäre es hilfreich, einige Rettungsschwimmer mehr zu haben“, erklärt Michael Neiße, Sprecher der DLRG Berlin.
Brandenburgs Seenvielfalt: Eine logistische Herausforderung
Brandenburg bietet Wasserratten etwa 3.000 Seen zur Auswahl, doch längst nicht alle werden überwacht. „Ehrenamtliche Rettungsschwimmer gibt es bei dieser Vielzahl an Wasserflächen immer zu wenig“, sagt Daniel Keip, Sprecher der DLRG Brandenburg. „Wir können gar nicht überall sein, wo es wünschenswert wäre.“ Dennoch ist die DLRG mit rund 4.500 Mitgliedern in Brandenburg gut aufgestellt.
Die Wasserwacht des Deutschen Roten Kreuzes (DRK) stellt in Brandenburg etwa 300 Rettungsschwimmer für Strandbäder bereit. Insgesamt verfügt die Organisation über 600 ehrenamtliche Kräfte, von denen viele jedoch als Ausbilder oder im Katastrophenschutz gebunden sind. „Dort, wo es Wachstationen gibt, kriegen wir das aber gut hin“, betont Referentin Linn Heiduk.
Anforderungen an Rettungsschwimmer: Mehr als nur Aufsicht
Die Hauptaufgabe der Rettungsschwimmer ist die Aufsicht am Wasser und im Notfall die Rettung von Menschen vor dem Ertrinken. Grundvoraussetzung ist das Deutsche Rettungsschwimmabzeichen in Silber. Die Wasserretter des DRK erwerben zusätzlich Qualifikationen als Sanitäter und lernen den Umgang mit Booten. „Bei einem Unfall von Wassersportlern kümmern wir uns nicht nur um den Menschen, sondern bringen auch das Boot in den Hafen“, erklärt Christian Weitzberg, technischer Leiter des DRK-Kreisverbandes Berlin Nord-Ost.
Herausforderungen: Nachwuchssorgen und fehlende Infrastruktur
Die Nachwuchsgewinnung bleibt ein zentrales Problem. Junge Menschen ziehen oft mit Beginn der Ausbildung weg, und andere Interessen wie der Führerschein lenken vom Ehrenamt ab. Zudem erschwert die Schließung von Bädern das Training. „Wer will schon eine Stunde mit dem Auto fahren, um im Bad zu trainieren?“, fragt Heiduk. Organisationen fordern finanzielle Unterstützung, etwa eine Pauschale pro ausgebildetem Rettungsschwimmer.
Ein weiteres Problem: Viele Rettungsstationen sind nur an Wochenenden und Feiertagen besetzt, sodass an heißen Tagen oder in den Ferien viele Badestellen unter der Woche unbewacht bleiben.
Technische Unterstützung: KI und Drohnen im Einsatz
Künstliche Intelligenz (KI) wird als mögliche Unterstützung diskutiert, etwa zur Erkennung auffälligen Verhaltens in Bädern. „Das ist aber noch im Anfangsstadium“, sagt der Brandenburger DLRG-Sprecher. In Potsdam ist geplant, Hallenbäder mit KI zu überwachen, um die Sicherheit zu erhöhen.
An Seen können Drohnen zur Suche nach vermissten Schwimmern eingesetzt werden. „Eine Drohne allein ersetzt jedoch keinen Rettungsschwimmer“, betont der DLRG-Sprecher.
Sicherheitstipps für Badende
- Unsichere Schwimmer sollten nur bewachte Badestellen aufsuchen.
- Bei langen Strecken in Ufernähe bleiben, um im Notfall Hilfe rufen zu können.
- Niemals unter Alkohol- oder Drogeneinfluss schwimmen gehen.
Statistik: Badetote in der Region
Im vergangenen Jahr ertranken in Brandenburg 25 Menschen, weniger als 2024 (30). Die meisten Opfer (14) ertranken in Seen. In Berliner Gewässern ertranken 16 Menschen, gleich viele wie im Vorjahr. Die Verteilung:
- 8 Personen in Flüssen
- 6 Personen in Seen
- 2 Personen in Kanälen
Mit dem Start der Badesaison wird deutlich: Die Sicherheit an Gewässern hängt maßgeblich von der Verfügbarkeit engagierter Rettungsschwimmer ab – eine Herausforderung, die sowohl personelle als auch technische Lösungen erfordert.



