DOSB-Vizepräsidentin Kerstin Holze: Von Olympia-Einsatz bis Kinderärztin
DOSB-Vizepräsidentin Holze: Olympia-Einsatz als Ärztin

DOSB-Vizepräsidentin Kerstin Holze: Eine Bilanz der Olympischen Winterspiele

Die Vizepräsidentin des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), Kerstin Holze, hat nach den Olympischen Winterspielen in Mailand und Cortina d'Ampezzo eine umfassende Bilanz gezogen. Die Kinderärztin aus Schwerin sprach im Interview über die Leistungen des deutschen Teams, organisatorische Herausforderungen und persönliche Erlebnisse während der zweiwöchigen Sportveranstaltung.

Deutsche Erfolge und Herausforderungen

Kerstin Holze zeigte sich stolz auf die 185 Sportlerinnen und Sportler von Team D, die in 15 von 16 Sportarten vertreten waren. "Olympische Spiele schafft keiner und keine alleine", betonte sie und würdigte die Arbeit des Teams hinter den Kulissen. Besonders hervor hob sie die Erfolge in den technischen Disziplinen wie Bob, Skeleton und Rennrodeln, wo Deutschland mit vier Eiskanälen über exzellente Trainingsbedingungen verfügt.

Allerdings gab es auch Enttäuschungen. "In einigen Kernsportarten sind wir hinter den Erwartungen zurückgeblieben", räumte Holze ein. Sie forderte eine differenzierte Analyse und den Austausch mit anderen Nationen, um die Leistung zu verbessern. Als positive Beispiele nannte sie Daniela Maiers Goldmedaille im Ski Cross – die erste deutsche in dieser Disziplin – sowie Erfolge im Skispringen, Ski Alpin und Rodeln.

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Der olympische Alltag und besondere Momente

Die Stimmung im Deutschen Haus beschrieb Holze als geprägt von großem Zusammenhalt. "Wir haben zusammen Daumen gedrückt, mitgefiebert, gelitten und natürlich auch ausgelassen gefeiert", erzählte sie. Ein besonderer Moment war für sie der Geburtstagsabend, den die Rodler mit ihrem Olympiasieg in der Team-Staffel vergoldeten.

Ein unvergessliches Erlebnis hatte Holze in einem kleinen Café auf einem Parkplatz zwischen den Wettkampfstätten. "Hier zeigte sich, was den olympischen Geist ausmacht: In sportlicher Rivalität vereint, wurden die Athleten des eigenen Landes angefeuert", schwärmte sie. Der Barbesitzer hatte spontan seine Familie zusammengerufen und die Liveübertragung auf maximale Lautstärke gestellt.

Organisatorische Herausforderungen und Nachhaltigkeit

Die Dezentralität der Wettkampfstätten mit Entfernungen von bis zu sechs Stunden stellte auch für die Offiziellen eine Herausforderung dar. Holze betonte jedoch: "Unter dem Gesichtspunkt der Nachhaltigkeit wird die Dezentralität bei Winterspielen die Normalität sein." Wichtig sei, dass Sportstätten auch nach den Spielen genutzt werden könnten.

Italien habe sich als hervorragender Ausrichter präsentiert, auch wenn es bei den Biathlonwettbewerben in Antholz zu chaotischen Zuständen bei der An- und Abfahrt gekommen sei.

Vom offiziellen Termin zum medizinischen Einsatz

Als DOSB-Vizepräsidentin hatte Holze verschiedene Aufgaben: Sie vertrat das deutsche Team bei offiziellen Terminen, betreute Partner aus der Wirtschaft und politische Gäste wie Vizekanzler Lars Klingbeil oder Sportministerin Dr. Christiane Schenderlein. Dabei ging es in intensiven Gesprächen immer wieder um die Herausforderungen des Sports in Deutschland.

Doch manchmal kam das Leben dazwischen: An der Curling-Strecke musste die Kinderärztin spontan als Medizinerin einspringen und eine gestürzte Person versorgen. Ein unerwarteter Einsatz, der ihre doppelte Rolle als Sportfunktionärin und Ärztin unterstrich.

Ausblick und persönliche Bilanz

Holze zog klare Schlüsse aus den Spielen: "Olympische und Paralympische Spiele im eigenen Land sind eine Investition, die sich lohnt", betonte sie und verwies auf Italiens Sprung von Platz 13 in Peking auf Platz 4 im heimischen Medaillenspiegel. Der DOSB werde weiter alles tun, um Spiele nach Deutschland zu holen.

Persönlich geht Holze dankbar und motiviert zurück in ihren Alltag als Kinderärztin in der Klinik in Schwerin. "Teil eines Teams zu sein, das Athleten auf ihrem Weg begleitet, ist eine Ehre", resümierte sie. Die Wochen in Italien seien zwar anstrengend gewesen, aber auch ein Privileg, das sie nicht missen möchte.

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