Ehemaliger DBS-Präsident verurteilt Paralympics-Entscheidung scharf
Friedhelm Julius Beucher, der langjährige Präsident des Deutschen Behindertensportverbandes (DBS), hat in einem aktuellen Interview mit Web.de News die Zulassung russischer und belarussischer Athleten unter eigener Flagge für die anstehenden Paralympics in Norditalien auf das Schärfste verurteilt. Der Ehrenpräsident des Verbandes bezeichnete diese Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) eindeutig als "einen Skandal" und betonte, dass man internationale Beschlüsse zwar zur Kenntnis nehmen müsse, sie aber nicht akzeptieren oder unkritisch hinnehmen dürfe.
Wildcards ermöglichen Teilnahme trotz fehlender Qualifikation
Besonders kritisch sieht Beucher die Vergabe von sogenannten Bipartite-Plätzen, also Wildcards, an insgesamt sechs russische und vier belarussische Sportler. Ohne diese Sonderregelung hätten faktisch keine Athleten aus den beiden Ländern an den Spielen teilnehmen können, da der reguläre Qualifikationszeitraum in allen Sportarten bereits abgeschlossen war, als das IPC im September 2025 überraschend die Suspendierung Russlands und Belarus' aufhob. "Hier habe ich mir vom IPC mehr Rückgrat gewünscht", erklärte der erfahrene Sportfunktionär deutlich.
Neutralität als Minimalforderung nicht erfüllt
Beucher wies darauf hin, dass die nun zugelassenen Sportler nicht nur antreten dürfen, sondern dies auch mit nationalen Emblemen und unter ihrer eigenen Hymne tun können. "Es wäre das Maximum gewesen, was man von den Sportlern fordern kann: Sie starten neutral und vertreten nicht ihr Land politisch", so der ehemalige DBS-Präsident. Diese Form des Schutzes für alle Beteiligten sei damit nicht gegeben.
Historische Verfehlungen Russlands im Sport
Im weiteren Verlauf des Gesprächs verwies Beucher auf die zahlreichen historischen Verfehlungen Russlands im internationalen Sport. Er erinnerte an das organisierte Staatsdopingsystem rund um die Spiele in Sotschi, das über Jahre hinweg Bestand hatte und keine Einzelfälle darstellte. Zudem kritisierte er die zeitliche Koinzidenz militärischer Aggressionen mit sportlichen Friedenszeiten: "Die Krim-Besetzung 2014, der Angriff auf die Ukraine 2022 – genau in Phasen, in denen der olympische und paralympische Frieden gelten sollte. Es geht nicht nur um Sport, sondern um Werte, die hier mit Füßen getreten werden."
Der langjährige Verbandspräsident betonte abschließend, dass der Deutsche Behindertensportverband sich das Recht nicht nehmen lassen werde, diese kontroverse Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees weiterhin deutlich und öffentlich zu kritisieren. Die Paralympics in Norditalien stehen damit nicht nur unter sportlichen, sondern auch unter schwerwiegenden politischen und ethischen Vorzeichen.



