Der chinesische Snooker-Shootingstar Wu Yize hat sich in einem packenden Finale gegen den Briten Shaun Murphy durchgesetzt und erstmals den Weltmeistertitel geholt. Mit 22 Jahren ist er der zweitjüngste Champion der Geschichte. Im Crucible Theatre in Sheffield setzte sich der Herausforderer mit 18:17 durch und krönte damit eine beeindruckende Saison.
Ein Finale auf Messers Schneide
Das Endspiel wurde im Modus „Best of 35 Frames“ ausgetragen und bot bis zum letzten Frame Spannung pur. Wu Yize, der bereits am ersten Tag mit 10:7 in Führung lag, musste im Verlauf des Matches mehrere Rückschläge verkraften. Nach einem Fehlstart kämpfte er sich zurück und zeigte eine bemerkenswerte mentale Stärke. „Ich glaube, entscheidend war der Glaube“, sagte der neue Weltmeister unmittelbar nach dem Sieg. „Seit Jahren habe ich daran gearbeitet – und ich bin glücklich, es ins Ziel gebracht zu haben.“
Murphys Reaktion: „Ich hasse es, recht zu haben“
Shaun Murphy, der 2005 selbst als 22-Jähriger Weltmeister wurde, zeigte sich nach der Niederlage fair. „Ich hasse es, recht zu haben“, scherzte der Brite. „Ich habe schon früh in der Saison gesagt, er wird eines Tages Weltmeister sein. Leider ist es heute schon geglückt. Ich hatte nicht mehr zu geben, ich hätte es nicht härter versuchen können.“ Murphy war in der Nachmittagssession auf 12:13 herangekommen, doch Wu behielt in der entscheidenden Abendsession die Nerven und sicherte sich den Titel.
Chinas Dominanz im Snooker
Mit diesem Sieg setzt Wu Yize die Erfolgsserie chinesischer Spieler fort. Im Vorjahr hatte bereits Zhao Xintong als erster Asiate den WM-Titel gewonnen, indem er Mark Williams mit 18:12 besiegte. Nun folgt Wu in seine Fußstapfen und untermauert die Vormachtstellung Chinas im Snooker. Die Dominanz der britischen Altmeister scheint endgültig gebrochen. Wu ist nach Stephen Hendry (21 Jahre, 106 Tage) der zweitjüngste Weltmeister aller Zeiten – und unterbot Murphys Altersrekord um 63 Tage.
Ein Turnier voller Höhen und Tiefen
Wus Weg zum Titel war geprägt von beeindruckenden Comebacks. Nach einer 3:0-Führung im Finale ließ er sich zwischenzeitlich abfangen, beendete den ersten Tag aber dennoch vorn. In der zweiten Session kassierte er fünf Frames in Folge, nur um die nächsten vier zu gewinnen. In der Schlussphase schenkten sich beide Spieler nichts, doch Wu behielt die Oberhand. „In den vergangenen Monaten habe ich immer nach demselben Rhythmus gelebt“, verriet er bei Eurosport. „Nach dem Duell will ich unbedingt Schlaf nachholen.“



