Ukrainische Paralympics-Athletin kritisiert gemeinsamen Start mit Russen
Die ukrainische Para-Langläuferin und -Biathletin Oksana Schischkowa hat sich in bewegenden Worten über den gemeinsamen Start von russischen und ukrainischen Athleten bei den Paralympischen Winterspielen in Italien geäußert. Die 34-Jährige, die aus der stark umkämpften Stadt Charkiw stammt, zeigte sich tief erschüttert angesichts der Situation.
Persönliche Tragödie im Hintergrund
„In der Ukraine sterben jeden Tag Menschen, und wir stehen hier mit Russen am Start. Das ist nicht normal und nicht gut“, sagte Schischkowa mit sichtlicher Emotion. Die sehbehinderte Sportlerin, die bereits zum fünften Mal an Paralympics teilnimmt, berichtete von einer persönlichen Tragödie: „Mein Bruder war im Krieg und wurde verletzt. Er hat nun eine Amputation.“
Die Athletin betonte die Absurdität der Situation: „Es ist einfach nicht normal, dass ich jetzt hier mit Russen bin, während in der Ukraine Freunde und Familie verletzt oder getötet werden.“ Schischkowa, die bei den Wettkämpfen in Tesero antrat, wiederholte eindringlich: „Das darf einfach nicht sein. Das ist nicht richtig.“
Wettkampfsituation bei den Paralympics
Am Dienstag startete Schischkowa im klassischen Qualifikationsrennen im Sprint für sehbehinderte Frauen genau 20 Sekunden nach der späteren russischen Goldmedaillengewinnerin Anastasija Bagijan. Sowohl Schischkowa als auch ihre ukrainische Teamkollegin Romana Lobaschewa verpassten jedoch das Finale der besten vier Athletinnen plus Guides, in dem Bagijan später siegte.
Kritik an IPC-Entscheidung
Die ukrainische Sportlerin äußerte auch Unverständnis über die unterschiedliche Behandlung russischer Athleten bei verschiedenen Sportveranstaltungen. Wegen Dopingsanktionen und des Angriffskriegs gegen die Ukraine waren russische Sportler zuletzt nur als neutrale Athleten ohne nationale Symbole zugelassen, gleiches galt für Belarus als Unterstützer der Invasion.
Doch das Internationale Paralympische Komitee (IPC) hob diesen Bann im Herbst auf. „Ich verstehe nicht, warum Russen und Belarussen bei Olympia als neutrale Athleten starten und hier nicht“, sagte Schischkowa und verwies auf die Inkonsistenz der Sportpolitik. Die Athletin schloss mit einem eindringlichen Wunsch: „Wir wünschen uns Frieden.“



