Biathlon-Ikone Michael Rösch bricht das Schweigen über mentale Kämpfe
Der ehemalige Olympiasieger Michael Rösch (42) gewährt tiefe emotionale Einblicke in seine persönliche Geschichte. Der Biathlon-Star spricht offen über Depressionen, die ihn nach seinem größten sportlichen Triumph heimsuchten. Gegenüber der Deutschen Presse-Agentur erklärt Rösch: "Der Olympiasieg war öffentlich sichtbar. Der schwerste Kampf fand jedoch im Stillen statt. Mental war ich zeitweise völlig erledigt und wie tot."
Von der Goldmedaille in die mentale Krise
Röschs Karriere begann vielversprechend: Sein Debüt im Biathlon-Weltcup gab er 2004, nur zwei Jahre später erreichte er mit der deutschen Staffel bei den Olympischen Spielen in Turin den Gold-Gewinn. Dieser Triumph markierte den Höhepunkt seiner sportlichen Laufbahn. In den folgenden Jahren kamen drei Bronzemedaillen bei Weltmeisterschaften (2007, 2008, 2009, jeweils mit der Staffel) sowie insgesamt vier Weltcupsiege hinzu.
Doch der Erfolg hatte eine dunkle Seite, wie Rösch bereits Anfang Februar im "Focus" erklärte: "Man wird in jedem Rennen an der Goldmedaille gemessen. Dieser ständige Druck hat mich teilweise zerstört und zerbrochen." Der öffentliche Erwartungsdruck lastete schwer auf den Schultern des Athleten.
Der schwierige Nationenwechsel und erste Suizidgedanken
Ab Sommer 2012 begann ein neues Kapitel mit ungeahnten Herausforderungen: Rösch bemühte sich um die belgische Staatsbürgerschaft und gab dafür unter anderem seinen Beamtenstatus bei der Bundespolizei auf. Der komplizierte Nationenwechsel zog sich über mehrere Monate hin und belastete den Sportler zunehmend. Im Januar 2013 erlebte er erstmals den "Ansatz von Suizidgedanken", wie er heute berichtet.
Von Anfang 2014 an startete Rösch fünf Jahre lang für Belgien, bevor er 2019 seine Karriere beendete. Der Rücktritt vom Profisport markierte jedoch nicht das Ende seiner Probleme, sondern den Beginn einer neuen Krise.
Der Weg aus der Depression
Nach seinem Karriereende und einem emotionalen Zusammenbruch suchte Rösch im Mai 2019 erstmals die Notfallambulanz auf. Die Diagnose Depression führte zu einer intensiven Behandlung mit Medikamenten und über 50 Therapiesitzungen. Rösch beschreibt den Heilungsprozess mit eindrücklichen Worten: "Es war, als ob ein dichter Nebel alles verhüllte - und plötzlich brach blauer Himmel durch."
Heute arbeitet der ehemalige Olympiasieger als Kommentator und war für Eurosport auch beim großen Biathlon-Event in diesem Winter im Einsatz. Seine Offenheit über mentale Gesundheit soll anderen Betroffenen Mut machen und das Tabu um psychische Erkrankungen im Sport brechen.



