Eisschnelllauf-Verband verhängt Startverbot gegen Kritiker Petzold
Der Deutsche Eisschnelllauf- und Shorttrack-Gemeinschaft (DESG) hat drastische Maßnahmen gegen den Eisschnellläufer Fridtjof Petzold ergriffen. Nach dessen öffentlicher Kritik an den Olympischen Winterspielen in Italien wurde dem 28-jährigen Athleten ein vorläufiges Startverbot erteilt und sein Status als Bundeskaderathlet mit sofortiger Wirkung ausgesetzt.
Disziplinarverfahren und mögliche Karrierefolgen
Beide Beschlüsse gelten bis zu einer endgültigen Entscheidung durch den Disziplinarbeirat des Verbandes, wie DESG-Vizepräsident Christoph Zepernick bestätigte. Bis dahin darf Petzold, der auf den Langstrecken über 5.000 und 10.000 Meter spezialisiert ist, nicht für Wettkämpfe nominiert werden. Dies bedeutet konkret, dass er die Mehrkampf-Weltmeisterschaft am 7. und 8. März in den Niederlanden verpassen könnte. Die Einberufung des Disziplinarbeirats erfolgt durch Verbandspräsident Matthias Große.
Die umstrittene Kritik und die Reaktion des Verbandes
Nach seinem abschließenden Wettkampf bei den Olympischen Winterspielen hatte Petzold öffentlich geäußert, dass die DESG ein strukturelles Problem habe und die Betreuung in Mailand nicht seinen Erwartungen entsprochen habe. Diese Aussagen stießen auf heftigen Widerstand seitens der Verbandsverantwortlichen. Sportdirektorin Nadine Seidenglanz wies die Vorwürfe vehement zurück, ebenso wie Präsident Große.
„Dann kommt jemand, der keine Leistung bringt, der sich nicht an die Regeln hält, stellt sich vor die Kamera und pestet“, erklärte Große in einer Pressekonferenz am Donnerstag. Aus seiner Sicht habe Petzold die Regeln des Verbandes verletzt. „Verbandsschädigende Aussagen kann er treffen, aber intern und nicht öffentlich“, führte der 58-Jährige aus. Seidenglanz sprach von einem „Bruch der Kaderkriterien“.
Unverständnis bei Athletenvertretung und Forderungen
Die Interessenvertretung Athleten Deutschland äußerte großes Unverständnis über das Vorgehen der DESG. „Athletinnen und Athleten müssen ohne Angst vor Repressalien die Möglichkeit haben, Kritik an ihrem Verband zu äußern, insbesondere wenn interne Beschwerdewege dysfunktional oder mit Interessenkonflikten behaftet sind“, hieß es in einer Stellungnahme.
Der gemeinnützige Verein befürchtet zudem keinen fairen Umgang mit dem Sportler, da in der Disziplinarkommission der DESG jene Personen säßen, „die Gegenstand der Kritik von Fridtjof Petzold sind“. Athleten Deutschland erwartet vom Deutschen Olympischen Sportbund (DOSB), sich stärker für den Schutz der Athletinnen und Athleten einzusetzen und in diesem konkreten Fall zu intervenieren.
Auswirkungen auf die Sportkarriere
Für Fridtjof Petzold bedeutet das Startverbot nicht nur den möglichen Verpassen der anstehenden Weltmeisterschaft, sondern stellt auch seine gesamte weitere Karriere in Frage. Als Bundeskaderathlet verliert er mit sofortiger Wirkung wichtige Unterstützungsleistungen und Trainingsmöglichkeiten. Die Entscheidung des Disziplinarbeirats wird darüber entscheiden, ob der Langstreckenspezialist seine sportliche Laufbahn unter dem Dach des Deutschen Eisschnelllauf-Verbandes fortsetzen kann oder ob diese durch die Sanktionen ein vorzeitiges Ende findet.



