Iran-Konflikt als Albtraum für Sportstrategie der Golfstaaten
Der anhaltende Iran-Krieg und seine weitreichenden Folgen stellen nach Einschätzung des Islamwissenschaftlers Sebastian Sons einen massiven Reputationsverlust für die Golfstaaten im internationalen Sport dar. Staaten wie Katar, Bahrain und die Vereinigten Arabischen Emirate, die in den letzten Jahren Milliarden in den Aufbau einer globalen Sportpräsenz investiert haben, sehen sich nun mit erheblichen Imageschäden konfrontiert.
Absagen und Verschiebungen als geschäftsschädigend
"Das ist ein Super-GAU und ein absoluter Albtraum – insbesondere für ihr Image als aufstrebendes Zentrum des globalen Sports", erklärte Sons in einem Interview mit der Frankfurter Allgemeinen Zeitung. Die jüngsten iranischen Vergeltungsschläge haben bereits zu konkreten Auswirkungen geführt: In der Formel 1 wurden Reifentests in Bahrain abgebrochen, in der katarischen Liga wurden Spiele auf unbestimmte Zeit verschoben. Selbst das prestigeträchtige "Finalissima" zwischen Argentinien und Spanien, das in Katars Hauptstadt Doha stattfinden sollte, steht nun auf der Kippe.
"Ein Großteil ihrer Soft Power und ihrer globalen Marketingstrategie basiert darauf, dass sie als ernstzunehmende neue Akteure im Sport wahrgenommen werden", betonte Sons. "Dass sie nun gezwungen sind, Sportveranstaltungen abzusagen oder zu verschieben, schadet der 'Marke Golf' erheblich – sowohl reputationsmäßig als auch geschäftlich."
Fußball-WM wird noch politisierter
Die anstehende Fußball-Weltmeisterschaft mit den Co-Gastgebern USA, Mexiko und Kanada (vom 11. Juni bis 19. Juli 2026) wird nach Einschätzung des Experten "noch politisierter" sein als das umstrittene Turnier in Katar. "Der Sport kann sich der aktuellen Weltlage einfach nicht entziehen", so Sons. Sportverbände stünden vor der schwierigen Aufgabe, eine klare Haltung und Kommunikationsstrategie zu formulieren.
"Sie müssen signalisieren: Wir sind nicht unpolitisch, aber wir lassen uns nicht für politische Zwecke instrumentalisieren. Das ist ein äußerst schmaler Grat", erklärte der Wissenschaftler. Auch für den Deutschen Fußball-Bund (DFB) sei es entscheidend, "mit einem durchdachten Plan in diese WM zu gehen". Sons kritisierte: "Der DFB sollte nicht wie ein Getriebener wirken. Es ist wichtig, den Druck von den Spielern zu nehmen. In Katar war das ein Versäumnis – dort hat man die Spieler mehr oder weniger mit politischen Themen alleingelassen."
Die Auseinandersetzung mit dem Krieg im Nahen Osten sieht Sons als heikle Thematik, an der sich Sportverbände leicht "die Finger verbrennen" könnten. Dennoch bleibe eine engagierte Positionierung unvermeidbar, da die globale Sportwelt zunehmend in geopolitischen Konflikten verstrickt sei.



