Paralympics 2026 in Verona: Schatten über der Eröffnungsfeier
Die Paralympischen Spiele in Italien stehen vor einem schwierigen Start. Noch vor der offiziellen Eröffnungszeremonie in Verona werden die Wettkämpfe von lauten Boykottaufrufen überschattet. Der Grund: Das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hat beschlossen, dass russische und belarussische Athleten wieder unter ihren nationalen Flaggen antreten dürfen. Bei Siegen werden sogar die Nationalhymnen gespielt. Diese Entscheidung sorgt international für massive Kritik und wirft einen dunklen Schatten auf das sportliche Großevent.
Ein skandalöser Beschluss trotz anhaltendem Krieg
Friedhelm Julius Beucher, der Ehrenpräsident des Deutschen Behindertensportverbandes, bezeichnet die IPC-Entscheidung zu Recht als „skandalös“. Trotz des weiterhin brutalen russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, trotz der völkerrechtswidrigen Annexion der Krim und trotz anhaltender Probleme mit Dopingkontrollen in Russland, hat sich das IPC als erstes großes Sportkomitee für eine quasi Rehabilitation des Landes entschieden. Die Begründung, Sport und Politik trennen zu müssen, wirkt vor diesem Hintergrund besonders hohl und realitätsfern.
Erinnern wir uns: Vor zwei Jahren bei den Paralympics in Paris schufen die Organisatoren auf der Place de la Concorde eine unvergessliche Stimmung mit zahlreichen Gänsehautmomenten. Alle Sportler betonten damals in Interviews, wie viel Motivation sie genau aus dieser feierlichen Eröffnung für ihre Wettkämpfe gezogen hatten. Von solch positiver Energie wird nach der Zeremonie in Verona kaum mehr die Rede sein können – und dafür trägt das IPC die alleinige Verantwortung.
Paralympischer Sport ist immer politisch
Gerade der paralympische Sport muss und will immer politisch sein. Seit Jahrzehnten kämpfen Athleten aus aller Welt mit ihren beeindruckenden Leistungen und bewegenden Lebensgeschichten für einen normalen Umgang zwischen behinderten und nichtbehinderten Menschen. Gibt es eine wichtigere gesellschaftspolitische Botschaft als diese? Die Entscheidung des IPC untergräbt diese fundamentale Aussagekraft des Behindertensports auf gefährliche Weise.
Wenn es in den vergangenen Jahren richtig war, die Hymnen russischer und belarussischer Athleten nicht zu spielen und ihre Fahnen nicht zu hissen – dann bleibt diese Haltung auch bei den Paralympics 2026 die einzig richtige Entscheidung. Oder hat sich etwa die politische Lage grundlegend verändert? Bombardiert Russland plötzlich nicht mehr die ukrainische Zivilbevölkerung? Die Antwort liegt auf der Hand und macht die IPC-Entscheidung umso unverständlicher.
Die Schande von Verona
Am Freitagabend wird Russland bei der feierlichen Eröffnungszeremonie offiziell auf die große Bühne des Weltsports zurückkehren. Was als Triumph der Inklusion und des sportlichen Fairplay gedacht sein sollte, entwickelt sich zu einem politischen Eklat. Die „Schande von Verona“ wird nicht nur die Stimmung bei den Spielen trüben, sondern auch das Vertrauen in die Unabhängigkeit und Integrität internationaler Sportorganisationen nachhaltig beschädigen. Während die Athleten um Medaillen kämpfen, kämpft der paralympische Sport selbst um seine Glaubwürdigkeit und politische Moral.



