Paralympischer Eklat vor Winterspielen in Italien
Kurz vor dem Start der Paralympischen Winterspiele in Mailand und Cortina d'Ampezzo hat eine Entscheidung des Internationalen Paralympischen Komitees (IPC) für erhebliche Kontroversen gesorgt. Die ukrainische Mannschaft darf bei den Wettkämpfen vom 6. bis 15. März nicht mit speziellen Anzügen antreten, auf denen eine Landkarte des Landes in den Grenzen von 1991 abgebildet ist. Diese Darstellung umfasst auch die Krim und die derzeit von Russland besetzten Gebiete, was für die ukrainische Seite eine wichtige symbolische Bedeutung hatte.
Symbolische Botschaft wird untersagt
Valeriy Sushkevych, der Präsident des ukrainischen Paralympischen Komitees, erklärte gegenüber der Nachrichtenagentur Ukrinform: „Das IPC hat deutlich gemacht: 'Nein, das geht nicht.' Es handelte sich um eine ästhetisch ansprechende und äußerst symbolträchtige Uniform, die eindringlich verdeutlichte, dass die Ukraine in der Welt und in Europa mit allen ihren Territorien ohne russische Besatzung existiert.“ Nach der Ablehnung durch das Paralympische Komitee präsentierte die ukrainische Delegation umgehend eine alternative Uniform, die schließlich genehmigt wurde.
Politische Spannungen überschatten die Spiele
Die Paralympischen Winterspiele stehen ohnehin unter politischen Vorzeichen. Das ukrainische Team hat angekündigt, die Eröffnungsfeier aus Protest gegen die Zulassung russischer und belarussischer Sportler unter eigener Flagge zu boykottieren. Auch ukrainische Regierungsvertreter werden offiziellen Veranstaltungen fernbleiben. Sportlich werden dennoch 36 ukrainische Athletinnen und Athleten in verschiedenen Disziplinen antreten und um Medaillen kämpfen.
Vorgeschichte: Kontroverse bei Olympischen Spielen
Bereits bei den Olympischen Winterspielen hatte es ähnliche Auseinandersetzungen gegeben. Der ukrainische Skeleton-Fahrer Vladyslav Heraskevych (27) durfte nicht starten, weil sein Helm Bilder von 20 im Krieg getöteten ukrainischen Sportlern zeigte. Dieses Design entsprach nicht den strengen Vorgaben des Internationalen Olympischen Komitees (IOC). IOC-Präsidentin Kirsty Coventry suchte damals persönlich das Gespräch mit Heraskevych und versuchte, ihn zu einem Start mit einem neutralen Helm zu bewegen. Der Athlet blieb jedoch bei seiner Haltung und erklärte, er wolle die gefallenen Sportkollegen „nicht verraten“.
Nun setzt sich diese Serie politisch aufgeladener Kontroversen im Sport fort – dieses Mal geht es um eine geografische Darstellung auf der Wettkampfkleidung und betrifft die Paralympischen Spiele. Die Entscheidung des IPC unterstreicht die schwierige Balance zwischen sportlicher Neutralität und politischen Statements im internationalen Wettkampfbetrieb.



