Zwischen Job und Paralympics: Deutsche Para-Athleten kämpfen um finanzielle Förderung
Para-Athleten: Job oder Förderung für Paralympics?

Zwischen Job und Paralympics: Der Kampf um finanzielle Sicherheit

Hinter den deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Paralympischen Spiele in Italien verbergen sich höchst unterschiedliche Lebensrealitäten. Während einige Aktive über Förderstellen finanziell abgesichert sind und sich voll auf den Sport konzentrieren können, müssen andere den Para-Sport neben einem Vollzeitjob meistern.

Förderstellen als entscheidender Vorteil

Anja Wicker, Para-Biathletin, betont den Wert ihrer Sportförderstelle beim Zoll: „Ich habe den Luxus mit der Sportförderstelle. Das macht einen unglaublichen Unterschied, weil ich keine finanziellen Sorgen habe. Ich bin abgesichert und kann in Ruhe meinem Sport nachgehen.“ Wer auf Paralympics-Niveau konkurrieren wolle, brauche diese Unterstützung, so die 34-Jährige.

Auch ihre sehbehinderte Teamkollegin Leonie Walter profitiert von der Förderung der Behörde. „Ich habe die Sicherheit durch meine Zoll-Stelle und die Sporthilfe. Ohne wäre es schwer, den Para-Sport finanziell zu stemmen“, berichtete die 22-Jährige.

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Bundeswehr und Zoll erleichtern das Training

Der Guide von Leonie Walter ist Sportsoldat – ebenso wie seit kurzem auch Emily Weiß, Begleitläuferin der sehbehinderten Johanna Recktenwald. „Im September gab es die Möglichkeit mit der Bundeswehr. Seitdem können wir viel mehr und besser trainieren und sind auf einem ganz anderen Level“, erklärte die 22-Jährige, die zudem noch studiert.

Die alpine Paralympicssiegerin Anna-Lena Forster ist über den Zoll finanziell so abgesichert, dass sie sich ganz auf den Sport konzentrieren kann. „Ich bin Berufssportlerin. Das heißt, ich habe keine zollspezifische Aufgabe. Ich bin dort in der Spitzensport-Fördergruppe“, sagte die Erste Zollhauptwachtmeisterin.

Der schwierige Spagat zwischen Beruf und Sport

Während einige Para-Athleten studieren, müssen andere Beruf und Sport kombinieren. Para-Langläufer Steffen Lehmker arbeitet als Berufsschullehrer. Für seine zweite Paralympics-Teilnahme hat der 37-Jährige derzeit Sonderurlaub. „Diese Strukturen etwa mit dem Zoll kamen erst relativ spät. Um Sicherheit und nicht permanent Druck zu haben, habe ich mein Studium abgeschlossen und dann begonnen zu arbeiten“, berichtete er.

Durch seinen Job trainiert er deutlich weniger als andere und weiß, dass er nicht auf dem allerhöchsten Niveau konkurrieren kann. „Es ist schon schwer, überhaupt ein gewisses Niveau zu halten mit einem Beruf“, betonte er. Einer seiner Teamkollegen arbeitet als Haustechniker, ein anderer ist Assistent der Geschäftsführung.

Besonders auffällig: Die Para-Eishockeymannschaft

Unter den 17 Spielern der Para-Eishockeymannschaft sind neben Studenten auch ein Arzt, ein Sozialarbeiter, ein Zimmermeister und ein Kaufmann. Felix Schrader, Angestellter im öffentlichen Dienst, sagte nach der 0:13-Niederlage gegen die USA: „Die Amerikaner verdienen damit ihr Geld und sind den ganzen Tag auf dem Eis. Wir sind Vollzeit-Arbeiter und messen uns mit Vollzeit-Profis, das sieht man dann auch am Ergebnis.“

Zu wenige Förderplätze für Para-Sport

Während die deutschen Paralympioniken in Italien derzeit alle von der Sporthilfe unterstützt werden und monatlich zwischen 75 und 800 Euro erhalten, kritisieren Athleten und Verband insgesamt zu wenige Förderplätze im Para-Sport. Zuletzt forderten daher 196 deutsche Para-Athleten in einer gemeinsamen Erklärung mehr Gelder und eine bessere Absicherung.

Ihr Ziel: langfristig mindestens 200 Para-Förderplätze im Bundeshaushalt 2027. Derzeit gibt es laut Athletenvertretung „Athleten Deutschland“ nur 168 Para-Förderplätze, während im Schnitt rund 200 deutsche Sportlerinnen und Sportler an Paralympics im Sommer und Winter teilnehmen.

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Im olympischen Bereich stehen indes nach Angaben des Deutschen Behindertensportverbands (DBS) rund 1700 Förderplätze für zuletzt knapp 620 Teilnehmer an Sommer- und Winterspielen zur Verfügung. Christiane Schenderlein, Sport-Staatsministerin, bestätigte am Rande ihres Besuchs in Italien: „Wir haben den paralympischen Sport in den letzten Jahren auch aufgesattelt, aber die Verteilung ist schon nochmal anders als beim olympischen Sport.“