Entwurf zum Sportfördergesetz löst scharfe Kritik von Athleten Deutschland aus
Der unabhängige Verein Athleten Deutschland hat den aktualisierten Referentenentwurf des Bundeskanzleramts für ein Sportfördergesetz in einer deutlichen Stellungnahme am Mittwoch harsch kritisiert. Der Verein zeigte sich „schockiert“ von dem vorgelegten Papier und lehnt es „in der vorliegenden Form entschieden ab“. In der Erklärung hieß es weiter, dass der Entwurf „in zentralen Punkten hinter den eigenen Zielsetzungen zurückbleibt“.
Präsidentin Greiten übt deutliche Kritik an der Signalwirkung
Pia Greiten, die Präsidentin von Athleten Deutschland, äußerte sich mit klaren Worten zu den Plänen: „Mit dem Referentenentwurf senden das Bundeskanzleramt und der organisierte Sport, der ihn maßgeblich beeinflusst hat, ein klares Signal: Eine unabhängige und wirksame Athletenvertretung ist im deutschen Sportsystem weiterhin nicht gewünscht.“ Diese Aussage unterstreicht die tiefe Enttäuschung über die mangelnde Berücksichtigung der Interessen der Athleten.
Hintergrund und Entwicklung des Entwurfs
Das Bundeskanzleramt hatte bereits Ende Oktober einen ersten Referentenentwurf vorgelegt, der beim Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB) für erheblichen Unmut sorgte. Der ursprüngliche Plan sah vor, dass die Politik bei der Verteilung von Bundesmitteln aufgrund einer vorgesehenen 4:1-Mehrheit im Stiftungsrat einer Spitzensportagentur praktisch alle Entscheidungen treffen kann. Der DOSB forderte damals konkrete Nachbesserungen, äußerte sich jedoch zum zweiten Entwurf noch nicht öffentlich. Im neuen Entwurf wurde das Verhältnis von Politik zu Sport auf 6:3 angepasst.
Kernforderungen der Athleten und drohender Rückzug
Die Athleten kritisierten insbesondere, dass „ein Sitz für eine unabhängige Athletenvertretung im Stiftungsrat“ vollständig fehlt. Sie forderten die Bundesregierung auf, „den Referentenentwurf erneut anzupassen und die verbindliche Mitbestimmung unabhängiger Athletenvertretung im Stiftungsrat sowie verbindliche Schutzmechanismen als Förderkriterium sicherzustellen“. Bis dahin behält sich der Verein vor, „den Reformprozess nicht weiter zu begleiten“, was einen deutlichen Rückzug aus den Beratungen bedeuten würde.
Politische Debatte und Blockaden im Hintergrund
Über den Entwurf soll nach langen und kontroversen Debatten in den kommenden Tagen im Bundeskabinett beraten werden. Bis zuletzt blockierte das von Alexander Dobrindt (CSU) geführte Innenministerium diesen Schritt, was die politischen Spannungen um das Gesetzesvorhaben weiter verschärfte. Die anstehenden Beratungen werden nun unter dem Druck der scharfen Kritik von Athleten Deutschland stattfinden.



