Schwere Vorwürfe gegen Eisschnelllauf-Verband
Ein aktueller Bericht der ARD wirft der Deutschen Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) sowie deren Präsidenten Matthias Große (58) schwere finanzielle Missstände vor. Demnach müssen Athleten teilweise jahrelang auf ihnen zustehende Prämien warten und sich erheblich an Kosten für Trainingslager, Wettkampfreisen und Ausrüstung beteiligen.
Hohe Eigenbeteiligungen der Sportler
Laut dem Fernsehbeitrag werden den Eisschnellläufern sogenannte „Teilnahmegebühren“ in Rechnung gestellt, die bis zu 2000 Euro betragen können. Dieser Höchstbetrag soll für den Weltcup 2024 in Salt Lake City angefallen sein. Wie diese Summen genau zustande kommen und welche Gründe für die Rechnungslegung vorliegen, bleibt im ARD-Bericht jedoch unklar.
Verzögerte Prämienauszahlungen
Ein weiterer kritischer Punkt betrifft die Auszahlung von Prämien an die Athleten. Der Beitrag behauptet, dass Sportler teils jahrelang auf die Gelder warten müssen, die sie durch ihre Leistungen erlaufen haben. Um die fehlenden finanziellen Mittel zu überbrücken, hätten Erfurter Athleten in der Olympia-Saison einen Akt-Kalender erstellt und Crowdfunding-Aktionen initiiert, um ihre Saison abzusichern.
Athletensprecher fordert Transparenz
Athletensprecher Hendrik Dombek (28) äußerte sich schriftlich gegenüber der ARD: „Die aktuelle Situation im Verband stellt für viele Athletinnen und Athleten eine zusätzliche, erhebliche Belastung dar. Es besteht dringender Bedarf an einem intensiveren und regelmäßigen Austausch mit den Verbandsgremien.“ Dombek wünscht sich ein Umfeld, das von gegenseitigem Respekt, transparenter Kommunikation und verantwortungsvollem Umgang mit Macht geprägt ist.
Anonyme Vorwürfe gegen Präsident Große
Ein langjähriger Funktionär wird anonym von der ARD zitiert: „Große hat Haushaltspläne zurückgehalten, versprochene Prämien wurden nicht an Vereine und Sportler ausbezahlt, ganz viele Mitglieder hatten genug von seinem intransparenten Handeln und autoritären Führungsstil.“ Die finanzielle Lage des Verbandes soll unklar sein, und die Jahresabschlüsse für 2023 und 2024 seien nicht fristgerecht nachgereicht worden.
Finanzielle Schwierigkeiten des Verbandes
Fakt ist: Im Jahr 2024 musste die DESG laut ARD eine insolvenzrechtliche Beratung durchführen lassen. Grund war ein „nicht durch Vereinsvermögen gedeckter Fehlbetrag“ von mehr als 288.000 Euro, der im Jahresabschluss 2022 ausgewiesen wurde. Eine Insolvenz konnte zwar abgewendet werden, doch der Verband wird jährlich mit etwa 1,5 Millionen Euro Steuergeld gefördert.
Präsident Große kündigt Stellungnahme an
Matthias Große teilte mit: „Ich werde mich auf einer Pressekonferenz am 26. Februar in Berlin zu allen Punkten vollumfänglich äußern.“ Auf die Frage, warum er nicht sofort Stellung bezieht, antwortete er: „Weil wir 13 Athleten vor Ort haben, die sich vier Jahre auf diese Wettkämpfe vorbereitet haben. Sie haben es verdient, in Ruhe ihre Rennen zu absolvieren. Sie können keine Unruhe gebrauchen.“ Somit wird die Aufklärung der Vorwürfe erst nach den Olympischen Spielen in Mailand erfolgen.
Medaillen-Hoffnung Finn Sonnekalb
Im Fokus steht auch das Super-Talent Finn Sonnekalb (18), der als einzige Medaillen-Hoffnung der deutschen Eisschnellläufer in Mailand gilt. Vor der ARD-Kamera wollte sich jedoch keiner der Athleten um Sonnekalb zu den Vorwürfen äußern, was die angespannte Situation innerhalb des Verbandes unterstreicht.



