Hamburg greift München im Olympia-Duell an
Im hochkarätigen Rennen um die Austragung der Olympischen und Paralympischen Sommerspiele 2036, 2040 oder 2044 geht Hamburg mit deutlichen Worten in die Offensive. Bürgermeister Peter Tschentscher präsentierte am Dienstag das aktualisierte Bewerbungskonzept der Hansestadt und ließ dabei keine Gelegenheit aus, Spitzen gegen den bayerischen Konkurrenten München zu verteilen.
„Mehr als Lederhose und Weißwurst“
„Olympia ist mehr als Lederhose und Weißwurst. Wir wollen einen anderen Spirit reinbringen in die olympische Idee“, erklärte Tschentscher kurz vor Ende der fast 100-minütigen Präsentation. Damit schickte der SPD-Politiker leicht vergiftete Grüße an seinen Münchner Amtskollegen Dieter Reiter und positionierte Hamburg als moderne Alternative zur traditionellen bayerischen Bewerbung.
Die Botschaft der Hansestadt war eindeutig: Hamburg ist bereit. Bereit für das anstehende Referendum am 31. Mai, bereit für das prognostizierte Nord-Süd-Duell gegen München und bereit für eine gesamte deutsche Olympia-Kampagne unter Führung des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB).
Konzept der kurzen Wege und Nachhaltigkeit
Im Zentrum der Hamburger Pläne steht das Konzept eines „Olympia der kurzen Wege“ kombiniert mit starkem Nachhaltigkeitsfokus. „Es gibt in ganz Deutschland – das will ich in aller hanseatischer Bescheidenheit herausstellen – keinen besseren Ort, um die olympische Idee im 21. Jahrhundert aufleben zu lassen“, betonte Tschentscher.
Die Hansestadt setzt dabei auf die Nutzung bestehender Sportanlagen oder temporärer Bauten. „Wir haben nicht die Stadt den Olympischen Spielen anzupassen, sondern wir passen die Spiele so an, dass sie hervorragend in unsere Stadt passen“, erklärte der Bürgermeister. Zudem erhofft sich Hamburg durch eine mögliche Olympia-Ausrichtung einen „nationalen Rückenwind für große Infrastrukturprojekte“.
Vier deutsche Bewerber im Rennen
Neben Hamburg und München bewerben sich auch die Region Köln/Rhein-Ruhr sowie Berlin um die Austragung der Spiele. Während München bereits ein erfolgreiches Referendum mit 66,4 Prozent Zustimmung durchgeführt hat, steht Hamburgs Volksabstimmung am 31. Mai noch aus. Die Rhein-Ruhr-Region zählt am 19. April die Briefbefragungen aus, Berlin plant gar kein Referendum – was Tschentscher als Nachteil für die Hauptstadt wertet.
Vom „dezentralen Ansatz“ in Nordrhein-Westfalen zeigt sich der Hamburger Bürgermeister wenig überzeugt. „Eigentlich ist nur München wirklich eine Alternative zu Hamburg“, analysierte Tschentscher und prognostizierte, dass das Rennen wahrscheinlich „zwischen München und Hamburg ausgehen“ wird.
Finanzielle und infrastrukturelle Herausforderungen
Das finanzielle Rahmenkonzept Hamburgs sieht Kosten von 4,8 Milliarden Euro bei geplanten Einnahmen von 4,9 Milliarden Euro vor. Allerdings stehen zusätzliche Milliardeninvestitionen in Infrastrukturmaßnahmen an. Eine besondere Herausforderung: Die Hansestadt verfügt über kein Olympiastadion und müsste eine nagelneue Arena errichten, die nach den Spielen zur neuen Heimat des Hamburger SV werden soll.
Doch trotz dieser Herausforderungen bleibt Tschentscher optimistisch: „Der DOSB erwartet, dass man möglichst keine neuen Sportanlagen baut – und dafür spüren wir, dass unser Konzept wirklich passend ist.“
Entscheidung im September
Der Deutsche Olympische Sportbund will am 26. September in Baden-Baden über die deutsche Bewerbung entscheiden. Bis dahin wird sich zeigen, ob Hamburgs Konzept der kurzen Wege und Nachhaltigkeit oder Münchens Erfahrung von 1972 die Oberhand behält. Für Tschentscher geht es dabei auch um mehr als nur Sportgroßereignisse: „Es geht ja auch ein bisschen um die Frage der Ehre.“



