VfB Suhl schreibt Volleyball-Geschichte: Außenseiter krönt sich zum deutschen Meister
In einer atemberaubenden Finalserie hat der VfB Suhl erstmals in seiner Vereinsgeschichte die deutsche Volleyball-Meisterschaft der Frauen errungen. Die Thüringerinnen besiegten den sechsfachen Champion Dresdner SC mit einem klaren 3:0-Gesamtsieg und vollendeten damit ein sensationelles Double, nachdem sie bereits Ende Februar völlig überraschend den Pokal gewonnen hatten.
Eiskalte Nutzung des Matchballs
Im entscheidenden dritten Spiel der Finalserie ließen die Suhlerinnen dem favorisierten DSC keine Chance und siegten mit 3:0-Sätzen (25:20, 25:16, 25:22). Damit setzten sie den ersten Meister-Matchball, den sie sich durch einen knappen 3:2-Auswärtssieg in Dresden erkämpft hatten, eiskalt um. Die Mannschaft feierte damit ihren 18. Heimsieg in Folge in der berüchtigten Wolfsgrube.
Königstransfer Mackenzie Foley als Schlüsselspielerin
Spielerin des entscheidenden Spiels war die Außenangreiferin Mackenzie Foley, die vor der Saison von der St. Cloud State Universität in Minnesota in den Thüringer Wald wechselte. Die US-Amerikanerin erwies sich als absoluter Königstransfer und sagte bereits vor Beginn der Halbfinalserie gegen Titelverteidiger Schwerin: „Ich denke, dass diese Mannschaft zu etwas Besonderem fähig ist.“ Ihre Prognose sollte sich als prophetisch erweisen.
Historischer Moment für Trainer László Hollósy
Trainer László Hollósy, der seit 2020 den VfB Suhl betreut, formte mit vergleichsweise geringem Etat ein herausragendes Team, das nun Volleyball-Geschichte schrieb. Der Ungar zeigte sich nach dem Sieg überwältigt: „Das ist historisch. Ich habe keine Worte, das ist unglaublich. Ich bin sehr stolz und dankbar.“ Sein Konzept ging trotz der klaren Außenseiterrolle in der Finalserie voll auf.
Verrückte Atmosphäre in der ausverkauften Halle
1.800 Fans in der komplett ausverkauften Halle feierten die Spielerinnen frenetisch. Der verrückteste Fanclub der Liga, die „AlwayS UHLtras“, trieb die Mannschaft mit lautstarker Unterstützung an. Mehr als doppelt so viele Tickets hätten für das historische Spiel verkauft werden können, so groß war das Interesse an diesem Volleyball-Märchen.
Statistisch betrachtet eine Sensation
Die Bilanz sprach eigentlich klar gegen den VfB Suhl: Von 75 bisherigen Aufeinandertreffen mit dem Dresdner SC hatten die Thüringerinnen nur 17 gewonnen. Doch im entscheidenden Moment war alle Statistik bedeutungslos. Auch im Halbfinale gegen Rekordmeister Schwerin galten die Suhlerinnen als klarer Außenseiter, setzten sich aber mit 2:0 durch.
Fairer Verlierer und Champions League-Qualifikation
DSC-Coach Alexander Waibl zeigte sich als fairer Verlierer und gratulierte dem neuen Meister: „Glückwunsch an Suhl. Sehr verdient Meister und auch sehr verdient das Double gewonnen.“ Ein kleiner Trost für sein Team: Trotz der Niederlage sind sowohl Suhl als auch Dresden in der kommenden Saison für die Champions League qualifiziert.
Was für ein irres Jahr für den Außenseiter aus Thüringen, der nun als Double-Gewinner in die Volleyball-Geschichte eingeht und beweist, dass mit Teamgeist, cleverer Trainingsarbeit und dem richtigen Spirit auch vermeintlich übermächtige Gegner besiegt werden können.



