Aicher-Frust bei Brignones olympischem Ski-Märchen: Gold für Italien, Enttäuschung für Deutschland
Aicher-Frust bei Brignones olympischem Ski-Märchen

Aicher-Frust bei Brignones olympischem Ski-Märchen

Cortina d'Ampezzo • Statt schwarz-rot-goldenem Jubel gab es in den Dolomiten diesmal grün-weiß-rote Begeisterung. Während Deutschlands Ski-Star Emma Aicher minutenlang allein hinter einer Absperrung saß, ließ sich Italiens Federica Brignone von den begeisterten Fans mit lauten „Fede, Fede“-Rufen feiern. Das deutsche Duo erlebte im olympischen Super-G eine herbe Enttäuschung, während die Lokalmatadorin ein echtes Ski-Märchen schrieb.

Deutsche nach Doppel-Flop selbstkritisch

Emma Aicher und Kira Weidle-Winkelmann schieden beide nach Fahrfehlern aus dem letzten alpinen Speed-Event dieser Winterspiele aus. „Ich ärgere mich schon ein bisschen“, sagte die 22-jährige Aicher, die mit Startnummer sieben eigentlich zu den Mitfavoritinnen gezählt hatte. Sie hätte auf dem nassen, weichen Schnee die Ideallinie besser nicht verlassen sollen. Auch ihre sieben Jahre ältere Teamkollegin Weidle-Winkelmann gab zu: „Ich bin voll auf Risiko gefahren.“ Der Mut wurde jedoch nicht belohnt.

Nach Silber in der Team-Kombination und Aichers zweitem Platz in der Abfahrt hatte das deutsche Duo große Erwartungen geweckt. Obwohl weitere Topfahrerinnen wie Italiens Sofia Goggia, US-Abfahrts-Olympiasiegerin Breezy Johnson oder die tschechische Allrounderin Ester Ledecka ebenfalls ausschieden, führten die Deutschen ihren Doppel-Flap ausschließlich auf eigene Fehler zurück. Aicher verpasste es vorerst, als erste Deutsche seit Katja Seizinger 1998 drei Olympia-Medaillen bei denselben Spielen zu gewinnen.

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Brignone krönt Comeback nach Horror-Verletzung

Für Federica Brignone hingegen wurde der Super-G zur Krönung eines unglaublichen Comebacks. Monatelang hatte der Start der Italienerin bei ihren Heimspielen infolge einer schweren Verletzung am seidenen Faden gehangen – nun glänzte Gold um ihren Hals. „Es ist verrückt“, sagte die 35-Jährige strahlend. „Ich war heute ein Außenseiter. Aber ich weiß, was ich kann.“

Im April des Vorjahres hatte sich die Mailänderin bei den italienischen Meisterschaften schwer am Knie verletzt. Die Diagnose war erschütternd: eine mehrfache Fraktur des Schienbeinplateaus und des Wadenbeinkopfes sowie ein Kreuzbandriss. 237 Tage später stand Brignone erstmals wieder auf Skiern. Erst Mitte Januar kehrte sie in den Weltcup zurück – mit einem beachtlichen sechsten Platz im Riesentorlauf am Kronplatz.

Historischer Triumph und nationale Ekstase

Nun schrieb Brignone Geschichte: Sie ist die älteste Alpin-Olympiasiegerin aller Zeiten und verwies die Französin Romane Miradoli sowie Cornelia Hütter aus Österreich auf die weiteren Podestplätze. Als sie über die Ziellinie schoss und die Bestzeit auf der Anzeigetafel erschien, stieß sie einen ihrer mittlerweile bekannten Freudenschreie aus.

Die Emotionen waren überwältigend: Ihr Bruder vergoss Tränen der Freude, Italiens Staatspräsident Sergio Mattarella jubelte auf der Tribüne mit und gehörte zu den ersten Gratulanten. Düsenflieger zogen mit Rauch die italienischen Landesfarben in den Himmel, während Brignone und große Teile des Publikums voller Leidenschaft die Nationalhymne sangen.

Mit 17 Jahren hatte Brignone einst im Weltcup debütiert. Seither gewann sie zweimal die Gesamtwertung, holte zwei Goldmedaillen bei Weltmeisterschaften und nunmehr insgesamt vier olympische Plaketten. Doch Gold bei Olympia ist auch für die erfahrene Athletin ein neues Gefühl – und die perfekte Krönung ihrer spektakulären Rückkehr.

Ausblick für die deutschen Skirennläuferinnen

Für Emma Aicher sind die Olympischen Spiele in Norditalien noch nicht beendet. Sie hat weitere Chancen, mindestens im Slalom und möglicherweise auch im Riesenslalom. Ob sie in letzterem antreten wird, ließ sie zunächst offen. Nach der Enttäuschung im Super-G wird sie nun versuchen, ihre Form in den technischen Disziplinen unter Beweis zu stellen.

Kira Weidle-Winkelmann erlebte hingegen einen enttäuschenden Olympia-Abschluss. Für beide deutsche Athletinnen bleibt die Erkenntnis, dass im alpinen Skisport oft Millimeter über Sieg und Niederlage entscheiden – und dass selbst große Favoritinnen an schwierigen Bedingungen und eigenem Risikoverhalten scheitern können.

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