Billie Jean King Cup: Historischer Absturz - Deutsche Tennisfrauen nur noch drittklassig
Tennis-Frauen historisch abgestürzt - nur noch drittklassig

Historischer Tiefpunkt im deutschen Damentennis

Das deutsche Frauen-Tennis erlebt einen beispiellosen Absturz. Nach der desaströsen Relegation im portugiesischen Oeiras sind die Spielerinnen des Deutschen Tennis Bundes erstmals in der Geschichte des Billie Jean King Cup nur noch drittklassig. Dieser Tiefpunkt markiert den vorläufigen Höhepunkt einer Negativentwicklung, die seit Jahren anhält.

Von der Weltspitze in die Drittklassigkeit

Noch 2014 kämpfte die Goldene Generation um Angelique Kerber, Andrea Petkovic, Julia Görges und Sabine Lisicki in Prag um den Titel im prestigeträchtigen Team-Wettbewerb. Vor zwei Jahren war Deutschland bei der Endrunde in Malaga vertreten. Heute wissen die deutschen Tennisspielerinnen nicht einmal, wann und in welchem Format sie um die Rückkehr in die Zweitklassigkeit spielen werden.

Teamchef Torben Beltz zeigte sich nach dem 1:2 im entscheidenden Relegationsspiel gegen Litauen tief enttäuscht. "Es sind alle sehr niedergeschlagen, sehr traurig", sagte Beltz der Deutschen Presse-Agentur. "Es hat sportlich in dieser Woche nicht gereicht und wir müssen anerkennen, dass unsere Gegnerinnen in den entscheidenden Momenten besser waren."

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Junges Team enttäuscht auf ganzer Linie

Obwohl mit Laura Siegemund, Tatjana Maria und Eva Lys die laut Weltrangliste aktuell drei besten Spielerinnen fehlten, ist dies keine Entschuldigung für das Debakel von Oeiras. Lediglich Noma Noha Akugue erfüllte die Erwartungen und gewann drei ihrer vier Einzel. Ella Seidel hingegen enttäuschte erneut und scheiterte an den eigenen Nerven.

Beltz hatte bewusst auf die Routiniers Siegemund und Maria (beide 38 Jahre) verzichtet, um der nachrückenden Generation eine Chance zu geben - eine Entscheidung, die sich als Fehlschlag erwies. "Das entspricht nicht unserem Anspruch, den wir für das deutsche Damentennis haben", räumte der Teamchef ein, verteidigte aber seine Personalentscheidungen.

Kritik von Tennis-Legende Boris Becker

Den Optimismus von Beltz teilen bei weitem nicht alle. Tennis-Legende Boris Becker hatte bereits vor den Pleiten in Portugal den deutschen Nachwuchs insgesamt kritisiert. In seinem gemeinsamen Podcast mit Andrea Petkovic übte der dreimalige Wimbledon-Sieger scharfe Kritik an den Verantwortlichen für die Nachwuchsförderung im Deutschen Tennis Bund.

"Ich will niemandem zu nahetreten. Aber wenn ich in den Supermarkt gehe und einkaufen soll für den Abend, aber noch nie gekocht habe, weiß ich doch nicht, was ich einkaufen soll", hatte Becker gesagt. Der neuen Generation fehle es zudem an Einsatzwillen und Widerstandsfähigkeit.

Verband verteidigt Nachwuchskonzept

Die im DTB für den Leistungssport zuständige Veronika Rücker wies die Vorwürfe zurück. Der Verband hat bereits vor einiger Zeit einen ambitionierten Plan ausgearbeitet, nachdem im Jahr 2032 jeweils acht bis zehn Spielerinnen und Spieler in den Top 100 der Welt stehen sollen.

Aktuell sind es insgesamt nur acht - und Profis wie Siegemund und Maria bei den Frauen sowie Jan-Lennard Struff (35) und Yannick Hanfmann (34) bei den Männern stehen vor dem Ende ihrer Karrieren. Die Zukunft des deutschen Tennis steht damit mehr denn je auf dem Prüfstand.

Die triste Atmosphäre im Complexo de Tenis do Jamor von Oeiras spiegelte die desolaten Auftritte der deutschen Spielerinnen wider. Während andere Nationen Fortschritte machen, scheint Deutschland im internationalen Tennis zurückzufallen. Die Frage, wie es nach diesem historischen Tiefpunkt weitergehen soll, bleibt vorerst unbeantwortet.

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